Tod an der Küste Flüchtlinge ertrinken vor Lanzarote

Sie hatten das Ziel fast erreicht: Wenige Meter vor der Küste der Kanareninsel Lanzarote ist ein Flüchtlingsboot gekentert. Surfer konnten sechs Menschen retten - doch 21 ertranken, das jüngste Opfer war ein achtjähriges Mädchen.


Las Palmas - "Als wir dort ankamen sahen wir die Überlebenden, die anderen Bootsinsassen trieben im Wasser", berichtete einer der Helfer, Anibal Betancort, dem Radiosender SER. "Von der Küste aus warfen wir ihnen Leinen und Rettungswesten zu. Die Überlebenden hielten sich am sinkenden Boot fest und schrien."

Suchaktion vor Lanzarote: Rettungskräfte suchen nach vermissten Flüchtlingen
REUTERS

Suchaktion vor Lanzarote: Rettungskräfte suchen nach vermissten Flüchtlingen

Beim Kentern des Bootes wurden mehrere Flüchtlinge so unglücklich unter dem Schiffsrumpf eingeklemmt, dass sie sich nicht befreien konnten und ertranken. "Man kann nichts machen, wenn die See so rau ist. Man fühlt sich total nutzlos, wenn man Menschen so sieht", sagte Augenzeuge Betancor.

Schwimmer und Surfer versuchten, die Flüchtlinge zu erreichen, berichtete ein Sprecher des Rettungsdienstes. Sechs Menschen konnten Helfer und Küstenwache schließlich retten.

Das Unglück ereignete sich am Sonntagabend am Cocoteros-Strand in der Nähe des Ortes Teguise etwa 20 Meter vor der Küste.

Die Rettungsdienste bargen zunächst 21 Leichen. Zunächst war von 22 Toten berichtet worden. Unter den Opfern waren mehrere Kinder.

Die Nordafrikaner waren nach Angaben des spanischen Rundfunks von der marokkanischen Hafenstadt Tanger aus gestartet in der Hoffnung, auf spanisches Gebiet zu gelangen. Auf der Nachbarinsel Teneriffa landeten am Wochenende unversehrt zwei Boote mit 145 Menschen an Bord, etwa 20 von ihnen waren Kinder.

Flüchtlinge aus Nordafrika nutzen meist die Route entlang der östlichen Kanareninseln oder die Meerenge von Gibraltar, um mit kaum seetauglichen Booten nach Spanien zu gelangen. Nach Angaben der spanischen Behörden konnte die Zahl der Flüchtlingsboote, die Land erreichen, durch verstärkte Überwachung drastisch reduziert worden. Im vergangenen Jahr kamen nach Zahlen des Uno-Flüchtlingshilfswerks UNHCR 13.500 Migranten über das Meer. Das waren etwa 25 Prozent weniger als 2007.

Etwa 9000 Flüchtlinge kamen allein auf den Kanarischen Inseln an. Nach offiziellen Angaben starben im vergangenen Jahr 120 Menschen bei der Flucht aus Afrika nach Spanien. Es wird aber vermutet, dass die Zahl der Todesopfer viel höher liegt.

sac/dpa/AFP/AP



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