Feldlager Masar-i-Scharif Bundeswehr rätselt über Tod eines Soldaten

Mysteriöser Todesfall in der Bundeswehr: Vergangene Woche wurde ein Stabsgefreiter in Nordafghanistan tot in seinem Zelt gefunden. Zunächst ging man von einem Suizid aus. Nun aber gibt es offene Fragen - von der Tatwaffe fehlt bislang jede Spur.

Standort der Bundeswehr in Masar-i-Scharif: Suche nach der Tatwaffe
ddp images/ dapd

Standort der Bundeswehr in Masar-i-Scharif: Suche nach der Tatwaffe

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Berlin - Der Tod eines 24-jährigen Stabsgefreiten im Bundeswehr-Feldlager Masar-i-Scharif in Nordafghanistan wird immer mysteriöser. Kameraden hatten den jungen Soldaten in der Nacht zum vergangenen Freitag mit einer schweren Kopfverletzung in einer Unterkunft aufgefunden. Im Lazarett konnte später nur noch der Tod festgestellt werden.

Laut einer ersten Obduktion hatte er sich vermutlich mit der Dienstpistole in den Kopf geschossen. Die Bundeswehr war von einem Suizid aus privaten Gründen ausgegangen. Deswegen berichtete SPIEGEL ONLINE zunächst nicht über den Vorfall.

Mittlerweile gibt es in jedoch viele offene Fragen: So fanden die Ermittler der Feldjäger weder die Tatwaffe noch das Projektil an der Fundstelle des Toten. Auch eine intensive Suche im Umfeld ergab nichts. Zudem war der Soldat stark betrunken, obwohl die Deutschen im Camp nur zwei Dosen Bier pro Abend trinken dürfen.

Am Mittwoch unterrichtete der parlamentarische Staatssekretär Thomas Kossendey die Abgeordneten des Verteidigungsausschusses über den mysteriösen Fall. Kossendey warnte dabei vor schnellen Schlussfolgerungen, noch immer sprächen die Umstände der Tat für einen Suizid.

Innerhalb der Truppe war man zunächst davon ausgegangen, dass ein Kamerad die Waffe mitgenommen hatte, um den Suizid zu verschleiern und so eine mögliche Auszahlung einer Lebensversicherung des Toten an seine Familie nicht zu gefährden. Solche Versicherungen verweigern bei einem festgestellten Selbstmord die Auszahlung der Prämien.

Immer wieder erhöhter Alkoholkonsum

Die Bundeswehr ermittelt in dem Fall vor Ort weiter, auch die Schwerpunktstaatsanwaltschaft in Kempten, die seit einiger Zeit für alle relevanten Vorfälle innerhalb der Bundeswehr in Afghanistan zuständig ist, wurde involviert.

Der Vorfall wirft abseits des tragischen Schicksals erneut die Frage des Alkoholkonsums in deutschen Feldlagern auf. Grundsätzlich wird in den Freizeiteinrichtungen der Truppe recht streng kontrolliert, dass die Soldaten nur zwei Dosen Bier pro Tag konsumieren, trotzdem kommt es immer wieder zu Vorfällen von stark alkoholisierten Bundeswehrangehörigen.

Erst vor einigen Tagen kam es ebenfalls in Masar-i-Scharif zu einer ungewollten Schussabgabe, nur durch Glück wurde niemand verletzt, auch in dem Fall war der Soldat vermutlich angetrunken.

Das Feldlager in Masar-e-Scharif ist das größte Lager der Bundeswehr in Nordafghanistan, dort sind derzeit knapp 2900 deutsche Soldaten stationiert.



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