Tod eines Terroristen Bin Ladens letzte Minuten

Wie genau starb Osama Bin Laden? Die Informationen zum Tod des Qaida-Chefs sind bisher spärlich, widersprüchlich - klar aber ist, dass er sich den US-Elitesoldaten mit Waffengewalt widersetzte. Die geringe Bewachung könnte darauf hindeuten, dass sich der Terrorchef sehr sicher fühlte.

REUTERS/ The White House

Hamburg - Die Operation beginnt auf der Ghazi Air Base in Pakistan. Von dort aus fliegen drei oder vier Militärhubschrauber nach Abbottabad, zu Bin Ladens Versteck. An Bord der Maschinen: Elitesoldaten vom "Team Six" der Navy Seals, angereist aus Afghanistan, wohl von den Stützpunkten Jalalabad oder Bagram.

Team Six hat nach Angaben des Magazins "National Journal" einen geradezu mythischen Ruf. Offizieller Name der Einheit: Naval Special Warfare Development Group. Seit April haben die Männer für den Einsatz trainiert, so das Magazin. Sie unterstehen laut "Guardian" direkt dem CIA-Chef Leon Panetta, dem Präsident Barack Obama die Kommandogewalt für diese Operation übertragen hat.

Über die Anzahl der Soldaten gibt es stark schwankende Angaben. Associated Press (AP) nennt zwei Dutzend und beruft sich auf einen mit der Aktion vertrauten Insider. Die "New York Times" berichtet dagegen, insgesamt hätten 79 Soldaten an der Aktion teilgenommen.

Das Ziel der Elitekämpfer, Bin Ladens Anwesen, wird von Anwohnern als luxuriös "mit einer zweistöckigen Villa" beschrieben. Sie steht auf einem großen Grundstück. Möglicherweise wurde das Haus eigens für Bin Laden gebaut, mutmaßen Geheimdienstler. Das Anwesen sei "maßgeschneidert dafür gewesen, eine wichtige Person zu verstecken", sagt ein nicht namentlich genannter Mitarbeiter der Obama-Regierung. Es liegt in einer Gegend mit kleineren Häusern, Geschäften und staubigen Straßen.

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Tödliche US-Operation: Jagd auf Bin Laden
Die Schutzvorkehrungen sind enorm. Es gibt wenige Fenster, bis zu fünfeinhalb Meter hohe Mauern mit Stacheldraht umgeben das Anwesen, berichtet SPIEGEL-ONLINE-Korrespondent Hasnain Kazim. Zugang gibt es nur durch zwei bewachte Tore. Auch innerhalb des Anwesens gibt es Mauern, die verschiedene Bereiche des Grundstücks voneinander trennen. Eine Terrasse ist mit einer mehr als zwei Meter hohen Sichtschutzmauer versehen, schreibt der "Guardian".

Bin Laden schießt auf US-Soldaten

Die US-Soldaten schlagen in der Nacht gegen 1.30 Uhr Ortszeit zu. Mit Nachtsichtgeräten ausgestattet seilen sie sich innerhalb der Mauern des Anwesens ab. Michael Scheuer, Gründer und Leiter der 2004 aufgelösten Bin-Laden-Einheit des amerikanischen Geheimdienstes CIA, sagte dem "Guardian", er sei nicht von der Art des Verstecks überrascht gewesen. Ein großzügiges Anwesen in städtischer Umgebung sei der bevorzugte Unterschlupf von Qaida-Größen gewesen. "Diese Hollywood-Version vom Rennen von Fels zu Fels und Höhle zu Höhle ist Unsinn. Man ist am verwundbarsten, wenn man sich bewegt."

Überrascht ist Scheuer dagegen "von der geringen Bewachung". Das deute für ihn darauf hin, dass Bin Laden sich ziemlich sicher gefühlt habe. Als die Leute des Terrorchefs den Angriff bemerken, eröffnen sie vom Dach aus das Feuer auf die Soldaten. Die US-Truppen schießen zurück und dringen in das Gebäude ein.

Bin Laden will sich nicht kampflos geschlagen geben. Ein mit der Operation vertrauter US-Offizieller sagt, Bin Laden habe auf die US-Soldaten geschossen. Er sei dann vom Sperrfeuer der Spezialkräfte getroffen worden. Nach Informationen des US-Nachrichtensenders CNN starb der 54-Jährige durch einen Kopfschuss. Laut "National Journal" starb er durch zwei Schüsse in seine linke Gesichtshälfte. Bin Laden sei gegen Ende des 40-minütigen Gefechts getötet worden, berichtete die "New York Times".

Erleichterung, Genugtuung, Angst vor Rache

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Die US-Spezialtruppen hätten den Terroristenführer nach neueren Angaben des Weißen Hauses lebend gefangen genommen, wenn es dazu eine Möglichkeit gegeben hätte. John Brennan, Anti-Terror-Berater von US-Präsident Barack Obama, sagt am Montag in Washington, die Einsatzkräfte hätten mit Widerstand Bin Ladens gerechnet, es habe aber auch eine "entfernte Möglichkeit" gegeben, ihn lebend zu ergreifen. Da Bin Laden gekämpft habe, sei er getötet worden. Zunächst war immer davon die Rede gewesen, es habe sich bei dem Einsatz um eine "Kill Mission" gehandelt. Das Weiße Haus hat im Tagesverlauf hier offenbar seine Sprachregelung korrigiert - vielleicht auch, um völkerrechtliche Kritik an der Aktion zumindest teilweise zu entkräften.

Bei der Kommandoaktion werden neben Bin Laden drei weitere Männer und eine Frau getötet. Bei den Männern handelt es sich offenbar um einen Sohn Bin Ladens sowie zwei Boten. Die Frau war offenbar eine Ehefrau Bin Ladens. Die Lage ihres Körpers deute darauf hin, dass sie von Bin Laden oder seinem Sohn "als menschlicher Schutzschild benutzt wurde", sagt Brennan. Zwei weitere Frauen werden in dem Gefecht verletzt. In US-Medien hieß es, Bin Laden habe sich "hinter einer Frau verschanzt".

US-Soldaten kommen bei dem Einsatz nicht ums Leben. Nach Angaben der "New York Times" stellen die Kämpfer zahlreiche Dokumente sicher. Diese wertet nun die CIA aus.

Ganz nach Plan verlief der Einsatz aber nicht: Einer der Helikopter fiel wegen einer "mechanischen Panne" beim Anflug aus. Die Soldaten zerstörten ihn, bevor sie in den anderen Hubschraubern entschwebten.

ulz/dpa/dapd/Reuters/AP

Forum - Der Tod Bin Ladens - ein nachhaltiger Schlag gegen den Terror?
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HansOch 02.05.2011
1. Bin Laden
na, da müsste die Welt ja friedlicher werden H.
woener 02.05.2011
2. Profile
Zitat von sysopEr war der meistgesuchte Mann der Welt: Osama Bin Laden, der Anführer des Terrornetzwerks al-Qaida, ist tot. US-Spezialkräfte haben ihn bei einer Kommandoaktion in Pakistan getötet. Wir die weltweite Terrorgefahr nun geringer?
Es ist ein Name, was hinter diesem Namen alles verborgen ist, das wird verborgen bleiben. Der einzig authentische Zeuge ist tot. Selbst die SPD hat über Herrn Wiefelspütz schon vermelden lassen, dass die Gefahr noch nicht beseitigt ist und die "Terrorschutz - Notstandsgesetze" erhalten bleiben. Ob man in der CDU dann gleich zur umfassenden Einführung aller Notstandsgesetze greift? Die Bespitzelungsgesetze werden nun aber zur Bewährungsprobe für die FDP werden können, eine neue Chance zur Profilierung?
Greg84 02.05.2011
3.
Schlag gegen den Terror? Eher nicht. Ich glaube kaum, dass bin Laden noch an der Spitze der al-Qaida stand, vielleicht hatte er sich auch komplett aus dem "Geschäft" zurück gezogen. Das einzige was der Schlag gegen bin Laden gebracht hat ist die Schaffung eines weiteren Märtyrers. Für Obama hätte der Zeitpunkt allerdings kaum besser sein können. Politisch läuft es für verdienten Träger des Friedensnobellpreises nicht grade perfekt, da hilft so ne positive Nachricht schon unheimlich weiter.
endbenutzer 02.05.2011
4. Mission beendet
Hat George W. Bush eigentlich schon der Familie Bin Laden sein Beileid ausgesprochen? Unter alten (Geschäfts-) Freunden ist das doch so üblich. Oder lebt Bin Laden doch noch und man wollte eigentlich nur die nunmehr fast genau 10-jährige Mission „Krieg gegen Terror“ zum bürgerfreundlichen Abschluss bringen? Merkwürdig: Gerade jetzt, da Obama und die gesamten USA in punkto Staatsverschuldung praktisch mit dem Rücken zur Wand stehen, wird für den amerikanischen Otto Normalverbraucher wieder einmal ein toller Grund geliefert, die Fahne zu schwingen und mit der Hand auf dem Herzen die Nationalhymne zu singen. Super Drehbuch...
G_Schwurbel 02.05.2011
5. weder noch
Zitat von sysopEr war der meistgesuchte Mann der Welt: Osama Bin Laden, der Anführer des Terrornetzwerks al-Qaida, ist tot. US-Spezialkräfte haben ihn bei einer Kommandoaktion in Pakistan getötet. Wir die weltweite Terrorgefahr nun geringer?
Die Welt wird durch seinen Tod weder sicherer noch unsicherer. Al Quaida ist ein Netzwerk, es würde mich wundern, gäbe es für Bin Laden keinen Nachfolger (seinen Tod hat er schließlich einkalkuliert). Vielleicht hat er auch vorher als Rache für seine Tötung den Auftrag erteilt, direkt danach Attentate zu verüben? Alles denkbar...
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