Israelischer Ex-Ministerpräsident Scharon wird mit Staatsbegräbnis beigesetzt

Der frühere israelische Premierminister Ariel Scharon soll am Montag beigesetzt werden. Politiker in aller Welt würdigen ihn als einen der wichtigsten Architekten des Landes, etliche haben sich für das Staatsbegräbnis angekündigt.

Ariel Scharon (2004): Staatsbegräbnis am Montag
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Ariel Scharon (2004): Staatsbegräbnis am Montag


Jerusalem - Ariel Scharon wird ein Staatsbegräbnis erhalten. Der frühere israelische Regierungschef ist im Alter von 85 Jahren in einem Krankenhaus bei Tel Aviv gestorben. Er hatte nach einem Schlaganfall acht Jahre lang im Koma gelegen.

Scharon soll am Sonntag in der Knesset, dem Parlament in Jerusalem, aufgebahrt werden. Dort kann die Öffentlichkeit von ihm Abschied nehmen. Das Staatsbegräbnis wurde für Montag, 13 Uhr, angekündigt. Es findet auf Scharons Ranch in der Negev-Wüste im Süden des Landes statt, wie der Armeerundfunk und weitere israelische Medien am Samstagabend unter Berufung auf die mit der Organisation des Begräbnisses betraute Minister-Kommission berichteten.

Die USA werden auf dem Begräbnis von Vize-Präsident Joe Biden vertreten. Scharon hatte gebeten, neben seiner zweiten, im Jahre 2000 gestorbenen Frau Lily auf einem Hügel des Anwesens beerdigt zu werden.

Politiker in aller Welt hoben seine Verdienste für Israel hervor. US-Präsident Barack Obama nannte Scharon einen Mann, der dem Staat Israel sein Leben gewidmet habe. Bundeskanzlerin Angela Merkel würdigte Scharon als Patrioten mit großen Verdiensten für sein Land.

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Ariel Scharon: Der Mann für alle Fronten
Palästinenser bezeichneten ihn dagegen als Kriminellen und erklärten, sein Name werde für immer mit Schmerz, Blut, Folter, Vertreibung und Verbrechen verbunden sein. Auf Scharon warte nun Gottes Strafe, sagte das führende Fatah-Mitglied Dschamal Muhessen. "Er wird für seine Verbrechen bestraft werden, vor allem für Sabra und Schatila." Während des Libanon-Krieges hatten mit Israel verbandelte libanesische Milizen 1982 Hunderte Palästinenser in den Flüchtlingslagern Sabra und Schatila ermordet.

Der Sprecher der radikalislamischen Hamas im Gazastreifen, Salah al-Bardawil, sagte sogar: "Wir beten zu Allah, dass Scharon und all die zionistischen Führer, die Massaker gegen unser Volk verübt haben, zur Hölle gehen wird."

"Seinen letzten Kampf verloren"

Der ebenso schillernde wie umstrittene Politiker und General hatte nach einer dramatischen Verschlechterung seines Gesundheitszustandes seit Tagen mit dem Tode gerungen. Der engste Familienkreis harrte seit mehr als einer Woche an seinem Krankenbett aus. Zuletzt hatten die Ärzte von mehreren Organschädigungen berichtet. Scharon hinterlässt zwei erwachsene Söhne und mehrere Enkelkinder. Er wäre am 27. Februar 86 Jahre alt geworden.

"Mein lieber Freund, Ariel Scharon, hat heute seinen letzten Kampf verloren", erklärte Israels Präsident Schimon Peres. Er würdigte Scharon als einen der größten Beschützer und wichtigsten Architekten Israels. "Ariel war ein tapferer Soldat und kühner Führer, der seine Nation liebte, und sein Land liebte ihn." Regierungschef Benjamin Netanjahu bezeichnete Scharon als großen militärischen Führer und mutigen Kämpfer, dessen Erinnerung immer im Herzen der Nation bleiben werde.

Scharon war von 2001 Regierungschef. Während seiner knapp fünfjährigen Amtszeit vollzog er einen drastischen Kurswechsel. Er setzte 2005 den einseitigen Rückzug aus dem Gaza-Streifen durch. Merkel hob diesen Schritt besonders hervor: "Mit seiner mutigen Entscheidung, die israelischen Siedler aus dem Gaza-Streifen abzuziehen, hat er einen historischen Schritt auf dem Weg zu einem Ausgleich mit den Palästinensern und zu einer Zwei-Staaten-Lösung getan."

Seit Ende Juli verhandeln Israel und die Palästinenser wieder über eine Friedenslösung auf Basis der Zwei-Staaten-Lösung, bei der ein in Frieden neben Israel lebender Palästinenserstaat angestrebt wird. Dafür müsste sich Israel aus weiten Teilen des Westjordanlandes zurückziehen.

wit/dpa/AFP

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