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08. März 2012, 18:21 Uhr

Tod von Osama Bin Laden

Eifersuchtsdrama im Terror-Clan

Abbottabad war das letzte Versteck von Osama Bin Laden - aber wohl auch Ort heftiger familiärer Spannungen: Zwischen zwei Frauen des Qaida-Chefs soll es wenige Wochen vor dessen Tötung zu Streitereien gekommen sein. Verriet eine eifersüchtige Partnerin den Top-Terroristen?

Rawalpindi - Mit der Ruhe für Osama Bin Laden in seinem Versteck in Abbottabad war es spätestens Anfang 2011 vorbei. Das lag an einer der Frauen des damaligen Qaida-Chefs: Khairia Saber war in die pakistanische Garnisonsstadt gekommen und wohnte fortan in dem Anwesen, in dem Bin Laden isoliert von der Außenwelt lebte.

Es muss der Anfang vom Ende des häuslichen Friedens gewesen sein. Zwischen Khairia und einer weiteren Frau Bin Ladens spielten sich offenbar heftiger Streitereien und Eifersuchtsszenen ab - am Ende könnten sie dazu geführt haben, dass die Jäger des Terrorchefs seine Spur aufnahmen: So hat es Shaukat Qadir, ein pensionierter pakistanischer Offizier, der Nachrichtenagentur AP geschildert.

Qadir war über Monate mit dem Fall Bin Laden befasst und hatte nach eigenen Angaben Zugang zu Verhörprotokollen des Geheimdienstes, der unter anderem Bin Ladens Frau Amal Ahmed al-Sadah vernommen hat. Die Jemenitin war bei dem Sturm des Verstecks durch US-Spezialeinheiten am 2. Mai 2011 in Abbottabad verletzt und festgenommen worden.

Khairia hatte dem AP-Bericht zufolge ein Zimmer im zweiten Stock des Anwesens bezogen. Sie wohnte damit nicht weit entfernt vom Qaida-Chef. Er teilte sich in der dritten Etage ein Zimmer mit Amal Ahmed al-Sadah, seiner bevorzugten Frau. Ein paar Meter weiter war eine dritte Frau Bin Ladens untergebracht, Siham Saber.

Die Ankunft von Khairia habe die Stimmung in dem Versteck aufgeladen - so soll es Amal in einem Verhör mit dem pakistanischen Geheimdienst erzählt haben. Die Atmosphäre zwischen ihr und Khairia war offenbar immer sehr angespannt: Die Ältere neidete der Jüngeren die Nähe zu Bin Laden. Khairia muss von aufbrausendem Temperament gewesen sein. Sie sei sehr aggressiv gewesen, sagte Qadir unter Berufung auf Geheimdienstangehörige.

Khalid, ein Sohn Bin Ladens, der sich ebenfalls in dem Anwesen in Abbottabad versteckt hielt, war dem AP-Bericht zufolge überrascht, dass Khairia ins Haus gekommen war. Er schöpfte Verdacht. Mehrfach soll er die ältere Ehefrau Bin Ladens gefragt haben, warum sie in das Versteck gezogen sei. Eines wolle sie für ihren Mann noch tun, soll sie demnach bei einer Gelegenheit geantwortet haben. Kahlid soll seinen Vater demnach umgehend gewarnt haben, dass die Frau ihn verraten wolle. Auch Bin Ladens Frau Amal war demnach beunruhigt.

Bin Laden selbst blieb unbekümmert

Und Bin Laden selbst? Er soll gleichgültig und unbekümmert gewesen sein, ganz so, als würde das Schicksal über seine Zukunft entscheiden. Es gibt bislang auch keine Belege dafür, dass eine eifersüchtige Ehefrau Bin Ladens den Terroristen verraten haben könnte. In Berichten von US- und pakistanischen Geheimdienst taucht Khairia in keinem wichtigen Zusammenhang auf. Demnach brachte ein Bin-Laden-Bote die Jäger auf die Spur des Top-Terroristen.

Die USA hatten den Mann schon länger im Visier, Guantanamo-Häftlinge hatten ihn in Verhören als einen Schützling von Chalid Scheich Mohammed identifiziert, dem mutmaßlichen Drahtzieher der Anschläge vom 11. September. Im Juli 2010 folgen Pakistaner, die für die CIA arbeiten, einem Geländewagen - am Steuer der Kurier. Der Wagen fährt nach Abbottabad, das Ziel: ein großes Anwesen am Ende eines Schotterweges.

Von diesem Zeitpunkt an überwacht die CIA das Gelände. Es dauert noch eine Weile, bis die USA Belege dafür haben, dass hinter den Mauern des Hauses Bin Laden sitzt - am 2. Mai 2011 schließlich schlagen US-Eliteeinheiten zu.

Shaukat Qadir, der pensionierte pakistanische Offizier, war nach eigenen Angaben wenige Tage nach der Tötungsaktion in dem Haus in Abbottabad. Es habe kaum Sicherheitsvorkehrungen und Versteck- oder Fluchtmöglichkeiten gegeben: "Kein Keller, keine Warnanlage, keine Fluchtwege - eine Todesfalle."

Die drei Frauen, die sich bei der Tötung des Qaida-Chefs in dessen Versteck in Abbottabad aufhielten, sind jetzt wegen illegaler Einreise angeklagt worden. Wie der pakistanische Innenminister Rehman Malik am Donnerstag mitteilte, befinden sich die Frauen - zwei mit saudi-arabischer und eine mit jemenitischer Nationalität - derzeit zusammen mit ihren Kindern unter Hausarrest. Angaben darüber, wann sie angeklagt wurden und wann ihr Prozess beginnt, machte der Minister nicht.

hen/AFP/AP

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