Moskau - Der russische Anwalt Sergej Magnizki starb 2009 unter unerträglichen Schmerzen in einem Moskauer Gefängnis. Sein Tod löste weltweit Empörung aus: Die Behörden hatten ihm einen Arzt verweigert und ihn leiden lassen. Doch wer dafür verantwortlich ist, bleibt ungeklärt.
Ein Gericht in Moskau sprach den einzigen angeklagten Beamten am Freitag frei. Der damalige stellvertretende Direktor des Gefängnisses, Dmitrij Kratow, sei unschuldig und habe "alles in seiner Macht Stehende getan", um Magnizki zu retten, sagte die Gerichtsvorsitzende Tatjana Newerowa. Zwischen Kratows Handlungen und dem Tod des schwer kranken Anwalts gebe es keinen Zusammenhang.
Magnizki war 2008 wegen Betrugsvorwürfen festgenommen worden, nachdem er Beamten des russischen Innenministeriums Verwicklung in einen Betrugsfall in einer Größenordnung von umgerechnet 130 Millionen Euro vorgeworfen hatte. Er hatte für die US-Firma Firestone Duncan gearbeitet und in Moskau den Investmentfonds Hermitage Capital Management beraten.
Magnizki kam in das russische Untersuchungsgefängnis "Matrosenstille". Monatelang wurde dem schwer kranken Häftling offenbar eine ärztliche Behandlung verwehrt. Als er im November 2009 erneut unter starken Schmerzen litt, riefen seine Wärter keinen Doktor, sondern bestellten den psychiatrischen Dienst, der ihn an sein Bett band. So starb Magnizki am 16. November 2009 an einer Entzündung von Gallenblase und Bauchspeicheldrüse. "Kardio-vaskuläre Insuffizienz", Herzschwäche, notierte die Gefängnisverwaltung lapidar.
"Grausam und unmenschlich"
Die nach seinem Tod eingesetzte Untersuchungskommission befand Ende 2009, Magnizki sei "physischem und psychischem Druck" ausgesetzt worden, die Haftbedingungen seien "grausam und unmenschlich" gewesen. Offenbar wurde Magnizki von Wärtern misshandelt. Auch nach fast einem Jahr Untersuchungshaft konnte ihm die vorgeworfene Beihilfe zur Steuerhinterziehung nicht nachgewiesen werden. 2010 wurde ein Dokumentarfilm mit dem Titel "Justice for Sergej" veröffentlicht, der in sieben Parlamenten gezeigt wurde.
Der Fall Magnizki belastet die Beziehungen zwischen Russland und den USA bis heute schwer. Die USA werfen Russland schwere Menschenrechtsverstöße vor. Der US-Kongress hat beschlossen, russische Staatsbürger mit Einreiseverboten und Vermögenssperren zu belegen, die in den Tod Magnizkis oder andere Menschenrechtsverletzungen verwickelt waren.
Außenminister Sergej Lawrow verurteilte das Magnizki-Gesetz als "Einmischung in innere Angelegenheiten", Premierminister Dmitrij Medwedew warnte die USA vor "einem schweren Fehler".
Moskaus Antwort folgte prompt: US-Amerikanern soll per Gesetz verboten werden, russische Waisenkinder zu adoptieren. Duma und Föderationsrat haben bereits zugestimmt - und Präsident Wladimir Putin hat dies nun auch getan.
kgp/dpa/AFP
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