Dichter Pablo Neruda Richter ordnet Suche nach möglichem Giftmörder an

Die Polizei sucht nach einem mutmaßlichen Giftmörder - 40 Jahre nach dem Tod des Opfers: Der chilenische Literaturnobelpreisträger Pablo Neruda könnte ermordet worden sein. Ein Richter schrieb nun einen Mann zur Fahndung aus, der ein CIA-Doppelagent gewesen sein soll.

AFP

Santiago de Chile - 40 Jahre nach dem Tod des chilenischen Dichters Pablo Neruda gibt es offenbar neue Indizien für dessen Ermordung. Ein Richter ordnete Ermittlungen an, um den möglichen Giftmörder des Literaturnobelpreisträgers zu finden. Die Polizei fahndet nun nach einem blonden, blauäugigen, großen Mann. Ein Anwalt glaubt, dass dieser Neruda vergiftet habe. Bei dem Verdächtigen soll es sich um einen CIA-Doppelagenten handeln.

Die Leiche des Dichters war am 8. April exhumiert worden. Er starb am 23. September 1973 nur wenige Tage nach dem Militärputsch, mit dem General Augusto Pinochet die Regierung des Sozialisten Salvador Allende stürzte. Neruda war ein Unterstützer Allendes. 1971 hatte er den Literaturnobelpreis erhalten.

Arzt revidiert seine Aussage

Offiziell wurde als Todesursache Nerudas ein Krebsleiden angegeben, er war an Prostatakrebs erkrankt. Doch Vertraute - wie der ehemalige Sekretär und Chauffeur von Neruda, Manuel Araya - glauben an einen Giftmord durch Unterstützer des Militärmachthabers Pinochet.

Anwalt Eduardo Contreras, der die Vertrauten von Neruda vor Gericht vertritt, sprach von neuem Beweismaterial für die Giftmordthese. Ursprünglich habe der Arzt Sergio Draper angegeben, er sei zum Todeszeitpunkt am 23. September 1973 bei Neruda gewesen. Nun habe Draper seine Aussage aber revidiert und erklärt, stattdessen sei ein anderer Arzt namens "Price" bei dem Dichter gewesen. Dieser Price tauche in den Krankenhausakten nicht auf. Nach Darstellung des Anwalts gibt Draper an, Price nie wieder gesehen zu haben.

Ein blonder, blauäugiger, großer Mann - der Doppelagent?

Wie der "Independent" berichtet, glaubt der Staatsanwalt, wer immer dieser Mann war, er sei die Person gewesen, welche die Injektion angeordnet habe. Diese könne den Dichter getötet haben.

Die Beschreibung von Price als einem blonden, blauäugigen, großen Mann passt nach Medienberichten auf den CIA-Doppelagenten Michael Townley. Der Agent hatte unter Pinochet mit der chilenischen Sicherheitspolizei zusammengearbeitet. Townley wurde später in ein US-Zeugenschutzprogramm aufgenommen. Er hat zugegeben, Pinochet-Kritiker in Washington und Buenos Aires getötet zu haben.

Die Leiche des Literaturnobelpreisträgers wird derzeit von chilenischen und internationalen forensischen Spezialisten analysiert. Der Leiter des Teams, Patricio Bustos Streeter, sagte dem "Independent", erste Ergebnisse zeigten, dass Nerudas Krebsleiden einerseits bereits weit fortgeschritten gewesen sei. Er habe bereits Metastasen in den Knochen gehabt.

Andererseits seien Giftspuren in den Knochen des Dichters gefunden worden. Allerdings sei das Problem, dass Angaben über die Medikamente in den Krankenakten von Neruda fehlten. Mittlerweile gebe es aber Untersuchungstechniken, um Rückstände von Medikamenten von Giftspuren zu unterscheiden.

heb/AP



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 18 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
marthosch 03.06.2013
1. Vergebene Liebesmüh
Solange kein US-Bürger, oder ein Ausländer in den USA, getötet oder geschädigt werden, schützen die USA jeden ihrer Agenten oder Repräsentanten. Alle Nicht-US-Bürger im Rest der Welt werden von den Amerikanern als Menschen zweiter Klasse behandelt. Das ist auch eine Form von Apartheit. Es sei denn die US-Medien nehmen sich der Sache an und die öffentliche Meinung verlangt einen Kopf. Dann wird aus Staatsräson jeder geopfert. Ein als Kommunist gebrandmarkter Nobelpreisträger aus den 70ern hat da wohl keine grosse Chance auf Gerechtigkeit. Eigentlich Schade. Auf dem Papier liest sich die US-Verfassung so schön.
claudiosoriano 03.06.2013
2. Nixon
Zitat von marthoschSolange kein US-Bürger, oder ein Ausländer in den USA, getötet oder geschädigt werden, schützen die USA jeden ihrer Agenten oder Repräsentanten. Alle Nicht-US-Bürger im Rest der Welt werden von den Amerikanern als Menschen zweiter Klasse behandelt. Das ist auch eine Form von Apartheit. Es sei denn die US-Medien nehmen sich der Sache an und die öffentliche Meinung verlangt einen Kopf. Dann wird aus Staatsräson jeder geopfert. Ein als Kommunist gebrandmarkter Nobelpreisträger aus den 70ern hat da wohl keine grosse Chance auf Gerechtigkeit. Eigentlich Schade. Auf dem Papier liest sich die US-Verfassung so schön.
und H. Kissinger sind in Chile dafür verantwortlich, das unendlich viele von der CIA und dem Regime Pinochet ermordet wurden. Einer bekam dafür sogar den F. Nobelpreis. Allende und Neruda leben in den Herzen vieler Chilen weiter, und Kissinger wird als Auftragsgeber für viele Verbrechen in der Hölle landen!
gandhiforever 03.06.2013
3. Es duerfte schwierig sein,
Zitat von sysopAPDie Polizei sucht nach einem mutmaßlichen Giftmörder - vierzig Jahre nach dem Tod des Opfers: Der chilenische Literaturnobelpreisträger Pablo Neruda könnte ermordet worden sein. Ein Richter schrieb nun einen Mann zur Fahndung aus, der ein CIA-Doppelagent gewesen sein soll. http://www.spiegel.de/politik/ausland/todesfall-pablo-neruda-richter-ordnet-suche-nach-moeglichen-moerder-an-a-903433.html
diesen Michael Towmley aufzuspueren. Und von selbst wird er sich nicht melden.
brut_dargent 03.06.2013
4.
Wer weiß, vielleicht hat Mr. Towmley ja doch so etwas wie ein Gewissen.
peterderkleine 03.06.2013
5. Schoen
dass nach 40 Jahren endlich die menschheit auch aus der deutschen press erfaehrt, was fuer ein brutales Regime mit Hilfe der USA dort installiert wurde. Hatte nicht ein FJS beim Staatsbesuch dort gesagt, alles ok hier? Friede, Freude, Eierkuchen? Alles unter dem Deckmantel der sogenannten Demokratie, armes Afganistan, armer Irak, arme Welt...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.