Todesstrafe Bangladesch henkt den "Schlächter von Mirpur"

Am Dienstag noch kam der Aufschub der Hinrichtung, doch jetzt wurde Abdul Kader Molla in Bangladesch gehenkt. Dem Islamisten wurden Kriegsverbrechen im Jahr 1971 vorgeworfen. Die Richter bezichtigten ihn der Vergewaltigung und des Mordes.


Dhaka - Abdul Kader Molla, Politiker der islamistischen Partei Jamaat-e-Islami, wurde im Zentralgefängnis der Hauptstadt Dhaka gehenkt. Die Todesstrafe erhielt der Islamist für Kriegsverbrechen, die er 1971 begangen hatte. Als Reaktion rechnet die Regierung in Bangladesch mit Aufständen seiner Anhänger.

Die Exekution war bereits für die Nacht von Dienstag auf Mittwoch geplant, wurde dann jedoch aufgeschoben. Erst am Dienstagvormittag hatte man die Familie des 65-jährigen Kriegsverbrechers angerufen und mitgeteilt, wann ihr Angehöriger sterben würde. Seine Verwandten durften ihn ein letztes Mal besuchen. Polizei und Paramilitärs hatten Vorkehrungen getroffen, um Proteste zu verhindern. Dann kam der Aufschub. Erst zwei Tage später wurde das Todesurteil dann vollstreckt.

Ein Sprecher von Mollas Partei sagte SPIEGEL ONLINE, Jamaat-e-Islami werde seine Mitglieder mobilisieren und auf die Straße gehen. "Wir bezeichnen die Hinrichtung als staatlich angeordneten Mord, sie ist eine Kriegserklärung an uns. Wir werden den Kampf aufnehmen." Für Sonntag will die Partei zu landesweiten Protesten aufrufen. Polizei und Paramilitärs wurden erneut in mehreren Städten in Alarmbereitschaft versetzt. Beobachter rechnen mit gewalttätigen Demonstrationen in den kommenden Tagen.

Im Februar hatte ihn ein Sondergericht für schuldig befunden, Kriegsverbrechen begangen zu haben. Er soll im Unabhängigkeitskrieg 1971, als aus Ostpakistan Bangladesch wurde, unzählige Frauen vergewaltigt und mehrere hundert Menschen getötet haben, darunter mehr als 350 unbewaffnete Zivilisten. Dabei soll der damals 23-Jährige besonders grausam gewesen sein, was ihm den Namen "Schlächter von Mirpur" einbrachte, nach einem Vorort von Dhaka.

Das Trauma von 1971

Das Sondergericht hatte Molla im Februar zu lebenslanger Haft, nicht zum Tode verurteilt. Daraufhin war es in Bangladesch zu Massenprotesten gekommen. Demonstranten verlangten die Hinrichtung von Molla und anderen Kriegsverbrechern. Das Trauma von 1971 verfolgt Bangladesch bis heute, die Wunden sind nicht verheilt. Unter dem Druck der Öffentlichkeit verhängte der Oberste Gerichtshof daraufhin die Todesstrafe. Erneut kam es zu Protesten, diesmal lieferten sich Mollas Anhänger Straßenschlachten mit der Polizei. Seit Januar dieses Jahres sind bei Protesten mehr als 200 Menschen ums Leben gekommen.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hatte am Dienstag verlangt, die Hinrichtung auszusetzen und Molla die Chance auf einen neuen Prozess einzuräumen, da ein Urteil rückwirkend für ungültig erklärt worden sei. Das widerspreche internationalen Rechtsgepflogenheiten und sei unfair. Auch die Vereinten Nationen warnten, die Hinrichtung verletze internationales Recht.

Molla galt als einflussreicher Politiker der Jamaat-e-Islami, die als religiöse Partei nicht an Wahlen teilnehmen darf. Sie ist aber eine Stütze der größten Oppositionspartei im Parlament, der Bangladesch Nationalist Party (BNP) von Begum Khaleda Zia. Der oft gewalttätige Machtkampf mit der Regierung destabilisiert das Land seit mehr als 20 Jahren.

kaz/vek/Reuters

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