Todesursache: Zwei verstorbene Postmitarbeiter hatten Milzbrand

Die beiden am Montag gestorbenen Mitarbeiter der US-Post in Washington hatten Lungenmilzbrand. In New Jersey gibt es einen neuen Verdachtsfall.

Das Postamt Brentwood: Zwei Mitarbeiter starben
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Das Postamt Brentwood: Zwei Mitarbeiter starben

Washington - Die Toderursache Lungenmilzbrand habe sich am Dienstag bestätigt, teilte Bürgermeister Anthony Williams mit. Die beiden Postangestellten arbeiteten in der Filliale Brentwood, in der auch ein Großteil der Sendungen für den US-Kongreß bearbeitet werden. Auch der Brief an den Senator Tom Daschle, der Milzbrand-Sporen enthielt, wurde in Brentwood bearbeitet.

Im Bundesstaat New Jersey gab es einen neuen Milzbrand-Verdachtsfall. Eine Postangestellte werde in ernstem, aber stabilem Zustand im Krankenhaus behandelt, teilte der Epidemiologe der Gesundheitsbehörde von New Jersey, Eddy Bresnitz, am Dienstag mit. Die Ärzte gingen mit 95-prozentiger Sicherheit von Lungenmilzbrand aus.

Unterdessen wächst in der amerikanischen Öffentlichkeit die Kritik an der Reaktion der US-Behörden auf die Milzbrandfälle. Nur die Politiker, nicht die Postmitarbeiter seien nach Auftauchen des ersten Briefes mit dem Milzbranderreger Anthrax in Washington untersucht und vorbeugend mit Antibiotika versorgt worden waren, bemängelten Gewerkschaften und Medien.

"Eine schnelle Reaktion für Politiker, eine langsame für Postarbeiter", titelte die "New York Times". Erst, nachdem der Befund des 57-jährigen Leroy Richmond am Sonntag fest stand, war das Postamt, in dem der Anthrax-Brief an Senator Tom Daschle sortiert worden war, geschlossen worden. Bei einer Untersuchung wurden inzwischen in 14 von 29 Arbeitsbereichen Anthrax- Sporen entdeckt.

Vorsorgliche Briefkasten-Desinfektion in New York
AP

Vorsorgliche Briefkasten-Desinfektion in New York

Postdirektor John Potter verteidigte die ausgebliebenen Test. Die Post habe sich auf die Anweisungen der Gesundheitsbehörden verlassen, sagte Potter. "Wir haben hier eine Situation, die es bis vor drei Wochen noch nicht gegeben hat", sagte der Sprecher der nationalen Gesundheitsbehörde (CDC). "Unsere Entscheidungen basieren auf den besten wissenschaftlichen Erkenntnissen, die uns vorliegen."

Zwei Postmitarbeiter lagen am Dienstag mit der Diagnose Lungenmilzbrand in kritischem Zustand im Krankenhaus, bei sieben weiteren bestand Verdacht auf die lebensgefährliche Infektion.

Wie konnten sich die Mitarbeiter infizieren?

Milzbrand-Briefe
AFP/ DPA/ FBI

Milzbrand-Briefe

Die Post hat inzwischen die sofortige Untersuchung der 2000 Mitarbeiter in den anderen 36 Washingtoner Postämtern angeordnet. Am Brentwood-Amt in der Nähe des Kapitols, der Arbeitsstelle aller Betroffenen, wurde die ärztliche Untersuchung auf insgesamt 3000 Personen ausgeweitet, die dort direkt angestellt sind oder wegen Auftragsarbeiten ein- und ausgingen. Brentwood hat auch ein Postamt mit Publikumsverkehr, das aber von der Sortierstelle getrennt ist.

Wie sich die Angestellten infiziert haben könnten, ist immer noch ein Rätsel. Die Sortiermaschinen werden gesäubert, indem der Staub mit Hochdruckgeräten herausgepustet wird - eine Theorie ist, dass die Sporen damit in die Luft gewirbelt und von den Arbeitern eingeatmet worden seien könnten. Richmond habe berichtet, vergangene Woche an einem Transportband pudrige Substanz eingeatmet zu haben, berichtete seine Schwiegermutter der "Washington Post".

Makabrer Test in Kentucky

Irakische Diplomaten in New York und Washington alarmierten die Polizei über den Empfang verdächtiger Briefe mit weißem Pulver. Die Untersuchung der Briefe war am Dienstag noch im Gange. Mehrere Experten, darunter der frühere Uno-Waffeninspekteur Richard Butler im Irak, haben mehrfach den Verdacht geäußert, dass die Anthrax-Briefe einen irakischen Ursprung haben könnten.

In Kentucky kam der Polizeichef von Bourbon County unter Druck, der die Wachsamkeit seiner Mitarbeiter damit testete, dass er ihnen Briefe mit weißem Pulver auf den Tisch legte. Eine Angestellte rief die Polizei, ehe der auf dem Flur postierte Chef seine eigenwillige Übung bekannt gemacht hatte. Die Behörden erwägen eine Untersuchung gegen ihren Chef. John Ransdell zeigte sich uneinsichtig: "Ich dachte, es sei eine gute Idee, und das denke ich immer noch."

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