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Tödlicher Angriff auf Kinder: Afghanen machen ihrer Wut auf Nato Luft

Ein fataler Angriff der Isaf-Truppen in Afghanistan bringt die Bevölkerung dort in Rage: Soldaten hatten bei einem Luftschlag neun Kinder getötet. Hunderte Menschen gingen in Kabul auf die Straße.

Demonstranten in Kabul mit Bildern der toten Kinder: Wut auf die Isaf Zur Großansicht
DPA

Demonstranten in Kabul mit Bildern der toten Kinder: Wut auf die Isaf

Kabul - Die Schutztruppe Isaf spricht von einer Tragödie: Nato-Soldaten haben in der vergangenen Woche neun Kinder bei einem Luftangriff in Afghanistan getötet. Am Sonntag gingen deshalb in Kabul etwa 500 Menschen auf die Straße.

"Tod Amerika, Tod den Invasoren" skandierten Demonstranten. "Wir wollen keine Besatzungstruppen", rief ein Demonstrant, der ein Bild der am Dienstag getöteten Kinder zwischen sieben und neun Jahren trug.

Diese hatten Holz gesammelt, als Nato-Soldaten sie von einem Hubschrauber aus mit einer Rakete beschossen. Laut Isaf wurden die Kinder versehentlich zur Zielscheibe, als Kampfhubschrauber die Stellungen von Aufständischen angreifen wollten. Ein Außenposten der Isaf-Truppen sei zuvor von Aufständischen mit Raketen angegriffen worden, erklärte die Truppe. Die Soldaten hätten das Feuer erwidert und dabei die Kinder getroffen, die sie demnach für Angreifer hielten.

US-Präsident Barack Obama und der Kommandeur der US-Truppen in Afghanistan, General David Petraeus, haben sich für den Vorfall bei Präsident Hamid Karzai entschuldigt. "Zu diesen Todesfällen hätte es nie kommen dürfen", sagte Petraeus. Karzai entgegnete, Opfer durch ausländische Truppen seien nicht akzeptabel. "Die Menschen in Afghanistan", so das Staatsoberhaupt in einer Erklärung, "sind durch solche grausamen Vorfälle inzwischen tief verletzt und Entschuldigungen oder Verurteilungen werden ihre Wunden nicht heilen."

Dass es bei Einsätzen der Isaf-Soldaten gegen Extremisten immer wieder Opfer unter Zivilisten gibt, bringt die afghanische Bevölkerung zunehmend gegen die ausländischen Truppen auf. In den vergangenen Wochen gab es nach afghanischen Angaben mindestens vier Zwischenfälle im Osten des Landes, bei denen rund 80 Zivilisten getötet wurden.

Zudem kommen auch immer wieder Zivilisten bei Anschlägen von Aufständischen ums Leben. Am Sonntag wurden im Süden Afghanistans zwölf Menschen bei der Explosion einer Sprengfalle getötet. Wie der Gouverneur der Provinz Paktika mitteilte, starben fünf Kinder, fünf Männer und zwei Frauen als ihr Fahrzeug über eine am Straßenrand versteckte Bombe fuhr. Der Gouverneur machte die aufständischen Taliban für den Anschlag verantwortlich.

mmq/AFP/Reuters

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1. Es wird erst geschossen, dann gefragt
reinhard_m, 06.03.2011
Die Jungen im Alter zwischen 8 und 15 Jahren wurden einer nach dem anderen von zwei Hubschraubern aus erschossen. Das ganze muß abgelaufen sein wie ein sehr perverses Computerspiel - unpersönlicher Joystick-Kill aus sicherer Distanz. In dieser Publikation kriegskritischer amerikanischer Veteranen liest man mehr: http://www.militaryproject.org/PDF/vol9/Military%20Resistance%209C1%20My%20Son%20Is%20Coming%20Home.pdf "Nine Kids Killed For Collecting Firewood While Afghan: The Helicopters Shot The Boys One After Another’”
2. wie nervös...
Koana 06.03.2011
Zitat von sysopEin fataler Angriff der Isaf-Truppen in Afghanistan bringt die Bevölkerung dort in Rage: Soldaten hatten bei einem Luftschlag neun Kinder getötet. Hunderte Menschen gingen in Kabul auf die Straße. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,749333,00.html
... sind diese Soldaten der Isaf? Mit jeder ermordeten Person wird diese Nervosität noch steigen. Ein Teufelskreis, da die Finger an den Abzügen zucken, sobald sich etwas bewegt, egal ob ein Kind oder ein kämpfender Gegner. Aber wer die globale Gier und Verlogenheit vom Grund auf in Frage stellt und einen Sinneswandel von uns allen fordert, der wird als Spinner ignoriert. Am nächsten Werktag fahren wir wieder zum Supermarkt und kaufen uns den Champus, den Lachs und das Rindersteak, im nächsten Urlaub fliegen wir erneut nach Malle oder auf die Malediven, ein neues Handy brauch ich ja ohnehin alle sechs Monate.... Aber das hat alles rein gar nichts mit diesen toten Kindern zu tun!!! Wir sind doch alle ein scheinheiliges Ignorantenpack, insofern verdienen wir unsere Zukunft voll und ganz.
3. Ja, geht in Ordnung...
bibernell 06.03.2011
Zitat von sysopEin fataler Angriff der Isaf-Truppen in Afghanistan bringt die Bevölkerung dort in Rage: Soldaten hatten bei einem Luftschlag neun Kinder getötet. Hunderte Menschen gingen in Kabul auf die Straße. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,749333,00.html
..und tschüss. Wie lange würde ein halbwegs geordneter Abtransport all dessen dauern, was man wieder mit nach Hause nehmen will ? Packt ein, Männer und Frauen, es wird Zeit.
4. Schon recht so...
marifu 06.03.2011
Ja, was hat man denn erwartet ? Dass die Afghanen den Mund halten oder dass man einen Luftangriff auf Kinder mit den Taliban rechtfertigen könnte ? Und welche Nato-Soldaten waren denn dafür verantwortlich ?
5. genau so habe ich es mir vorgestellt, was eine Schutztruppe machen soll ...
geldzauber 06.03.2011
Zitat von sysopEin fataler Angriff der Isaf-Truppen in Afghanistan bringt die Bevölkerung dort in Rage: Soldaten hatten bei einem Luftschlag neun Kinder getötet. Hunderte Menschen gingen in Kabul auf die Straße. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,749333,00.html
es wird allerhöchste Zeit, daß wir uns nicht weiter mit diesem Krieg beflecken. KTG ist ja nun weg - vielleicht sollte man die Gelegenheit jetzt beim Schopfe nehmen. Wie würden Sie reagieren, wenn eine fremde Soldateska Ihre Liebsten ermordet?
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Fläche: 652.864 km²

Bevölkerung: 26,023 Mio.

Hauptstadt: Kabul

Staatsoberhaupt:
Ashraf Ghani Ahmadsai

Regierungschef: Abdullah Abdullah

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