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Tötungseinsätze in Afghanistan: Bundeswehr lieferte Namen für Taliban-Jagdliste

Die Bundeswehr ist stärker in die Einsätze zur gezielten Tötung von Aufständischen in Afghanistan verwickelt als bisher bekannt. Nach SPIEGEL-Informationen hat Deutschland mehrere Namen auf die Jagdliste setzen lassen. Mindestens ein Taliban-Kommandeur wurde danach von US-Spezialkräften getötet.

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ddp

Bundeswehrsoldat in Afghanistan: Namen auf der Jagdliste

Hamburg - Welche Rolle spielt die Bundeswehr bei den gezielten Tötungen von Taliban-Kämpfern durch US-Spezialeinheiten in Afghanistan? Zumindest eine größere als bisher bekannt: Nach SPIEGEL-Informationen ist mindestens ein Taliban-Kommandeur, den Deutschland auf die Fahndungslisten der Nato hatte setzen lassen, von amerikanischen Spezialkräften in Nordafghanistan getötet worden.

Die geheimen Afghanistan-Protokolle, die auf der Internetplattform WikiLeaks veröffentlicht wurden, hatten vor einer Woche die Arbeitsweise dieser US-Einheiten offengelegt. SPIEGEL, "New York Times" und "Guardian" hatten diese vorab erhalten, analysiert und ausführlich darüber berichtet.

Die Bundeswehr hatte den Taliban-Kommandeur Qari Bashir, der im Raum Kunduz rund 50 Kämpfer unter seinem Befehl hatte, im Jahr 2009 mit dem Vermerk auf eine Jagdliste der Nato setzen lassen, er solle festgesetzt werden. Im November 2009 wurde er bei einer mehrtägigen Operation nordwestlich von Kunduz von US-Spezialeinheiten getötet.

Seit 2007 haben die Deutschen nach SPIEGEL-Informationen mindestens 13 Personen auf die Liste setzen lassen. Zwei wurden wegen fehlender neuer Hinweise wieder gestrichen, zwei weitere wurden festgenommen. Weitere 31 Nato-Ziele für Nordafghanistan wurden von anderen verbündeten Nationen beigesteuert.

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Die Deutschen hatten sich an der Mission der US-Kräfte gegen Bashir nicht beteiligt, da der zuständige Bundeswehrgeneral bei der Vorstellung der Pläne durch einen US-Major vor der Operation den Eindruck bekommen hatte, es sollten gezielt hochrangige Taliban ausgeschaltet werden. Insgesamt stehen aktuell noch sieben von Deutschland benannte Taliban auf der Nato-Liste, darunter der berüchtigte Taliban-Stratege Maulawi Shamsuddin aus Kunduz und Abdul Rahman, der am 3. September 2009 die beiden später bombardierten Tanklaster hatte entführen lassen.

Der SPD-Verteidigungsexperte Hans-Peter Bartels kritisierte vor dem Hintergrund der neuen Erkenntnisse über gezielte Tötungen die Informationspolitik der Bundesregierung. "Es genügt nicht, nur die Obleute des Verteidigungsausschusses zu informieren, wenn die ihr geheimes Wissen dann nur begrenzt weitergeben dürfen", sagte er dem SPIEGEL. "Stattdessen sollte nach Abschluss von Operationen das gesamte Parlament in Kenntnis gesetzt werden."

Bartels hält "Capture or Kill"-Operationen für "prinzipiell problematisch, nicht zielführend und kontraproduktiv". "Wenn wir von Taliban-Kommandeuren reden, geht es doch oft um Anführer im Rang eines Feldwebels, die vielleicht 10 bis 15 Mann unter sich haben. Das sind keine zentralen Feldherren, die da erwischt werden", sagte der SPD-Politiker. Stattdessen habe der "Hass" auf Seiten der Afghanen noch zugenommen, "weil auch Leute getötet wurden, die man nicht hätte töten dürfen".

Das Verteidigungsministerium äußerte sich im Detail nicht zu den Recherchen. Ein Sprecher verwies am Wochenende allerdings auf die Äußerungen der Bundesregierung vom vergangenen Mittwoch. Da hatte ein Sprecher von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) eingeräumt, dass deutsche Soldaten an der Erstellung von Nato-Fahndungslisten beteiligt sind, die in Isaf- oder US-Einsätze - möglicherweise auch mit gezielten Tötungsabsichten - münden können. Deutschland selbst schreibe die Personen nur zur Gefangennahme aus. Auch in dem vom SPIEGEL zitierten Fall des Taliban-Kommandeurs Bashir hatte Deutschland den Mann zur Festnahme ausgeschrieben - US-Spezialkräfte aber töteten ihn in einer Großoperationen gegen führende Taliban-Kommandeure in der Nähe von Kunduz.


Die zentralen Erkenntnisse aus den Afghanistan-Dokumenten - der Überblick:

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 185 Beiträge
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1. Wen wundert das?
Monsieur Rainer 31.07.2010
Dass die Bundeswehr in Afghanistan zusammen mit ihren Allierten einen schmutzigen Krieg führt, wusste jeder, der noch bei klarem Verstand ist. Krieg ist immer schmutzig und wird vernebelt durch Lügen auf allen Seiten. Das hat nichts spezifisches. Vielleicht wird jetzt dem letzten Gutmenschen klar, dass die Bundeswehr in Afghanistan keinen humanitären Unterstützungseinsatz führt.
2. Es gibt kein "bißchen Krieg" ...
gaga007 31.07.2010
Zitat von sysopDie Bundeswehr ist stärker in die Einsätze zur gezielten Tötung von Aufständischen in Afghanistan verwickelt als bisher bekannt. Nach SPIEGEL-Informationen hat Deutschland mehrere Namen auf die Jagdliste setzen lassen. Mindestens ein Taliban-Kommandeur wurde danach von US-Spezialkräften getötet. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,709488,00.html
Und - wo ist das Problem ? Über den Sinn oder Unsinn einer deutschen Beteiligung an diesem Krieg mag man gerne diskutieren und seine Meinung haben, aber so lange deutsche Soldaten in Afganistan ihr Leben riskieren (müssen), so lange sollten Sie alles unternehmen, um die Taliban zubekämpfen.
3. Verlogenheit
kaiserjohannes 31.07.2010
Da schickt der Bundestag die Bundeswehr in den Krieg und diese darf keine Menschenrechte verletzen. Krieg besteht grundsätzlich aus Menschenrechtsverletzungen. Wann wird diese einfache Tatsache endlich akzeptiert? Wer die Entscheidung trifft, in den Krieg zu ziehen (Bundestag), hat die Verantwortung zu tragen für die zerdepperte Kristallerie. Die Presse sollte die Bundeswehr in Ruhe lassen und die wahren Entscheidungsträger zur Rechenschaft ziehen.
4. Das ist keine Feldübung von Bundeswehrpionieren da drüben
crocman, 31.07.2010
Diese Informationen, die zur Ausschaltung von Taliban-Führern und mutmasslichen Terroristen führten, sind mit Fug und Recht weitergegeben worden. Die Ausschaltung diente auch der Sicherheit unserer Soldaten vor Ort. So einfach ist das - und offensichtlich doch so kompliziert.
5. Und..
robdan, 31.07.2010
was soll das jetzt bedeuten? Müssen wir alle unsere Taschnetücher auspacken und schwarze Binden tragen? Wer sind denn die sog. "Verteidigungsexperten" die für die Parteien in den Ausschüßen sitzen? Sesselpupser die in ihren Traumschlößchen sitzen und vom Dialog mit den Taliban träumen. Die ganzen sog. "Vorfälle" des nicht in informierens des Parlaments werden immer von der Opposition hochgespielt und immer auf dem Rücken der Soldaten ausgetragen. Die Bundeswehr ist immer der Buhmann und nicht die Politiker Kaste die sich gegenseitig die Posten zuschiebt.
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Seit 2001 führt der Westen Krieg in Afghanistan. Doch das Land ist weder politisch stabil, noch wird es ordentlich regiert. Bei Politikern und in der Bevölkerung in Deutschland wachsen die Zweifel an der Mission. Es gibt gute Gründe für die Fortführung des Krieges, es gibt aber auch gute Gründe für den Rückzug der Bundeswehr.

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