Toilettenaffäre Sex-Skandal zermürbt Republikaner

Homosexuellen-Hetzer – und dann versuchter Sex in einer Flughafentoilette: Der Skandal um US-Senator Craig bringt nicht nur ihn, sondern auch seine Partei in Misskredit. Die Strategen der Republikaner sind am Boden zerstört.


Hamburg – Normalerweise befasst sich Scott Reed mit anderen Fragen. Wie soll sich die Partei angesichts der katastrophalen Lage im Irak verhalten? Wer wird der Kandidat für die Präsidentschaftswahl im nächsten Jahr? Wie mit der Mehrheit der Demokraten im Kongress umgehen? Doch nun beschäftigt den republikanischen Parteistrategen ein Fall, der zur Unzeit kommt.

Gerade jetzt, da die Führer der Grand Old Party dachten, es könne nicht mehr schlimmer kommen, erschüttert der Skandal um US-Senator Larry Craig (Idaho) die Partei. Dieser hatte am 11. Juni auf einer Flughafentoilette des Minneapolis-St.Paul-Airports schwulen Sex verlangt. Das Brisante: Er selbst hatte während seiner politischen Laufbahn immer die "traditionellen Werte der amerikanischen Familie" hochgehalten – er ist verheiratet und hat drei Adoptivkinder – und sich gegen eine rechtliche Besserstellung von Homosexuellen ausgesprochen.

Für viele Republikaner sei das Maß jetzt voll, schreibt die "New York Times", solche mit Selbstachtung rauften sich die Haare "aus Frustration". Der Fall Craig kratzt an der Identität vieler rechtschaffenen Moralisten in der Partei. Partei-Vordenker Scott Reed ist außer sich: "Die wahre Frage lautet: Wie tief kann man noch sinken? Wir steuern auf die Ebene absoluter Lächerlichkeit zu." Für das Ansehen der Partei fürchtet er das Schlimmste: Die Wirkung dieses Skandals auf die Basis der Partei im Land sei verheerend. "Die Republikaner dort denken, die regierende Klasse in Washington ist eine Truppe von Possenreißern, denen die Grundsätze der Partei, die Gesetze und die Zukunft des Landes vollkommen egal sind."

Zu den üblichen, bekannten Schwierigkeiten wie dem Irak-Krieg und der bevorstehenden Präsidentschaftswahl hat die Partei nun ein weiteres Problem zu schultern. Es muss ihr gelingen, sich von einem Image zu lösen, nicht nur heuchlerisch und losgelöst von den Werten ihrer Wähler zu sein, sondern inzwischen auch zu einer bloßen Lachnummer verkommen zu sein.

Bisher übt sich die Partei in Schadensbegrenzung: Senator Craig entschuldigte sich bei den Einwohnern seines Heimatstaates Idaho. Nun gilt es abzuwarten, ob die Wähler willens sind, die Klo-Affäre rasch zu vergessen und Craig zu vergeben. Der Chef der Republikaner in Idaho, Kirk Sullivan, beeilte sich, die politischen Verdienste des Senators in Erinnerung zu rufen. "Ich möchte alle Menschen in Idaho ermutigen, nicht vorschnell zu urteilen und den Stab über einen Mann zu brechen, der sein Leben lang dem Volk gedient hat", erklärte Sullivan. "Wir werden Senator Craig unterstützen so gut wir können."

Führende Republikaner im Senat forderten indes eine Untersuchung der Affäre in einer Ethik-Kommission. "Das ist eine ernste Angelegenheit", hieß es in einer Erklärung, die republikanische Senatoren in Washington veröffentlichten. Zwei Republikaner nahmen kein Blatt vor den Mund. Präsidentschaftskandidat Mitt Romney, für den Craig bisher als Wahlkampfhelfer arbeitete, distanzierte sich im US-Sender CNBC von seinem einstigen Top-Berater. Dieser habe das amerikanische Volk enttäuscht. "Ganz offen gesagt, es ist abscheulich." Und Senator John McCain, auch er Bewerber um das Weiße Haus, erklärte in Jay Lenos "Tonight Show": "Es ist eine Schande."

asc/phw



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