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Tonbandaufnahmen aus dem Flug 93: "War's das? Sollen wir es runterbringen?"

Die Untersuchungen des 9/11-Ausschusses haben auch neue Erkenntnisse über den Absturz der United-Airlines-Maschine über Pennsylvania erbracht. Erstmals veröffentlichte Zitate aus den Cockpitaufnahmen bestätigen, dass die Maschine am 11. September 2001 nicht von den Passagieren zum Absturz gebracht wurde.

Die Absturzstelle in Shanksville wenige Tage nach dem 11. September
AP

Die Absturzstelle in Shanksville wenige Tage nach dem 11. September

Washington - Die Fluggäste haben es demnach nie bis zu den Entführern ins Cockpit geschafft. An dem mutigen Auftreten der "Helden von Pennsylvania" ändert das freilich nichts. Es war die heftige Gegenwehr der Passagiere, die die Terroristen dazu bewogen hat, das Flugzeug vor ihrem eigentlichen Ziel in ein Feld stürzen zu lassen, heißt es im gestern vorgelegten Bericht der Untersuchungskommission zu den Anschlägen vom 11. September. Darin wurden erstmals Zitate aus den Tonbandaufnahmen aus dem Cockpit der Unglücksmaschine veröffentlicht.

Bisher hatten nur die Hinterbliebenen der 40 Opfer des berühmt gewordenen Fluges 93 die Aufzeichnung gehört. Einige Familienangehörige hatten danach erklärt, den Passagieren sei es offenbar gelungen, ins Cockpit vorzudringen.

Laut dem Kommissionsbericht ist auf dem Band zu hören, wie ein Passagier ruft: "Ins Cockpit! Wenn wir das nicht machen, sterben wir!" 16 Sekunden später sage eine weitere Stimme "Roll it!" (Etwa: Packen wir's!). Direkt darauf fragt Flugzeugentführer Ziad Jarrah: "War's das? Ich meine, sollen wir es runterbringen?", worauf ein Komplize zustimmt. 90 Sekunden später stürzte die Maschine den Daten des Flugschreibers zufolge ab.

Bei dem Absturz kamen damals alle 33 Passagiere, die 7 Besatzungsmitglieder und die 4 Terroristen ums Leben. Der Satz "Let's roll" wurde zum Motto für einen breit angelegten Feldzug der Amerikaner gegen den Terrorismus.

Es wird angenommen, dass die Entführer auf dem Weg nach Washington waren. Die Kommission schrieb, mit ihrem Widerstand hätten die Passagiere "die Leben von zahlreichen anderen gerettet, und möglicherweise bewahrten sie das Kapitol oder das Weiße Haus vor der Zerstörung".

Bereits vor einigen Wochen waren im Zusammenhang mit der Maschine schwere Sicherheitsmängel bekannt geworden, die der Untersuchungsbericht aufgedeckt hatte. Amerikanische Kampfjets hätten die Maschine demnach abschießen können. Seitens der Flugsicherung (Federal Aviation Administration, FAA) und des Militärs (North American Aerospace Defense Command, Norad) soll es dem Bericht zufolge schwere Versäumnisse gegeben haben. So habe man wertvolle Minuten vergeudet zwischen dem Zeitpunkt, als die Luftüberwachung die Entführung des ersten Flugzeugs bemerkt hatte, und dem Absturz von Flug 93.

Als Vizepräsident Dick Cheney schließlich den Befehl zum Abschuss entführter Flugzeuge gab, erreichte dieser die Piloten der Abfangjäger erst, nachdem das letzte der vier entführten Flugzeuge bereits abgestürzt war. Nach Angaben Cheneys hatte er die Erlaubnis für den Befehl telefonisch von US-Präsident George W. Bush erhalten.

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