Tora Bora Bin Laden in der Schlacht verwundet?

In Verhören sollen gefangene al-Qaida-Kämpfer ausgesagt haben, dass Terrorchef Osama Bin Laden bei den Angriffen der Amerikaner auf die Felsenfestung Tora Bora verwundet worden ist. So heißt es aus Geheimdienstkreisen der Antiterror-Koalition.


Dass Bin Laden verletzt wurde, haben zwar viele der Gefangenen ausgesagt - allerdings widersprachen sie sich bezüglich der Art der Verletzung, berichtet CNN. Bislang gibt es keine unabhängige Bestätigung dafür, dass er tatsächlich verwundet wurde. Auf der FBI-Internetseite wird Bin Laden als Linkshänder beschrieben. Aber auf einem Video-Band, dass im Dezember veröffentlicht wurde - also nach der Schlacht um Tora Bora - sieht man ihn lediglich mit der rechten Hand gestikulieren. Die Linke ist in der Aufnahme kein einziges Mal zu sehen.

Mehrere al-Qaida-Häftlinge sollen amerikanischen Militärangaben zufolge unabhängig voneinander die gleiche Geschichte erzählt haben: Demnach war Bin Laden Anfang Dezember des vergangenen Jahres in den Bergen von Tora Bora. Er soll dort mit seinen Anhängern gesprochen haben und dann mit Hilfe von ortsansässigen Symphatisanten aus der Region geschmuggelt worden sein. Das Pentagon hält diese Version allerdings für wenig glaubwürdig. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte, es gebe nicht genügend Beweise dafür, dass Bin Laden geflüchtet sei. "Wir haben bereits mehrfach Spekulationen über seinen Aufenthaltsort gehört, aber nichts davon hat sich bestätigt."

Rumsfeld bezeichnete es als absolut möglich, dass bin Laden in Tora Bora war, als die amerikanischen Militärs ihren Angriff starteten. Allerdings gebe es bis heute keine Beweise dafür. CNN hatte bereits im März berichtet, dass Bin Laden nach Geheimdienst-Informationen aus Tora Bora flüchten konnte. Regierungskreise hatten später bestätigt, dass der Bericht einen Wechsel in der Strategie der Streitkräfte zur Folge hatte. Amerikanische Soldaten seien vorausgeschickt worden, um Kämpfer aus der Region, die möglicherwise bin Laden verbunden waren, zu ersetzten. Hohe Pentagon-Beamte meinen, dass diese einheimischen Kämpfer bin Laden ermöglicht haben, über die Grenze nach Pakistan zu flüchten.

Die amerikanischen Truppen in Afghanistan versuchen weiterhin Bin Laden und ihm verbundene al-Qaida-Kämpfer in der rauen Gegend im Südosten des Landes entlang der Grenze zu fassen. Es heißt, der Terrorchef lebe und halte sich dort im Grenzgebiet auf.



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