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Verschwörungstheorien: Russische Hardliner spekulieren über Tod von Total-Chef

Total-Chef de Margerie: Um seinen Tod gibt es reichlich Gerüchte Zur Großansicht
REUTERS

Total-Chef de Margerie: Um seinen Tod gibt es reichlich Gerüchte

Total-Boss Christophe de Margerie starb in Moskau bei einem Unfall seines Privatjets. Doch nun werden in Russland wilde Verschwörungstheorien laut. Sogar über ein Mordkomplott des Westens wird spekuliert.

Moskau - Wie konnte es zu dem Unfall auf dem Moskauer Flughafen Wnukowo kommen, bei dem Christophe de Margerie, Chef des französischen Total-Konzerns, ums Leben kam? Die Ermittlungen zu dem Vorfall in der Nacht zum Dienstag dauern an.

Ein Schneepflug war mit dem Privatjet des Geschäftsmanns kollidiert. Laut Fahndern soll der Fahrer des Räumfahrzeugs betrunken gewesen sein. Der Mann wurde festgenommen, wehrt sich aber gegen die Vorwürfe. Er sei nüchtern gewesen und habe die Anweisungen der Flugsicherung befolgt.

In Moskau verbreiten sich zu de Margeries Tod bereits zahlreiche Verschwörungstheorien: Der Total-Chef sei einem Mordkomplott des Westens zum Opfer gefallen, weil er sich für Russlands Positionen stark gemacht habe. Es sei doch "offensichtlich, dass in Wnukowo gezielt der einflussreiche Freund Russlands, de Margerie, ermordet wurde", schrieb der Abgeordnete Michail Degtjarjow auf Twitter.

Degtjarjow ist Mitglied der rechtspopulistischen LDPR und einer der Hardliner in der Staatsduma. 2013 wollte er den Dollar per Gesetz in Russland verbieten lassen, zuletzt forderte er von den USA die Rückgabe von Fort Ross in Kalifornien, einer ehemaligen Kolonie russischer Siedler.

"Wem nutzt de Margeries Tod?"

Ähnlich kommentieren am Mittwoch konservative Medien das Unglück. Unter der Überschrift "Wem nutzt de Margeries Tod?" spekuliert die Boulevardzeitung "Moskowskij Komsomolez" über mögliche Drahtzieher der Tat. "Business-Haie" hätten ein Interesse daran gehabt, den Manager aus dem Weg zu räumen. Womöglich auch Washington, schließlich habe sich der Total-Chef für die "De-Amerikanisierung" internationaler Zahlungsverkehre eingesetzt.

Der staatliche Sender "Radio Westi" kommentierte, der Fall weise "zu viele Zufälle" auf, als dass es sich um einen tragischen Unfall handeln könnte. Russische Blogger sprachen sogar von einer "öffentlichen Hinrichtung".

De Margerie hatte in Russland an einem Investmentforum teilgenommen. Bei seinem Auftritt verurteilte der Manager die westlichen Sanktionen als "ungerecht und kontraproduktiv". Total werde den Strafmaßnahmen Folge leisten. Gleichwohl bleibe sein Unternehmen "Russland treu".

beb

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insgesamt 16 Beiträge
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1. Klassischer Persönlichkeitstest ...
zapp-zarapp 22.10.2014
... funktioniert wie folgt: Man nehme einen mehrdeutigen Stimulus (z.B. Tintenklecksbild) und lasse eine Person frei drauf los interpretieren, was man da denn sehe. Wo sich bestimmte Deutungsmuster herauskristallisieren, kann man dies auf die Persönlichkeit, bzw. deren Wahrnehmungs- und Denkmuster zurückführen, da der Ausgangsreiz ja nie die Deutung fix vorgibt. Die Unfallursache mag noch unklar sein. Klar ist bereits jetzt, dass Teile der russischen Gesellschaft schnell in antiwestlichen Bahnen zu denken scheinen. Bedauerlich ...
2.
Celestine 22.10.2014
Zitat von zapp-zarapp... funktioniert wie folgt: Man nehme einen mehrdeutigen Stimulus (z.B. Tintenklecksbild) und lasse eine Person frei drauf los interpretieren, was man da denn sehe. Wo sich bestimmte Deutungsmuster herauskristallisieren, kann man dies auf die Persönlichkeit, bzw. deren Wahrnehmungs- und Denkmuster zurückführen, da der Ausgangsreiz ja nie die Deutung fix vorgibt. Die Unfallursache mag noch unklar sein. Klar ist bereits jetzt, dass Teile der russischen Gesellschaft schnell in antiwestlichen Bahnen zu denken scheinen. Bedauerlich ...
Bestimmt nicht schneller als im umgekehrten Fall ...
3.
wo_ist_all_das_material? 22.10.2014
Zitat von CelestineBestimmt nicht schneller als im umgekehrten Fall ...
Da liegen Sie natürlich falsch! Erstens gibt es bei uns keine Propaganda, auf die wir hereinfallen könnten. Wir sind daher zweitens umfassend und neutral informiert, über die Dinge, die uns alle angehen. Drittens verfügen wir über ein gefestigtes Wertebild, die Anderen haben allen Grund, zu uns aufzusehen, wir es hingegen gar nicht nötig, uns irgendwelchen antirussischen Verschwörungstheorien hinzugeben.
4. Ldpr
rittal 22.10.2014
Kaum einer in Russland nimmt diese Partei mit dem Klaun Schirinowski an der Spitze ernst... Auch die Aussage des Herrn Degtjarjow sollten wir schnellstmöglich vergessen.
5. Russische Regierung
TiloS 23.10.2014
In Russland gibt es eben genausolche Verschwörungstheoretiker, die immer alles dem Westen zuschieben, wie hier. Dass selbst vom Kreml sowas kommt, sagt vieles. Aber kein Wunder, bei den Rechten in der russischen Regierung.
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