Tote britische Soldaten IRA-Splittergruppe bekennt sich zu Anschlag

Sie nennen sich die "Wahre IRA": Eine radikale Abspaltung der Irisch-Republikanischen Armee hat die Verantwortung für den Anschlag in Nordirland übernommen, bei dem am Samstag zwei Soldaten getötet wurden. Bei einer Zeitung in Dublin ging ein Bekenneranruf ein.


London - Es war der erste tödliche Anschlag auf britische Soldaten seit zwölf Jahren: Am Samstagabend sind in einer Kaserne nordwestlich von Belfast zwei Militärangehörige getötet worden. Zwei weitere Soldaten und zwei Zivilisten wurden verletzt.

Blumen am Ort des Anschlags: Mit Sturmgewehren aus Auto gefeuert
AP

Blumen am Ort des Anschlags: Mit Sturmgewehren aus Auto gefeuert

Nun hat sich eine Terrorgruppe zu dem Anschlag bekannt. Eine Abspaltung der katholischen Untergrundorganisation Irisch-Republikanische Armee (IRA) nahm laut einem Fernsehbericht die Verantwortung auf sich. Bei der Zeitung "Sunday Tribune" in Dublin sei am Sonntag ein Bekenneranruf der sogenannten "Wahren IRA" eingegangen, berichtet die britische BBC. Die Chefreporterin der Zeitung, Suzanne Breen, sagte, anhand eines Codewortes sei sichergestellt, dass es sich wirklich um einen Sprecher der Gruppe gehandelt habe.

Die "Wahre IRA" wird auch für den Anschlag von Omagh aus dem Jahr 1998 verantwortlich gemacht. Bei dem schwersten Attentat im Nordirland-Konflikt waren 29 Menschen ums Leben gekommen.

Der Anschlag am Samstagabend war von zwei Attentätern verübt worden. Laut Polizeichef Derek Williamson waren die beiden Personen einem Pizza-Lieferwagen bis zur Massereene-Kaserne in Antrim westlich von Belfast gefolgt. Als die Pizza-Lieferung entgegen genommen werden sollte, schossen die Attentäter mit Sturmgewehren aus ihrem Auto und töteten zwei Soldaten. Zwei weitere Soldaten und die beiden Mitarbeiter des Lieferservices wurden schwer verletzt.

Mindestens ein Angreifer sei auch ausgestiegen und habe aus nächster Nähe auf seine Oper gezielt, als diese bereits am Boden gelegen hätten. Nach den tödlichen Schüssen ergriffen die Männer die Flucht.

"Das ganze Land ist erschüttert"

Das mutmaßliche Tatfahrzeug wurde später verlassen im Nachbarort Randalstown aufgefunden. Bei den Toten handelte es sich laut Polizei um zwei Soldaten Anfang 20, die in Kürze nach Afghanistan entsandt werden sollten.

Der Anschlag richtete sich offenbar auch gegen die nach langem Ringen gebildete nordirische Allparteienregierung. Politiker sowohl der probritischen Protestanten als auch der proirischen Katholiken machten aber Dissidenten der Irisch-Republikanischen Armee verantwortlich. Während die IRA 1997 eine Waffenruhe verkündete, widersetzten sich Splittergruppen dem Friedensprozess und verübten wiederholt Anschläge.

Die Regierungen in Belfast, London und Dublin verurteilten den Anschlag scharf. Die britische Provinz Nordirland werde sich nicht vom Weg des Friedens abbringen lassen, versicherte der Belfaster Regierungschef Peter Robinson. Der britische Premierminister Gordon Brown erklärte: "Das ganze Land ist erschüttert und empört über diesen gemeinen und feigen Anschlag." Kein Mörder werde jedoch den Friedensprozess aus der Bahn werfen. "Wir hatten alle gehofft, dass sinnlose Gewalt der Vergangenheit angehören würde", sagte der irische Ministerpräsident Brian Cowen.

Mehr als 3700 Tote in dem Konflikt

Auch die Partei Sinn Fein, die der IRA nahesteht, jetzt aber mit Robinsons Democratic Unionist Party (DUP) die Regionalregierung in Belfast bildet, verurteilte den Anschlag. Offensichtlich wollten die Angreifer die Uhr zurückdrehen, erklärte Parteichef Gerry Adams.

Rund 4000 britische Soldaten sind noch in Nordirland stationiert. Seit Juli 2007 ist ihre sicherheitspolitische Rolle in der Provinz aber stark eingeschränkt. IRA-Dissidenten haben in den vergangenen Jahren wiederholt britische Sicherheitskräfte angegriffen und verletzt.

Der letzte Anschlag, bei dem ein Soldat getötet wurde, war im Februar 1997. Im Jahr 2002 wurde ein von den Streitkräften engagierter Bauarbeiter von IRA-Abweichlern getötet.

Die IRA selbst hatte Jahrzehnte lang Zivilpersonen, die Geschäfte mit britischen Soldaten machten, auf ihrer Schwarzen Liste. Ihre Waffenruhe von 1997 ermöglichte ein Jahr später das sogenannte Karfreitagsabkommen über eine gemeinsame Regierung der Protestanten und Katholiken in Nordirland. Der Gewalt in der Provinz fielen in den vergangenen Jahrzehnten mehr als 3700 Menschen zum Opfer. Allein die IRA war zwischen 1970 und 1997 für den Tod von fast 1800 Menschen verantwortlich.

wal/AFP/AP



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