Tote und Verletzte: Neue Gefechte erschüttern die Elfenbeinküste

Schüsse hallen durch die Straßen, Leichen liegen im Staub: Die Gewalt in der Elfenbeinküste hält unvermindert an. Erneut gab es in der Hafenstadt Abidjan Kämpfe. Fünf Polizisten starben. Uno-Soldaten wurden angegriffen und verletzt.

Ausgebranntes Autowrack in Abidjan: Erneut schwere Zusammenstöße Zur Großansicht
REUTERS

Ausgebranntes Autowrack in Abidjan: Erneut schwere Zusammenstöße

Abidjan - In der westafrikanischen Elfenbeinküste droht die Gewalt erneut zu eskalieren. Am Mittwoch starben mindestens fünf Mitglieder der Sicherheitskräfte bei Kämpfen mit Anhängern des neu gewählten Präsidenten Alassane Ouattara in der Hafenstadt Abidjan. "Die Zusammenstöße waren die schwersten seit den Präsidentenwahlen Ende November", berichtete Salvatore Sagués, Westafrika-Experte der Menschenrechtsorganisation Amnesty International aus Abidjan. Er befürchtet ein neues Aufflammen bewaffneter Konfrontationen, die das Land in den Bürgerkrieg stürzen könnten.

Bereits am Dienstag hatten Anhänger Ouattaras in Abidjan Barrikaden errichtet. Bei Auseinandersetzungen mit Polizei und Militär wurden im Stadtteil Abobo mindestens zwei Polizisten getötet. Auch vier Ouattara-Anhänger kamen ums Leben.

Anwohner berichteten von Schüssen in der Nacht und am Mittwochmorgen. Auf den Straßen lagen Leichen. Bei den gewaltsamen Auseinandersetzungen kamen seit der Wahl mindestens 200 Menschen ums Leben. Zehntausende Zivilisten sind inzwischen aus dem Land geflohen.

Auch für die Uno-Soldaten ist die Situation gefährlich. Einheiten des abgewählten Präsidenten Laurent Gbagbo griffen am Dienstagabend Truppen der Vereinten Nationen an. Bei einer Schießerei in Abidjan seien drei Mitglieder der Uno-Mission in dem westafrikanischen Land (Unoci) verletzt worden, teilte die Organisation mit.

Die Elfenbeinküste leidet seit Wochen unter einem schweren Machtkonflikt. Gbagbo weigert sich, das Amt an den von der internationalen Gemeinschaft anerkannten Ouattara zu übergeben. Der abgewählte Gbagbo behauptet, der rechtmäßige Präsident zu sein, weil ihm das von einem Parteifreund geleitete Verfassungsgericht den Wahlsieg zugesprochen hat. Die unabhängige Wahlkommission hatte dagegen Ouattara zum Sieger der Präsidenten-Stichwahl erklärt.

Auch Sanktionen und die Drohung einer Militärintervention konnten Gbagbo bisher nicht zur Übergabe der Macht bewegen. Mehrere Vermittlungsversuche blieben erfolglos.

Der Vermittler der Afrikanischen Union (AU) in der ivorischen Krise, der kenianische Regierungschef Raila Odinga, wollte jedoch am Wochenende erneut nach Abidjan reisen. Odinga traf in Nairobi den Präsidenten der AU-Kommission, Jean Ping. Dabei habe er erneut gesagt, dass als letzte Möglichkeit zur Beilegung der Krise ein militärisches Vorgehen gegen Gbagbo erwogen werden müsse.

kgp/dpa/AFP

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insgesamt 3 Beiträge
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1. Wahrscheinlich....
Centurio X 12.01.2011
Zitat von sysopSchüsse hallen durch die Straßen, Leichen liegen im Staub: Die Gewalt in der Elfenbeinküste hält unvermindert an. Erneut gab es in der Hafenstadt Abidjan Kämpfe. Fünf Polizisten starben. Uno-Soldaten wurden angegriffen und verletzt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,739224,00.html
...wird man dort nur nachhaltig Frieden schaffen können, wenn man wie im Sudan das Land teilt, was ja de facto bereits geschehen ist!
2. Elfenbeinküste
650mbhpb 14.01.2011
Zitat von sysopSchüsse hallen durch die Straßen, Leichen liegen im Staub: Die Gewalt in der Elfenbeinküste hält unvermindert an. Erneut gab es in der Hafenstadt Abidjan Kämpfe. Fünf Polizisten starben. Uno-Soldaten wurden angegriffen und verletzt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,739224,00.html
… und die ganze Welt schaut zu ohne zu reagieren. Wen interressiert es schon ob in einem afrikanischen Land ein paar Menschen sterben. Es wird bedauert und zur Tagesordnung übergegangen. In Nigeria passiert seit Jahrzehnten eine Umweltkatastrophe gigantischen Ausmaßes, die selbst das Unglück im Golf von Mexiko übersteigt. Wen interessiert das schon. In Niger wird unter Inkaufnahme von unzähligen Todesopfern Uran abgebaut. Verantwortlicher ist der Hauptsponsor des 1.FC Nürnberg, der französische Energiekonzern AREVA, an dem auch SIEMENS beteiligt ist. Wen interessiert das schon. Es gibt noch zahllose Beispiele, wie der afrikanische Kontinent ausgeblutet wird. Es gibt in Afrika Rohstoffe und das ist was zählt. Ihr Bedauern sollten sich unsere Politiker sparen. Es ist eine Farce.
3. Unparteiliche Berichterstattung notwendig
team_gleichklang_de 15.01.2011
Bezüglich der Problematik in der Elfenbeinküste beginnen unsere Medien erst langsam, aufzuwachen und der durch Wiederholung fast schon zur Wahrheit deklarierten Behauptung, es gehe um einen Demokraten versus einen Diktator, zu misstrauen. Der Oppositionsführer, IWF-Funktionär und Verbündeter einer bewaffneten Rebellengruppe, die sich u.a. durch Blutdiamnten finanzierte, lehtn ejden Kompromiss ab.Er fordert eine gewaltsame Lösung. Die UN hat gegen Vereinbarungen verstoßen, indem sie das verbriefte Recht des Verfassungsrates, die Wahlen zu überprüfen, versuchte, zu übergehen. Dass im durch die Rebellen beherrschten Norden Anhänger der Regierung frei für Stimmen werben konnten, stimmt nicht, dass sie frei wählen konnten, ist fragwürdig, und es liegen Augenzeugenberichte über Manipulationen im Norden vor. Die UN hat sich vorschnell auf die Seite des IWF-Funktionärs geschlagen und gefährdet damit den Frieden. Eine Machtteilung und wohl auch Neuwahlen werden erforderlich sein. Dabei ist Afrika keineswegs einig, sondern gespalten. Angola und Gambia unterstützen den Amtsinhaber, eine militärische Intervention könnte zu einem Blutbad und einer Verschärfung des Hasses zwischen den verfeindeten Volksgruppen führen.
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