Tote und Verletzte Syrien wirft US-Militärs Helikopter-Angriff auf Dorf vor

Militäreinsatz an der irakisch-syrischen Grenze: US-Helikopter sollen Berichten des syrischen Fernsehens zufolge bei einem Luftangriff mindestens acht Zivilisten getötet haben. US-Behörden hüllen sich bisher in Schweigen - die Attacke könnte islamistischen Kämpfern gegolten haben. Damaskus kündigte Protest an.


Damaskus - US-Hubschrauber sollen ein syrisches Dorf angegriffen haben, das rund acht Kilometer entfernt von der irakischen Grenze liegt. Dabei wurden acht Einwohner getötet, teilte der Sprecher einer syrischen Behörde mit. Im syrischen Fernsehen ist hingegen von sieben Toten die Reden, ein privater Sender spricht von neun. 14 weitere Menschen seien demnach verletzt worden.

Amerikanischer Kampfhubschrauber: Die syrische Regierung protestiert
AFP

Amerikanischer Kampfhubschrauber: Die syrische Regierung protestiert

Augenzeugen haben vier Hubschrauber über das Dorf fliegen sehen, von denen zwei gelandet seien. Parallel sollen die amerikanischen Soldaten ein Haus gestürmt haben. Die Helikopter hätten ein Haus in der Region Bu Kamal in der Nähe zur irakischen Grenze angegriffen, berichtete die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana.

Sana meldete weiter, die US-Einheit habe ein im Bau befindliches ziviles Gebäude attackiert. Bei den Opfern handele es sich um Bauarbeiter und die Ehefrau eines Wächters. Nach dem Angriff flogen die Hubschrauber laut Sana von der Provinz Deir al-Zor in Richtung Irak.

Ein Krankenhausarzt in einer nahegelegenen Klinik sagte, es seien sieben Leichen und vier Verletzte eingeliefert worden. Die Hubschrauber hätten den syrischen Luftraum nach dem Angriff mit allen Soldaten wieder verlassen, hieß es. Von amerikanischer Seite gab es zunächst keine Erklärung zu dem Vorfall. Es wäre der erste Angriff von US-Soldaten aus dem Irak auf syrischem Boden.

Die syrische Regierung hat inzwischen Protest angekündigt: Die Geschäftsträgerin der US-Botschaft in Damaskus, Maura Connelly, ist am Sonntagabend in das syrische Außenministerium zitiert worden. Dort sei ihr eine offizielle Protestnote überreicht worden, verlautete aus US-Botschaftskreisen in der libanesischen Hauptstadt Beirut. Auch ein Vertreter der irakischen Botschaft soll zum Gespräch einbestellt worden sein.

Vermutlich Schlag gegen al-Qaida

Das betroffene Gebiet befindet sich nahe der irakischen Stadt Kaim. Der dortige Übergang gilt als zentraler Knotenpunkt für Rebellen und den Transport von Waffen und Geld für den Aufstand radikaler Sunniten. Seit Langem werfen die Amerikaner der syrischen Führung unter Präsident Baschar al-Assad vor, nicht gegen den Terrorismus vorzugehen. Von Syrien aus dringen militante Islamisten immer wieder in den Irak vor. Nun vermuten Beobachter, dass die amerikanische Attacke ein Schlag gegen Qaida-Zellen gewesen sein könnte.

Auch im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet kam es in den vergangenen Wochen immer wieder zu amerikanischen Militäraktionen auf Taliban-Stellungen. Die paschtunischen Stammesgebiete werden von den Taliban als Rückzugsraum für Angriffe in Afghanistan genutzt. Die pakistanische Regierung protestierte scharf gegen die Verletzung der Grenze - wie heute auch die syrische.

cvk/Reuters/dpa/AFP/AP



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