Tote Uno-Soldaten im Libanon: Spanien macht Fatah al-Islam für Anschlag verantwortlich

Sechs spanische Blauhelme sind bei einem Attentat im Libanon getötet worden. Bislang hat sich niemand zu dem Terrorakt bekannt. Doch die spanische Regierung ist sich sicher: Hinter dem ersten Anschlag auf die Unifil-Mission überhaupt steckt die palästinensische Fatah al-Islam.

Madrid/Beirut - Das Verteidigungsministerium in Madrid macht für den Bombenanschlag im Südlibanon mit sechs toten spanischen Blauhelmsoldaten die palästinensische Extremistengruppe Fatah al-Islam verantwortlich. Das berichtete die spanische Zeitung "El País" am frühen Morgen. Verteidigungsminister José Antonio Alonso flog noch am frühen Morgen mit einer Militärmaschine nach Beirut.

Die dem Terror-Netzwerk al-Qaida nahe stehende Fatah al-Islam hatte zuvor mit Anschlägen gegen die Unifil im Südlibanon gedroht. Kämpfer der Organisation, die sich in einem palästinensischen Flüchtlingslager im Norden des Libanon verschanzt haben, liefern sich seit Mitte Mai heftige Kämpfe mit der libanesischen Armee. Dabei sind bereits Dutzende Menschen ums Leben gekommen. Die Hisbollah-Bewegung verurteilte in einer ersten Stellungnahme den Anschlag auf die Blauhelme.

Bei dem Attentat auf eine Patrouille der Uno-Truppen im Libanon (Unifil) waren am Sonntag sechs Blauhelmsoldaten getötet und zwei verletzt worden. Es war der erste Anschlag auf die Friedenstruppe, seit das Mandat der Unifil nach Beendigung des Kriegs zwischen Israel und der radikal-islamischen Hisbollah im vergangenen Sommer auf die Entwaffnung der Milizen im Südlibanon ausgedehnt worden war.

Der Bombenanschlag auf das spanische Unifil-Kontingent im Libanon ereignete sich nahe der südlibanesischen Ortschaft Mardschajun. Bei der Vorbeifahrt des gepanzerten Fahrzeugs der Spanier explodierte eine Autobombe oder ein anderer Sprengsatz, der per Fernzündung zur Detonation gebracht worden sei, sagte Minister Alonso. Er schloss aus, dass die Soldaten auf eine ältere Mine gefahren waren. Er sprach von einem gezielten Terrorakt. Bislang bekannte sich offiziell niemand zu dem Anschlag.

Spanien sichert weitere Unterstützung zu

"Die spanischen Friedenshüter werden ihre Arbeit trotz des Anschlags fortsetzen", sagte ein Sprecher der spanischen Blauhelm-Truppe im Libanon. "Es gibt keine Pläne, das Gebiet zu verlassen." Die Opfer waren junge Militärs im Alter zwischen 18 und 21 Jahren. Drei von ihnen waren gebürtige Kolumbianer, die die spanische Staatsbürgerschaft angenommen hatten.

Die Unifil-Truppe beobachtet im Südlibanon die Waffenruhe zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah-Miliz. Sie soll auch den Schmuggel von Waffen an die Hisbollah unterbinden.

US-Außenministerin Condoleezza Rice und der französische Außenminister Bernard Kouchner verurteilten in Paris das Attentat. "Es ist wichtig, dass der Krieg beendet wird", sagte Rice in Paris. "Die politische Lage im Libanon ist schwierig, aber es gibt eine gewählte Regierung und es sollte ihr ermöglicht werden zu funktionieren", betonte Rice. Auch Israels Außenministerin Zipi Livni bedauerte das Blutvergießen in einem Telefonat mit ihrem spanischen Kollegen Miguel Angel Moratinos.

Fatah al-Islam tötet libanesischen Soldaten

In der Nacht zum Sonntag kam es zu einem blutigen Zusammenstoß in Tripoli im Norden des Libanon, nachdem Angehörige der Fatah al-Islam das Feuer auf einen libanesischen Armee-Jeep eröffnet und dabei einen Soldaten getötet hatten. Als das Militär mit Verstärkung anrückte, nahmen die Extremisten den Großvater und die zehnjährige Tochter eines Polizisten in einem nahe gelegenen Haus als Geiseln. Den Beamten erschossen die Extremisten ebenso wie im weiteren Verlauf des Gefechts ihre beiden Geiseln. Auch sechs Extremisten wurden erschossen.

Ein libanesischer Soldat starb am Samstag, als Kämpfer der Fatah al-Islam nahe dem Flüchtlingslager Nahr al-Bared bei Tripoli aus dem Hinterhalt das Feuer auf eine Armeepatrouille eröffneten. Drei weitere Soldaten kamen ums Leben, als sie beim Minenräumen eine Sprengfalle auslösten.

Kämpfer der Fatah al-Islam hatten sich in dem Lager wochenlang zum Teil schwere Gefechte mit den Regierungstruppen geliefert. Die Kämpfe flauten Mitte vergangener Woche ab. Insgesamt waren dabei 148 Menschen ums Leben gekommen. Die meisten Extremisten tauchten danach in anderen Teilen des Lagers sowie in der Stadt Tripoli unter.

phw/dpa/AFP

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