Totenschänder-Skandal Jung prüft Mitwisserschaft von Offizieren

Die Bundeswehr ist um zügige Aufklärung des Skandals um Totenschändung in Afghanistan bemüht. Beteiligt waren demnach nur Soldaten mit niedrigem Dienstgrad. Aber bekamen die vorgesetzten Offiziere tatsächlich nichts mit? Verteidigungsminister Jung geht entsprechenden Hinweisen nach.


Hamburg - Das Verteidigungsministerium überprüft auch eine Verstrickung von Bundeswehroffizieren in den Skandal um mutmaßliche Totenschändungen in Afghanistan. Die Frage der Mitwisserschaft werde mit Hochdruck geklärt, zitiert die "Leipziger Volkszeitung" Minister Franz Josef Jung (CDU).

Deutscher Isaf-Soldat: Was wussten die Offiziere?
AP

Deutscher Isaf-Soldat: Was wussten die Offiziere?

Er habe gegenüber der militärischen Führung der Bundeswehr klar gemacht, wie notwendig es sei, "dass die Dienstvorgesetzten vor Ort ihre Verantwortung wahrnehmen", erklärte Jung. Man müsse auf allen Ebenen hart durchgreifen und könne nicht die geringste Toleranz dulden.

Nach Informationen der Zeitung soll ein Teil der Bundeswehrführung in Afghanistan möglicherweise schon seit geraumer Zeit von den makabren Fotos gewusst, aber nichts unternommen haben. Offiziere seien im nordafghanischen Kundus in den vergangenen Jahren mehrfach von besorgten afghanischen Partnern gebeten worden, Berichten über Schändungen im Großraum Kabul nachzugehen, heißt es unter Berufung auf einen früheren Mitarbeiter der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ).

Einer der beteiligten Soldaten gestand seine Teilnahme an den Schändungen und sagte in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung, bei den niedrigeren Dienstgraden seien die Fotos durchaus bekannt gewesen. Ob Offiziere davon wussten, sagte er nicht.

Jung hat am Freitag zwei der sechs an den Totenschändungen beteiligten Soldaten suspendiert. Es handele sich dabei um die beiden Tatverdächtigen, die auf den Skandalfotos aus dem Jahr 2003 zu sehen waren. Vier weitere Soldaten waren ohnehin nicht mehr im Dienst der Bundeswehr.

kaz/AP

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