Toter Australier: Israel kippt Nachrichtensperre um Agentenaffäre

Gefängnis in Tel Aviv: Skandal um toten Australier in Einzelhaft Zur Großansicht
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Gefängnis in Tel Aviv: Skandal um toten Australier in Einzelhaft

In Israel sorgt der Skandal um den Tod eines mutmaßlichen Mossad-Agenten in einem Gefängnis für Unruhe. Nur in den Medien fand der Fall des Australiers nicht statt - auf Geheiß von Premier Netanjahu. Nun hat ein Gericht die Nachrichtensperre aufgehoben.

Tel Aviv - Israels Medien dürfen wieder über die mysteriöse Agenten-Affäre berichten. Ein israelisches Gericht hat am Mittwoch die Nachrichtensperre aufgehoben. Bei dem Fall geht es um einen mutmaßlichen Agenten des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad, der 2010 in einem Hochsicherheitsgefängnis Selbstmord begangen haben soll.

Der unter höchster Geheimhaltung und in Isolierhaft eingesperrte Mann, der nur als "Gefangener X" bekannt war, stammte nach einem Bericht des australischen Rundfunksenders ABC aus Melbourne. Dies war von den Nachrichtenseiten in Israel zunächst aufgenommen worden.

Wenige Stunden nach dem australischen Bericht hatte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu jedoch ranghohe Medienvertreter zu einer Dringlichkeitssitzung einberufen. Der Regierungschef forderte sie nach Medienberichten dazu auf, die Geschichte nicht zu veröffentlichen, weil sie Israels Ansehen schaden könnte. Kurz darauf verschwanden die Berichte tatsächlich von den meisten israelischen Nachrichtenseiten.

Während der Bericht im Internet außerhalb von Israel schon seine Kreise zog, forderten israelische Abgeordnete am Dienstag im Parlament eine Offenlegung des Vorfalls. Der arabische Abgeordnete Ahmed Tibi rief den Justizminister Jaakov Neeman auf, zu den Berichten Stellung zu nehmen.

Der ehemalige israelische Außenminister Avigdor Lieberman warf den Parlamentariern am Mittwoch vor, sie wollten der israelischen Staatssicherheit schaden.

Auch in Australien sorgt der Fall für Aufsehen. Die Regierung setzt eine Untersuchungskommission ein, die klären soll, warum die Affäre nicht verfolgt wurde. Zunächst hatte es Berichte gegeben, wonach Australien nicht über die Verhaftung seines Bürgers informiert worden war. Australische Medien melden nun jedoch, dass ein Diplomat der australischen Botschaft über die Vorgänge unterrichtet war. Unklar ist noch, warum er seine Informationen nicht weitergegeben hat.

jok/dpa

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ein anderer 13.02.2013
Zitat von sysopREUTERSIn Israel sorgt der Skandal um den Tod eines mutmaßlichen Mossad-Agenten in einem Gefängnis für Unruhe. Nur in den Medien fand der Fall des Australiers nicht statt - auf Geheiß von Premier Netanjahu. Nun hat ein Gericht die Nachrichtensperre aufgehoben. Toter Australier: Israel kippt Nachrichtensperre um Agentenaffäre - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/toter-australier-israel-kippt-nachrichtensperre-um-agentenaffaere-a-883151.html)
Ist die in Israel weit verbreitete Meinung die ganze Welt sei gegen Israel, vielleicht darauf zurück zu führen, dass israelische Medien viele Themen nicht ansprechen dürfen. Dadurch wissen viele Israelis gar nicht was ihre Regierung so alles macht. Und wenn das Ausland solche Themen anspricht, muss das logischerweise gelogen sein, weil sie der fälschlichen Meinung verfallen sind, wäre an der Geschichte was dran müssten die eigenen Medien es auch gemeldet haben.
2. Ein Musterbeispiel an Pressefreiheit in einem demokratischen Land
wachsamer_bürger 13.02.2013
So kann Pressefreiheit aussehen. Das bedeutet eben ein demokratisches System hat nicht zwangsläufig auch eine uneingeschränkte Pressefreiheit.
3. nebulös
sozius 13.02.2013
Warum sitzt ein angeblicher Mossad-Agent in einem israelischen Hochsicherheitsgefängnis? Was könnte er getan/verraten haben? An wen? Und wie können die Medien so lange brav schweigen? Viele offene Fragen
4. Israelische Demokratie
eule_neu 13.02.2013
man wundert sich immer mehr. In einem demokratischen Land kann ein Ministerpräsindent die Presse unter Druck setzen, die Geschichte nicht zu drucken. Freier Journalismuis in Israel oder Staatsdominanz? Dieses Verhalten des MP wurde durch ein Gerichtsurteil gestoppt, wenigstens funktioniert die Justiz noch einigermaßen. Aber dies wird nicht die einzige Geschichte sein, die dem israelischen Volk verborgen werden sollte. Haben die Rgierenden in diesem Land die leidvoll erfahrene Geschichte ihres Volkes verdrängt und handeln wie Dikatoren? Hoffentlich werden die Gerichte in diesem Fall weitere Urteile sprechen, so jedenfalls kann es in einer freien Presse nicht zugehen ....
5. Vielleicht versuchen Sie's mal mit der Lektüre derselben
yael.schlichting 13.02.2013
Zitat von ein andererIst die in Israel weit verbreitete Meinung die ganze Welt sei gegen Israel, vielleicht darauf zurück zu führen, dass israelische Medien viele Themen nicht ansprechen dürfen. Dadurch wissen viele Israelis gar nicht was ihre Regierung so alles macht. Und wenn das Ausland solche Themen anspricht, muss das logischerweise gelogen sein, weil sie der fälschlichen Meinung verfallen sind, wäre an der Geschichte was dran müssten die eigenen Medien es auch gemeldet haben.
Mich beschleicht der Verdacht, sie haben noch nie versucht Israelische Presse zu lesen: timesofisreal.com (http://www.timesofisreal.com) Jerusalem Post (http://www.jpost.com) Yedioth Ahronoth (http://www.ynetnews.com) Arutz Sheva (http://www.israelnationalnews.com) Israel Hayom (http://www.israelhayom.com) israel today (http://www.israeltoday.co.il) Ma'ariv (http://www.nrg.co.il/) Walla (http://www.walla.co.il/) Ich halte Ihnen mal zu Gute, daß Sie's einfach nicht besser wissen. Nur frage ich mich dann, wie erwachsen das denn sein soll, daß Sie gleich mit so einem Anwurf daherkommen. Bitte vergessen Sie nicht, daß sich Israel im Krieg befindet, weil seine nachbarn diesen Krieg erklärt haben und die gesamte Entwicklung im Arabischen Umland (Arabische Vierjahreszeiten - Der Frühling ist vorbei) alles andere als vertrauenseinflößend ist.
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