Getöteter US-Botschafter in Libyen: Lasche Sicherheitsmaßnahmen begünstigten Attentat

Der Tod des US-Botschafters in Libyen sorgte weltweit für Entsetzen. Nun werden Zweifel an den Sicherheitsmaßnahmen in Bengasi laut. Diese hätten nicht den US-Standards entsprochen. Laut "New York Times" sollten lokale Einheiten für Schutz sorgen - angeblich aus Kostengründen.

Geplanter Terrorakt: Der Anschlag von Bengasi
Fotos
REUTERS

Washington - Am Wochenende hatte das Weiße Haus den tödlichen Angriff auf den Botschafter in Libyen offiziell als Terroranschlag eingestuft. Jetzt gibt es neue Vorwürfe rund um die Attacke in Bengasi am 11. September 2012. So sollen die USA nach Informationen der "Washington Post" das Sicherheitsrisiko sträflich unterschätzt haben. Auch "New York Times" berichtet über den Fall. Demnach waren vor allem lokale Einheiten mit dem Schutz der Einrichtung betraut - und überfordert.

Die Sicherheitsmaßnahmen in dem Konsulatsgebäude hätten nicht den üblichen US-Standards entsprochen, schreibt die "Washington Post". Außerdem habe es keinen Schutz durch eine Einheit von Marineinfanteristen gegeben, wie es in Risikoländern üblich sei, berichtet das Blatt am Sonntag.

Stattdessen seien über eine Privatfirma örtliche Wächter angeheuert worden, was wesentlich billiger gewesen sei, heißt es. Wie die "New York Times" schreibt, könnten die Mitarbeiter des Konsulats nach einem Anschlag im Juni zu einer fatalen Fehleinschätzung gekommen sein.

Damals sei ein kleiner Sprengsatz vor dem Konsulat detoniert. Die libyschen Sicherheitskräfte hätten die Situation souverän gemeistert, schreibt die Zeitung unter Berufung auf einen namentlich nicht genannten US-Offiziellen. Daraus sei möglicherweise geschlossen worden, dass sie auch auf eine wesentlich größere Bedrohung angemessen reagieren könnten.

Warnungen bereits Tage vor dem Angriff

Offenbar gab es zudem bereits im Vorfeld der Attacke Warnsignale. Nur wenige Tage vor der Rückkehr von Botschafter Christopher Stevens nach Bengasi hätten libysche Sicherheitsbeamte einen US-Diplomaten gewarnt, Ausländer sollten sich möglichst unauffällig verhalten. Andere westliche Ausländer hätten Bengasi bereits verlassen, so die "Washington Post".

Weiter heißt es, bisherigen Ermittlungen zufolge hätten Mitglieder der fundamentalistischen Gruppe Ansar al-Scharia den Anschlag ausgeübt. Sie hätten Hilfe von Extremisten mit Verbindungen zu Gruppierungen des Terrornetzwerks al-Qaida in Afrika erhalten.

Nach den jüngsten Geheimdienstinformationen wurde das Konsulat in Bengasi von mehr als 50 schwer bewaffneten Extremisten angegriffen. Die Terroristen hatten das Gelände vollständig umzingelt, um Amerikaner an der Flucht zu hindern. Die erste Angriffswelle galt dem Hauptgebäude. Sie zwang die Konsulatsmitarbeiter zur Flucht in ein Nebengebäude, das daraufhin mit Mörsern angegriffen wurde. Botschafter Stevens soll dann an einer Rauchvergiftung gestorben sein. Er war im brennenden Hauptgebäude eingeschlossen gewesen.

jok/dpa

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
Auf anderen Social Networks teilen
  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
insgesamt 6 Beiträge
Ernst August 01.10.2012
Ca. eine Woche vor dem "Angriff" auf die Bengasi Botschaft wurde in den USA die Reisewarnung für Südlibyen auf ganz Libyen ausgeweitet. Es gab vor der Botschaft keine Demos gegen den ominösen Film. Es ist [...]
Zitat von sysopDer Tod des US-Botschafters in Libyen sorgte weltweit für Entsetzen. Nun werden Zweifel an den Sicherheitsmaßnahmen in Bengasi laut. Diese hätten nicht den US-Standards entsprochen. Laut "New York Times" sollten lokale Einheiten für Schutz sorgen - angeblich aus Kostengründen. Toter Botschafter: Laxe Sicherheitsmaßnahmen vor Anschlag in Bengasi - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/toter-botschafter-laxe-sicherheitsmassnahmen-vor-anschlag-in-bengasi-a-858862.html)
Ca. eine Woche vor dem "Angriff" auf die Bengasi Botschaft wurde in den USA die Reisewarnung für Südlibyen auf ganz Libyen ausgeweitet. Es gab vor der Botschaft keine Demos gegen den ominösen Film. Es ist unwahrscheinlich dass die Islamisten und Al Kaida Banden jetzt schon die Hand abhacken die sie in Libyen und Syrien noch füttert. Es bleiben folglich nur 2 Möglichkeiten. 1. Es war der grüne Widerstand den in Libyen jeder unter dem Namen "Tahloob" (arabisch: Gaddafi Loyalisten) kennt. Jeder weiß das die im Untergrund arbeiten und seit Monaten einen Verräter nach dem Anderen eliminieren. Wenn die Meldungen russischer Quellen stimmen dann wurde aktuell Jalil von den Tahloob erwischt. 2. "False Flag" - dafür gibt es eine Reihe von Gründen auf die ich jetzt nicht näher eingehe.
lifeguard 01.10.2012
1. das es noch anhänger gaddafis gibt, hat glaub ich, nie ernsthaft irgend jemand bestritten und das die sich nicht mit der niederlage abfinden wollen, ist ja irgendwo klar.aber was sollte es ihnen bringen ein [...]
Zitat von Ernst AugustCa. eine Woche vor dem "Angriff" auf die Bengasi Botschaft wurde in den USA die Reisewarnung für Südlibyen auf ganz Libyen ausgeweitet. Es gab vor der Botschaft keine Demos gegen den ominösen Film. Es ist unwahrscheinlich dass die Islamisten und Al Kaida Banden jetzt schon die Hand abhacken die sie in Libyen und Syrien noch füttert. Es bleiben folglich nur 2 Möglichkeiten. 1. Es war der grüne Widerstand den in Libyen jeder unter dem Namen "Tahloob" (arabisch: Gaddafi Loyalisten) kennt. Jeder weiß das die im Untergrund arbeiten und seit Monaten einen Verräter nach dem Anderen eliminieren. Wenn die Meldungen russischer Quellen stimmen dann wurde aktuell Jalil von den Tahloob erwischt. 2. "False Flag" - dafür gibt es eine Reihe von Gründen auf die ich jetzt nicht näher eingehe.
1. das es noch anhänger gaddafis gibt, hat glaub ich, nie ernsthaft irgend jemand bestritten und das die sich nicht mit der niederlage abfinden wollen, ist ja irgendwo klar.aber was sollte es ihnen bringen ein ausländisches konsulat anzugreifen? es handelt sich bei denen um ewiggestrige, ihr feind ist die regierung. und bei russischen meldungen wäre ich ganz vorsichtig. und wenn sie die morde an diversen offizieren in und um benghasi meinen, dafür werden in anderen quellen gruppierungen wie die ansar-al sharia verantwortlich gemacht. im osten war gaddafi vehaßt, warum sollten seine anhänger dort operieren? 2. klar die cia greifen ihr eigenes konsulat an und nehmen den tod es botschafters in kauf. wie abstrus ist das denn?
MonsieurAlex 01.10.2012
Die amerikanische Politik, hier vor allem der Kongreß, setzt eher auf das Pentagon als auf die Diplomatie, die als zu "weich" gilt. Das drückt sich dann in Mittelkürzungen für Frau Clinton aus.
Die amerikanische Politik, hier vor allem der Kongreß, setzt eher auf das Pentagon als auf die Diplomatie, die als zu "weich" gilt. Das drückt sich dann in Mittelkürzungen für Frau Clinton aus.
deccpqcc 01.10.2012
diese ganze geschichte leuchtet mir nicht ein. angeblich gibt es weltweit "kampf gegen den terror". was dazu führt das alte omis die als flugpassagier eine nagelfeile mit sich führen bis aufs blut schikaniert [...]
Zitat von sysopDer Tod des US-Botschafters in Libyen sorgte weltweit für Entsetzen. Nun werden Zweifel an den Sicherheitsmaßnahmen in Bengasi laut. Diese hätten nicht den US-Standards entsprochen. Laut "New York Times" sollten lokale Einheiten für Schutz sorgen - angeblich aus Kostengründen. Toter Botschafter: Laxe Sicherheitsmaßnahmen vor Anschlag in Bengasi - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/toter-botschafter-laxe-sicherheitsmassnahmen-vor-anschlag-in-bengasi-a-858862.html)
diese ganze geschichte leuchtet mir nicht ein. angeblich gibt es weltweit "kampf gegen den terror". was dazu führt das alte omis die als flugpassagier eine nagelfeile mit sich führen bis aufs blut schikaniert werden. aber eine us-botschaft in einem hochrisiko-land bleibt an einem 11.9. ohne professionellen schutz ?
ein anderer 01.10.2012
Es sieht eher nach einer üblichen Fehleinschätzung aus. Die USA dachten doch, weil sie beim Sturz geholfen haben seien alle Verfehlungen der letzten Jahre vergessen und vergeben worden und alle Libyer seien nun Freunde der [...]
Zitat von sysopDer Tod des US-Botschafters in Libyen sorgte weltweit für Entsetzen. Nun werden Zweifel an den Sicherheitsmaßnahmen in Bengasi laut. Diese hätten nicht den US-Standards entsprochen. Laut "New York Times" sollten lokale Einheiten für Schutz sorgen - angeblich aus Kostengründen. Toter Botschafter: Laxe Sicherheitsmaßnahmen vor Anschlag in Bengasi - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/toter-botschafter-laxe-sicherheitsmassnahmen-vor-anschlag-in-bengasi-a-858862.html)
Es sieht eher nach einer üblichen Fehleinschätzung aus. Die USA dachten doch, weil sie beim Sturz geholfen haben seien alle Verfehlungen der letzten Jahre vergessen und vergeben worden und alle Libyer seien nun Freunde der USA. Etwa so wie bei einem kitschigen Westernfilm wo ein Gangster nur 1 Gute Tat vollbringen muss und alles was zuvor war, ward ihm verziehen. Aber wieviele Oppositionelle hatte die CIA im Aussland gefasst und Ghadaffi ausgeliefert um im Krieg gegen den Terror an Informationen zu gelangen? Im richtigen Leben vergessen die Menschen nur langsam und es braucht mehr als eine Gute Tat um das was der Westen in den letzten 50-100 Jahre dort unten getan hatte, vergessen zu machen.
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Ausland
alles zum Thema Islamistischer Terror

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Montag, 01.10.2012 – 10:39 Uhr
  • Drucken Versenden Feedback
  • Kommentieren | 6 Kommentare

Fläche: 1.775.500 km²

Bevölkerung: 6,355 Mio.

Hauptstadt: Tripolis

Staatsoberhaupt: Mohammed al-Magharif (Übergangspräsident)

Regierungschef: Ali Seidan

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | Libyen-Reiseseite






TOP



TOP