Tunesien: Demonstrant stirbt bei pro-islamistischen Protesten

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Demonstranten in Tunis: Heftige Zusammenstöße

Die Eskalation der Gewalt bei Protesten der radikalen Salafisten hat ein Todesopfer gefordert. Ein 27 Jahre alter Demonstrant starb laut staatlichen Angaben. Einige Sicherheitskräfte wurden teilweise schwer verletzt.

Tunis - Bei den heftigen Zusammenstößen zwischen pro-islamistischen Demonstranten und Sicherheitskräften in Tunesien ist ein Mann ums Leben gekommen. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur habe der 27-Jährige an einem Protestmarsch teilgenommen. Nach ersten Informationen sollen zudem elf Polizisten, davon drei schwer, verletzt worden sein. Auf Seiten der Demonstranten wurden laut tunesischem Innenministerium drei Verletzte gezählt.

In der Hauptstadt und in Kairouan waren die Sicherheitskräfte mit Tränengas gegen al-Qaida-Anhänger vorgegangen, um ein Versammlungsverbot gegen die Gruppe Ansar al-Scharia durchzusetzen. Die Demonstranten errichteten am Sonntag in einem Vorort von Tunis Straßenblockaden aus brennenden Reifen und warfen Steine und Molotowcocktails. Sicherheitskräfte setzten Tränengas und Gummigeschosse ein.

Zur Zahl der festgenommen Islamisten bei den Protesten gab es zunächst keine offiziellen Angaben. Nach Informationen der staatlichen Nachrichtenagentur sollen mindestens 20 Personen in Polizeigewahrsam gekommen sein.

Die Demonstranten hatten unter anderem zum Sturz der Regierung aufgerufen, die nach der Revolution von 2011 durch freie Wahl an di Macht gekommen war. Zuvor war ein Salafisten-Kongress der Gruppe Ansar al-Scharia in Kairouan vom Innenministerium aus Sicherheitsgründen verboten worden. Nachdem das Verbot bekannt geworden war, rief Ansar al-Scharia zu einem Treffen im Stadtteil Ettadhamen im Westen von Tunis auf.

Die erzkonservativen Salafisten haben seit der Revolution einen rasanten Aufstieg hinter sich. Besorgniserregend ist vor allem, dass ihr gewaltbereiter Teil, die Dschihadisten, an Bedeutung gewinnen. Ihnen wird der Mord an dem Oppositionspolitiker Chokri Belaïd zugeschrieben, der Tunesien schockierte. Mancherorts haben sich salafistische Milizen formiert. Zunehmend brutal werden die Zusammenstöße zwischen Polizisten und Radikalen ausgetragen. In den vergangenen Wochen hat die Regierung eine große Militäroffensive gegen Dschihadisten in den Bergen an der Grenze zu Algerien gestartet.

max/Reuters/dpa

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Fläche: 164.000 km²

Bevölkerung: 10,374 Mio.

Hauptstadt: Tunis

Staatsoberhaupt:
Moncef Marzouki

Regierungschef: Mehdi Jomaa

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