Toter Qaida-Chef: Obama hält Bin-Laden-Fotos unter Verschluss

Tagelang wurde spekuliert: Zeigt das Weiße Haus das Foto des toten Qaida-Chefs Osama Bin Laden? Jetzt ist die Entscheidung gefallen. US-Präsident Obama kündigte in einem TV-Interview an, die Leichenbilder nicht zu zeigen.

US-Präsident Obama: Zweifellos grausige Bilder Zur Großansicht
AFP

US-Präsident Obama: Zweifellos grausige Bilder

Washington - US-Präsident Barack Obama will die Fotos des getöteten Top-Terroristen Osama Bin Laden nicht veröffentlichen. In der TV-Sendung "60 Minutes" kündigte Obama diesen Schritt an, wie der US-Sender CBS vorab auf seiner Webseite berichtet. Eine Herausgabe der Bilder würde "ein nationales Sicherheitsrisiko" darstellen, sagte Obama nach Angaben des Weißen Hauses. Er wolle verhindern, dass die Fotos zu Propagandazwecken missbraucht würden. "Wir sind aber sicher, dass wir Osama Bin Laden getötet haben. Er wird nicht mehr auf dieser Erde wandeln."

Um die Frage, ob Fotos von der Leiche Bin Ladens veröffentlicht werden sollen, hatte es in den vergangenen Tagen eine hitzige Debatte gegeben. Der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney, sagte, die Bilder seien zweifellos "grausig". Es sei zu prüfen, ob es nötig sei, sie zu veröffentlichen. Bin Laden soll zweimal in den Kopf getroffen worden sein, einmal direkt über dem linken Auge.

Skeptiker in der US-Regierung hatten argumentiert, dass die Aufnahmen "zu grausig" seien, um sie freizugeben. Befürworter erklärten hingegen, die Veröffentlichung sei nötig, um Zweifel auszuräumen, dass Bin Laden tatsächlich tot sei. CIA-Chef Leon Panetta ging bislang davon aus, dass ein Foto des toten Terroristenchefs veröffentlicht wird.

Mehrere US-Abgeordnete bestätigen, wie grausig die Aufnahmen seien. Die republikanische Senatorin Kelly Ayotte sagte, sie habe eines der Fotos gesehen. Darauf sei Bin Laden eindeutig zu erkennen. "Ich habe ein Leichenbild von ihm gesehen, den Kopfbereich. Er ist ganz offensichtlich verletzt worden", sagte sie und fügte hinzu: "Besser kann ich das nicht beschreiben."

Inzwischen mehren sich jedoch die Anzeichen, dass unter den Senatoren gefälschte Aufnahmen kursiert sein könnten. Ayotte musste ihre ersten Aussagen revidieren: "Ich weiß nicht, ob es (das Foto) echt war."

Die Nachrichtenagentur Reuters veröffentlichte derweil Bilder von drei bei dem Kampfeinsatz getöteten Männern. Auf den Fotos, die ein pakistanischer Sicherheitsbeamter gemacht haben soll, sind zwei männliche Leichen in pakistanischen Gewändern zu sehen. Der dritte Tote trägt ein T-Shirt, die Männer liegen in Blutlachen am Boden.

Ein Akt "nationaler Selbstverteidigung"?

Die Uno-Hochkommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay, forderte weitere Aufklärung zu den Todesumständen des Terroristenführers. "Es handelte sich um eine sehr schwierige Operation, und es wäre hilfreich, wenn wir die genauen Fakten der Umstände seiner Tötung kennen würden", heißt laut Sprecher Rupert Colville in der Anfrage an die Regierung in Washington.

US-Justizminister Eric Holder nannte den Einsatz allerdings einen Fall "nationaler Notwehr". Osama Bin Laden sei ein "rechtmäßiges militärisches Ziel" gewesen und habe keine Anstalten gemacht, sich zu ergeben. Daher sei es gerechtfertigt gewesen, Bin Laden zu töten, sagte Holder am Mittwoch vor einem Senatsausschuss. Die Einsatzkräfte hätten den Qaida-Chef festsetzen oder umbringen sollen. "Wenn er sich ergeben hätte oder zumindest einen Versuch dazu unternommen hätte, dann hätten wir das wohl ganz offensichtlich akzeptiert", sagte der Minister. "Aber es gab keinen Hinweis darauf, dass er das vorhatte, daher war die Tötung angemessen."

Auf die Frage eines Senators, ob der Bin Laden in den Augen eines der an der Erstürmung beteiligten Soldaten wie eine "selbst gebaute Bombe auf Beinen" habe erscheinen müssen, sagte Holder: "Exakt."

Der Justizminister äußerte zudem die Sorge, Terroristen könnten versuchen, Vergeltungsschläge zu verüben. "Am Ende werde wir durch seinen (Bin Ladens) Tod sicherer sein. Auf kurze Sicht haben wir aber einige ernste Sorgen, mit denen wir umzugehen wissen", sagte Holder.

ffr/dpa/Reuters/AP

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Forum - Der Tod Bin Ladens - ein nachhaltiger Schlag gegen den Terror?
insgesamt 7418 Beiträge
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1. Bin Laden
HansOch 02.05.2011
na, da müsste die Welt ja friedlicher werden H.
2. Profile
woener 02.05.2011
Zitat von sysopEr war der meistgesuchte Mann der Welt: Osama Bin Laden, der Anführer des Terrornetzwerks al-Qaida, ist tot. US-Spezialkräfte haben ihn bei einer Kommandoaktion in Pakistan getötet. Wir die weltweite Terrorgefahr nun geringer?
Es ist ein Name, was hinter diesem Namen alles verborgen ist, das wird verborgen bleiben. Der einzig authentische Zeuge ist tot. Selbst die SPD hat über Herrn Wiefelspütz schon vermelden lassen, dass die Gefahr noch nicht beseitigt ist und die "Terrorschutz - Notstandsgesetze" erhalten bleiben. Ob man in der CDU dann gleich zur umfassenden Einführung aller Notstandsgesetze greift? Die Bespitzelungsgesetze werden nun aber zur Bewährungsprobe für die FDP werden können, eine neue Chance zur Profilierung?
3.
Greg84 02.05.2011
Schlag gegen den Terror? Eher nicht. Ich glaube kaum, dass bin Laden noch an der Spitze der al-Qaida stand, vielleicht hatte er sich auch komplett aus dem "Geschäft" zurück gezogen. Das einzige was der Schlag gegen bin Laden gebracht hat ist die Schaffung eines weiteren Märtyrers. Für Obama hätte der Zeitpunkt allerdings kaum besser sein können. Politisch läuft es für verdienten Träger des Friedensnobellpreises nicht grade perfekt, da hilft so ne positive Nachricht schon unheimlich weiter.
4. Mission beendet
endbenutzer 02.05.2011
Hat George W. Bush eigentlich schon der Familie Bin Laden sein Beileid ausgesprochen? Unter alten (Geschäfts-) Freunden ist das doch so üblich. Oder lebt Bin Laden doch noch und man wollte eigentlich nur die nunmehr fast genau 10-jährige Mission „Krieg gegen Terror“ zum bürgerfreundlichen Abschluss bringen? Merkwürdig: Gerade jetzt, da Obama und die gesamten USA in punkto Staatsverschuldung praktisch mit dem Rücken zur Wand stehen, wird für den amerikanischen Otto Normalverbraucher wieder einmal ein toller Grund geliefert, die Fahne zu schwingen und mit der Hand auf dem Herzen die Nationalhymne zu singen. Super Drehbuch...
5. weder noch
G_Schwurbel 02.05.2011
Zitat von sysopWir die weltweite Terrorgefahr nun geringer?
Die Welt wird durch seinen Tod weder sicherer noch unsicherer. Al Quaida ist ein Netzwerk, es würde mich wundern, gäbe es für Bin Laden keinen Nachfolger (seinen Tod hat er schließlich einkalkuliert). Vielleicht hat er auch vorher als Rache für seine Tötung den Auftrag erteilt, direkt danach Attentate zu verüben? Alles denkbar...
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Osama Bin Laden über...
 
Den 11. September
"Wir berechneten im Voraus, wie viele Verluste der Feind erleiden würde. Wir nahmen als Grundlage die Position des Turms und errechneten, wie viele getötet werden würden. Wir schätzten, dass ungefähr drei bis vier Stockwerke getroffen werden würden. Ich war besonders optimistisch ..., weil ich auf diesem Gebiet bereits Erfahrung habe. Ich vermutete, das brennende Benzin würde die Eisenträger des Gebäudes schmelzen. Aber ich dachte nur, dass die Einschlagstelle und die Stockwerke darüber einstürzen würden. Mehr wagten wir nicht zu hoffen."

November 2001, zitiert nach: Abou-Taam/Bigalke: "Die Reden des Osama Bin Laden"
Den Irak-Krieg
"Ich jubele darüber, dass Amerika in den Schlammlöchern des Tigris und Euphrat steckengeblieben ist... Bush glaubt, der Irak und sein Öl seien leichte Beute, und nun steckt er durch die Gnade Gottes fest und kann weder vor noch zurück. Amerika schreit aus voller Kehle, während es vor den Augen der Welt auseinanderbricht."

Oktober 2003, zitiert nach: Coll: "Die Bin Ladens. Eine arabische Familie"
Amerika
Im September 2007 wandte sich Osama Bin Laden "an die Amerikaner": "So wie ihr euch zuvor aus der Sklaverei der Mönche, Könige und Feudalherren befreit habt, so solltet ihr euch jetzt von den Irreführungen ... des kapitalistischen Systems befreien."

Politische, geschichtliche und moralische Erörterungen vermischend, zeichnet Bin Laden das Bild einer Nation, die auf der Verliererstraße ist. Obwohl militärisch übermächtig, könnten die Amerikaner im Irak nicht gewinnen - weil sie zwar moralisch argumentierten, in Wahrheit aber nur den Interessen internationaler Konzerne folgten.

Das Ansehen der USA sei deswegen ruiniert. Um "den Krieg zwischen uns" zu stoppen, gebe es zwei Möglichkeiten: Entweder die Mudschahidin stellten die Kampfhandlungen ein, was aber nicht gehe, weil sie eine Pflicht erfüllten. Oder die USA sähen endlich ein, dass sie die Verlierer im Irak seien. Es sehe aber so aus, als würden sie die eigenen Fehler aus dem Vietnam-Krieg und die der Sowjets aus dem Afghanistan-Feldzug wiederholen und sich vor der besseren Einsicht drücken.

Es gebe allerdings einen Ausweg, sagte Bin Laden weiter: Die Amerikaner sollten "nach einem alternativen, aufrechten Weg suchen", in dem es nicht darum gehe, andere zum eigenen Nutzen zu unterdrücken. Natürlich hat dieser Weg auch einen Namen: Die Amerikaner sollen zum Islam konvertieren.
Die Europäer
"Unsere Aktionen sind nur eine Antwort auf eure Aktionen - eure Zerstörung und und euren Mord an unseren Leuten, ob in Afghanistan, im Irak oder Palästina... Nach welchem Glauben sind eure Toten wertvoll und unsere wertlos? Nach welcher Logik zählt euer Blut als echt und unseres als Wasser? Vergeltung ist Teil von Gerechtigkeit, und der, der feindliche Akte zuerst begeht, ist der, der unrecht handelt. Ich rufe alle Männer, insbesondere Gelehrte, die Medien und Geschäfstleute dazu auf, eine permanente Kommission einzuberufen, um in Europa das Bewusstsein für unsere gerechten Gründe zu stärken... Ich mache einen Friedensvorschlag, der im Kern die Verpflichtung darstellt, alle Operationen gegen jeden Staat einzustellen, der sich verpflichtet, keine Muslime oder islamischen Staaten anzugreifen. "

April 2004, zitiert nach: Lawrence: "Messages to the World. The Statements of Osama Bin Laden"
Den "Kampf der Kulturen"
"Ohne jeden Zweifel (glaube ich an den Kampf der Kulturen). Das heilige Buch erwähnt ihn klar. Die Juden und Amerikaner haben das Lügenmärchen vom Frieden auf Erden erfunden. Das ist nur ein Märchen für Kinder."

Nach dem 11. September 2001 auf al-Dschasira. Zitiert nach: Coll: "Die Bin Ladens. Eine arabische Familie"