Toter Forscher in Kairo Italien bestellt ägyptischen Botschafter ein

Er forschte zu ägyptischen Gewerkschaften, seine Leiche lag mit Folterspuren an einer Schnellstraße in Kairo: Wegen der mutmaßlichen Ermordung eines italienischen Doktoranden hat Rom den ägyptischen Botschafter einbestellt.


Der ägyptische Botschafter in Italien muss wegen der mutmaßlichen Ermordung eines italienischen Studenten in Kairo zum Rapport. Das italienische Außenministerium teilte mit, es habe den Vertreter Ägyptens einbestellt und ihn gebeten, über den verdächtigen Todesfall zu berichten.

Die Leiche des Italieners, eines Doktoranden der britischen Cambridge-Universität, war am Mittwoch in einem westlichen Vorort der ägyptischen Hauptstadt gefunden worden. Sie habe am Rand der Schnellstraße nach Alexandria gelegen, wie der ermittelnde ägyptische Staatsanwalt mitteilte. Die Leiche soll schlimm zugerichtet worden sein. Der 28-Jährige sei offenbar gefoltert, seine Haut mit Zigaretten verbrannt worden. Sein Leichnam sei nur zur Hälfte bekleidet gewesen und habe mehrere Stichwunden aufgewiesen.

Der Italiener war am fünften Jahrestag des Sturzes des früheren Machthabers Hosni Mubarak aus der Wohnung eines Freundes aufgebrochen und galt seitdem als vermisst. Seinem Lebenslauf zufolge hatte er über die Gewerkschaften in dem nordafrikanischen Land nach dem Mubarak-Sturz 2011 geforscht.

cht/Reuters/AP



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