Flüchtlinge auf dem Mittelmeer Dutzende Tote nach neuem Schiffsunglück befürchtet

Wieder ein Schiffsunglück im Mittelmeer: 40 Flüchtlinge sollen bei der Überfahrt nach Italien ertrunken sein. Die EU-Kommission sieht sich jedoch nicht in der Lage zu handeln.


Auf ihrem Weg nach Europa sind Berichten zufolge bei einem weiteren Schiffsunglück wahrscheinlich Dutzende Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken. Die Internationale Organisation für Migration IOM teilte mit, dass vier Flüchtlinge, die im italienischen Hafen in Trapani angekommen waren, von einem Unglück berichteten. Laut ihrer Schilderung hätten insgesamt 45 Flüchtlinge in einem Schlauchboot versucht, von Libyen nach Europa zu kommen. Schon bald nach dem Ablegen in Afrika sei das Boot aber in Seenot geraten. Laut IOM wurden die Flüchtlinge, die von der Katastrophe berichteten, von der italienischen Küstenwache aus dem Meer gerettet.

Erst am Sonntag waren im Mittelmeer vermutlich rund 400 Menschen ums Leben gekommen. Das Boot mit etwa 550 Flüchtlingen war auf dem Weg von Libyen nach Italien gekentert. Die italienische Küstenwache rettete 145 Menschen und barg neun Leichen.

Es war eine der schlimmsten Flüchtlingstragödien der vergangenen Jahre - aber die EU sieht sich weiterhin nicht zu einer schnellen Lösung in der Lage. "Derzeit hat die Kommission weder das Geld noch die politische Rückendeckung, um ein europäisches Grenzschutzsystem auf den Weg zu bringen, das Such- und Rettungsoperationen durchführen könnte", sagte eine Sprecherin am Donnerstag.

"Wir haben keine Wunderwaffe"

Die Brüsseler Behörde untersuche aber, ob eine Aufstockung der Ressourcen der EU-Grenzschutzagentur Frontex "machbar oder wünschenswert" sei, sagte sie. Die EU-Kommission will im Mai ein Strategiepapier zur Migrationspolitik vorlegen.

Die EU-Grenzschutzagentur Frontex sei keine Behörde zur Suche und Rettung, erklärte die Sprecherin. Die Frontex-Mission Triton hat 2014 auf Drängen mehrerer EU-Staaten das italienische Programm "Mare Nostrum" abgelöst. Triton hat weniger Ressourcen zur Verfügung. Zudem patrouillieren die Boote hier nicht wie zuvor bis in libysche Gewässer, sondern sind nur vor der Küste Italiens unterwegs.

"Wir wissen natürlich, dass die Lage ernst ist", sagte die Sprecherin der EU-Kommission. Unter Verweis auf die Konflikte in der Nachbarschaft Europas sagte sie, es sei zu erwarten, dass sie sich in den kommenden Wochen und Monaten noch verschlimmern werde.

"Die Europäische Kommission bekommt das nicht allein hin", erklärte die Sprecherin. "Wir haben keine Wunderwaffe oder irgendein Allheilmittel, das für ein Ende dieser Situation sorgt." Schuldzuweisungen würden nicht weiterhelfen. Italiens Kommunen und Regionen warnen, sie könnten keine Flüchtlinge mehr aufnehmen.

AP/dpa/anr



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