Trauer um Papst Franzosen streiten über Beflaggung

In Frankreich ist nach dem Tod von Papst Johannes Paul II. ein Streit über die staatliche Trauerbeflaggung entbrannt. Kritiker werfen Staatschef Jacques Chirac nach den Auseinandersetzungen um muslimische Kopftücher an Schulen vor, mit zweierlei Maß zu messen.


Paris - Aus Trauer um den Papst wurden in Frankreich die Flaggen an öffentlichen Gebäuden auf halbmast gesetzt. Innenminister Dominique de Villepin rechtfertigte die öffentliche Trauerbekundung mit der Tradition des Landes. Auch beim Tod vorheriger Päpste seien die Fahnen auf halbmast gesetzt worden.

"Wir leben in einer Zeit, in der wir sehr vorsichtig mit der genauen Trennung von Kirche und Staat sind, besonders nach dem Erlass eines Gesetzes, das religiöse Symbole aus Schulen verbannt", sagte jedoch der sozialistische Senator Jean-Luc Melenchon. Er spielte damit auf das Verbot muslimischer Kopftücher an Schulen an.

"Was denkt ein muslimischer französischer Staatsbürger, wenn seine Fahne auf halbmast weht, weil das Oberhaupt der Katholiken tot ist?", hieß es in einem Leserbrief an die linksgerichtete Zeitung "Liberation".

Frankreich hat mit fünf Millionen Muslimen die größte moslemische Gemeinschaft Europas. 60 Prozent der Franzosen sind jedoch Katholiken, von denen viele auch an den Trauergottesdiensten für den Papst teilnahmen.

Auch die Dauerberichterstattung zum Tod des Papstes durch das öffentlich-rechtliche Fernsehen geriet in die Kritik. "Ist France 2 noch ein öffentlich-rechtlicher Kanal?", schrieb ein Franzose an die "Liberation".



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.