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Gedenkfeier in Jerusalem: Israel nimmt Abschied von Ariel Scharon

Ariel Scharon: Trauer um den Bulldozer Fotos
DPA

Der Sarg des israelischen Ex-Regierungschefs Ariel Scharon ist in Jerusalem aufgebahrt worden. Tausende Menschen haben dem General und Politiker vor der Knesset die letzte Ehre erwiesen. Premierminister Netanjahu gedachte des Toten mit einer Schweigeminute.

Jerusalem - Tausende Israelis haben Ariel Scharon die letzte Ehre erwiesen. Sie zogen am Leichnam des ehemaligen Ministerpräsidenten vorbei, der am Sonntag vor dem Parlamentsgebäude in Jerusalem, der Knesset, aufgebahrt wurde. Zu Beginn des Defilees legte Staatspräsident Schimon Peres am Sarg einen Kranz nieder.

Israels Regierung hielt im Gedenken an Scharon eine Schweigeminute ab. Das israelische Volk werde Scharon "für immer als einen der wichtigsten Anführer und mutigsten Kommandeure im Herzen behalten", sagte Regierungschef Benjamin Netanjahu.

Das israelische Fernsehen sendete Direktübertragungen vom Parlament und den Vorbereitungen für die Beerdigung. Anders als vorherige Ministerpräsidenten wie Golda Meir oder Jizchak Rabin wird Scharon nicht auf dem Nationalfriedhof auf dem Herzl-Berg in Jerusalem beerdigt. Scharon hatte sich gewünscht, auf seiner Farm in der Negev-Wüste die letzte Ruhe zu finden - neben seiner zweiten, im Jahre 2000 gestorbenen Frau Lily.

Steinmeier und Biden nehmen an Trauerfeier teil

Die offizielle Trauerfeier wird am Montag in der Knesset abgehalten. Deutschland wird von Außenminister Frank-Walter Steinmeier vertreten, der Scharon als "unermüdlichen Verteidiger seines geliebten Heimatlandes Israel" würdigte. Für die US-Regierung wird Vizepräsident Joe Biden an dem Staatsakt teilnehmen.

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Ariel Scharon: Der Mann für alle Fronten

Scharon war am Samstag im Alter von 85 Jahren in einem Krankenhaus in Tel Aviv verstorben. Der frühere Armeegeneral und Politiker war am 4. Januar 2006 nach einem schweren Schlaganfall ins Koma gefallen und hatte seitdem nie wieder volles Bewusstsein erlangt. In den Jahren seines Siechtums hatten seine Söhne Omri und Gilad ihn ständig besucht. Zuletzt hatten Ärzte bei ihm multiples Organversagen diagnostiziert.

Scharon war von 2001 an fünf Jahre lang Regierungschef in Israel. Er wurde 1928 in der Nähe von Tel Aviv als Sohn jüdischer Einwanderer aus Osteuropa geboren. Bereits als Jugendlicher schloss er sich der Untergrundorganisation Haganah an, die gegen die britische Mandatsmacht und arabische Milizen kämpfte.

In den israelisch-arabischen Kriegen 1948, 1956, 1967 und 1973 erwarb er sich Meriten als entschlossener und draufgängerischer Kommandeur, der große Risiken einging und damit Erfolge einfuhr. Vereinzelte Kritiken, die ihm vorwarfen, das Leben seiner Männer leichtfertig aufs Spiel zu setzen und Kriegsverbrechen gegen arabische Zivilisten und Soldaten zu begehen, konnten seinem Ruf nichts anhaben.

Das änderte sich erst 1982: Während des Libanon-Krieges hatten mit Israel verbündete christliche Milizen ein Massaker an Hunderten Palästinensern in den Flüchtlingslagern Sabra und Schatila begangen. Eine israelische Kommission attestierte dem damaligen Verteidigungsminister Scharon indirekt eine Mitschuld. Der Ex-General musste 1983 sein Amt räumen.

syd/dpa/AFP

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Fläche: 22.072 km²

Bevölkerung: 8,358 Mio.

Regierungssitz: Jerusalem

Staatsoberhaupt:
Reuven Rivlin

Regierungschef: Benjamin Netanjahu

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