Trauerfeier für Nelson Mandela Mittagspause mit Obama

Dutzende Regierungschefs erweisen Nelson Mandela in Johannesburg die letzte Ehre. Bei so viel Prominenz konzentrieren sich die Südafrikaner aufs Wichtige: US-Präsident Obama. Doch von der Euphorie über den "Sohn afrikanischen Bodens" ist kaum noch etwas übrig.

Aus Johannesburg berichtet


So viel internationale Prominenz läuft an diesem Dienstag in Johannesburg für Nelson Mandelas Trauerfeier ein, dass selbst die Sicherheitskräfte den Überblick verloren haben. In einer gelben Weste mit schwarzem "VIP" auf dem Rücken eilen zwei Sicherheitsbeamte neben drei Anzugträgern durch den Johannesburger Flughafen. "Ich weiß schon gar nicht mehr, wer woher kommt, das sind so viele heute", sagt die junge Beamtin über die ihr gerade anvertrauten VIPs. "Ich glaube, die sind aus Belgien." Die VIPs widersprechen: "Wir sind die Gesandten aus Weißrussland."

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Heft 50/2013
1918-2013

Es muss schon US-Präsident Barack Obama sein an diesem besonderen Tag, damit die Südafrikaner überhaupt noch hinsehen. So viele Regierungschefs sind nach Johannesburg gekommen, dass man dort eher aufgelistet hat, wer fehlt - Wladimir Putin aus Russland etwa oder auch Bundeskanzlerin Angela Merkel. Deutschland hat Präsident Joachim Gauck geschickt, doch mit dem Namen können nur wenige in Johannesburg etwas anfangen.

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Trauerfeier für Mandela: Abschied von Madiba
"Ich will nur Barack Obama sehen", sagt der 28-jährige Kailas aus Johannesburg. Dafür sind er und seine Kollegen kurz in der Mittagspause zum Public Viewing im Nelson Mandela Memorial Center vorbeigekommen. Ein Auto nach dem nächsten fährt zur Mittagszeit vor und lädt die Zuschauer wenige Meter entfernt von dem Zelt mit der Leinwand aus.

"Obama hat viele Menschen enttäuscht"

Auch wenn Südafrika Trauer für Nelson Mandela ausgerufen hat, ist es kein offizieller Feiertag. Zwar haben viele Unternehmen ihren Angestellten freigegeben. Doch einige müssen normal arbeiten. Dies und der Regen, der nicht aufhören will und die Straßen teils in Matsch verwandelt, sorgen dafür, dass im Stadium, wo die Trauerfeier abgehalten wird, viele Reihen leer bleiben.

Obama verspätet sich, immer wieder wird dieselbe Frage durch die Reihen geraunt: "Wann kommt er denn endlich?" Als der US-Präsident im Stadion erscheint, bricht Jubel aus, der noch lauter wird, als der Amerikaner als "Sohn afrikanischen Bodens" ans Mikrofon gebeten wird.

Selbstbewusst wird der US-Präsident in Johannesburg empfangen. Keinen Zweifel lässt man daran, wen man als Meister und wen als Schüler sieht. Im Kondolenz-Buch des Nelson Mandela Memorials hat einer der Zuschauer geschrieben: "Danke, Madiba, du hast mich stolz gemacht, Südafrikaner zu sein."

"Mandela macht uns stolz"

"Obama versucht Madiba nachzueifern", sagt Kailas. Doch geschafft habe er es nicht. "Obama hat Amerika ein wenig Optimismus zurückgegeben, aber er hat auch viele Menschen enttäuscht."

Die Zuschauer im Nelson Mandela Memorial Center reagieren mit vereinzeltem, verhaltenem Beifall auf Obamas Rede. Während der US-Präsident auf dem Podium von Freiheit und Gerechtigkeit spricht, werden beim Public Viewing in Johannesburg Worte wie "Guantanamo" geraunt, eines der vielen großen Versprechen, die Obama nicht erfüllt hat. Noch immer sitzen Menschen in dem US-Gefangenenlager auf Kuba ein.

Barack Obama ist das Kunststück Mandelas nicht gelungen, ein weltweit gefeierter Held zu werden und zu bleiben. Von der Obama-Euphorie 2008 ist nicht mehr viel übrig geblieben. Im Zuge der NSA-Affäre hat er es sich selbst mit engen Verbündeten wie den Deutschen verscherzt.

Als der US-Präsident seine Rede beendet hat, stehen viele wortlos auf und gehen zurück zu den Bussen und Autos, Ende der Mittagspause. Auch Kailas hat Obamas Ansprache nicht sonderlich beeindruckt. "So jemand wie Mandela erlebt man eben nur einmal im Leben, und das, wenn man Glück hat." Aber es sei ein wichtiges Signal gewesen, dass der US-Präsident einem wichtigen Mann seinen Respekt erwiesen habe. Es klingt fast so, als wolle er den amerikanischen Regierungschef entschuldigen.

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