Trauerzug für Kim Jong Il: Zehntausende Nordkoreaner beweinen ihren "Geliebten Führer"

Der Sarg war mit weißen Blumen und einer roten Flagge geschmückt, 21 Salutschüsse wurden zu Ehren des Verstorbenen abgefeuert: In Nordkorea haben Zehntausende Abschied von Kim Jong Il genommen. Die bombastisch inszenierte Zeremonie gab Hinweise auf die künftigen Machtverhältnisse.

AFP/ KCNA

Pjöngjang - Sie stehen am Straßenrand, Frauen, Männer in Anzügen oder in Militäruniform, Tränen fließen über ihre Wangen: Nordkorea erlebt den Tag des pompösen Trauerzugs für den gestorbenen Machthaber Kim Jong Il mit besonderer Intensität - zahlreiche Menschen hätten das Bewusstsein verloren, meldete die amtliche Nachrichtenagentur KCNA.

Glaubt man einem Soldaten, den das Staatsfernsehen befragte, dann vergießen die Zehntausenden Trauernden in der Hauptstadt Pjöngjang nicht nur Tränen: "Die Menschen weinen Blut und Tränen". Selbst der Himmel weine, hieß es in dem Fernsehsender. Anlass für den blumigen Vergleich war der stundenlang anhaltende Schneefall am Tag des Zeremoniells.

Mittelpunkt der sorgfältig choreografierten Trauerfeier war Kims Sohn und designierter Nachfolger Kim Jong Un. Mit einer Hand am Leichenwagen, die andere zum Gruß erhoben, führte er den Trauerzug an. Zum Abschluss wurde der langjährige Staatschef, der das Land wirtschaftlich an den Abgrund und mit seinem umstrittenen Atomprogramm in internationale Isolierung geführt hat, mit 21 Salutschüssen geehrt.

Die beiden ältesten Söhne von Kim Jong Il traten nicht in Erscheinung

Seit dem Tod Kim Jong Ils am 17. Dezember wurde dessen jüngster Sohn vom Staatsfernsehen bereits als "Oberster Führer" der Partei, des Staates und der Streitkräfte bezeichnet. Beobachter halten es für wahrscheinlich, dass er die Herrschaft der Familie über das Land in dritter Generation fortführen wird.

Die beiden anderen Söhne des Verstorbenen, Kim Jong Nam und Kim Jong Chol, traten bei der Zeremonie am Mittwoch nicht öffentlich in Erscheinung.

Fotostrecke

12  Bilder
Pompöses Staatsbegräbnis: Tränen für Kim Jong Il
Hinter Kim Jong Un ging während der Prozession durch die Hauptstadt Chang Song Taek, Kim Jong Ils Schwager und stellvertretender Vorsitzender der mächtigen Nationalen Verteidigungskommission. Der Ehemann von Kim Jong Ils einziger Schwester Kim Kyung Hee war 2004 vorübergehend in Ungnade gefallen und musste im Zuge seiner "Umerziehung" in der Stahlindustrie arbeiten, bevor er rehabilitiert wurde. Er leitet zudem die Verwaltung der Arbeiterpartei und könnte der starke Mann hinter Kim Jong Un werden.

Auch Ri Yong Ho, Chef des Generalstabs der mächtigen Volksarmee, begleitete den Trauerkorso. Der Vize-Marschall genoss das Vertrauen Kim Jong Ils und begleitete ihn häufig auf dessen Reisen.

Bereits vor der Beisetzungsfeier hatten sich Hinweise auf eine neue Machtstruktur in Nordkorea verdichtet: Während Kim Jong Il das völlig verarmte Land als starker Mann regiert hatte, soll sein Sohn nicht als Autokrat, sondern gemeinsam mit seinem Onkel Chang und dem Militär herrschen, wie die Agentur Reuters von einer Person mit engen Verbindungen zu den Regierungen Nordkoreas und Chinas erfahren hatte.

Ausgangspunkt und Ziel des Trauerzugs war der Gedenkpalast Kumsusan, in dem die Leiche Kim Jong Ils in den vergangenen Tagen aufgebahrt war und in dem auch die sterblichen Überreste des nordkoreanischen Staatsgründers Kim Il Sung konserviert sind. Von der Prozession selbst zeigte das Staatsfernsehen Bilder zahlloser Menschen, die im Schnee standen, während der Leichenwagen mit einem in eine rote Flagge gewickelten Sarg auf dem Dach an ihnen vorbeifuhr.

Keine ausländischen Trauergäste

Die staatlich ausgerufene Trauerzeit soll an diesem Donnerstag mit einer landesweiten Gedenkfeier zu Ende gehen. Zur Mittagszeit sind die Nordkoreaner aufgerufen, eine Schweigeminute einzulegen. In Südkorea wird vermutet, dass der einbalsamierte Leichnam Kim Jong Ils im Mausoleum beigesetzt wird, wo auch sein toter Vater in einem Glassarg ausgestellt wird.

Die Feierlichkeiten glichen, wie zuvor in Südkorea erwartet worden war, in der Gestaltung der Beisetzung von Kim Jong Ils Vater und "ewigen Präsidenten" Kim Il Sung im Juli 1994. Auch dessen Sarg wurde damals in einer Prozession durch Pjöngjang gefahren.

Ausländische Trauergäste waren am Mittwoch nicht eingeladen, von Ausnahmen abgesehen. Ein Sprecher des Außenministeriums in Peking teilte nach Berichten der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap mit, dass der chinesische Botschafter in Pjöngjang an den Feierlichkeiten teilnehmen werde. China pflegt nach wie vor gute Kontakte zu dem weitgehend isolierten Nachbarstaat.

Nordkoreanische Regierungsgegner schickten unterdessen während einer Versammlung im südkoreanischen Paju an großen Ballons befestigte Flugblätter nach Nordkorea. Darin riefen sie zum Kampf gegen die "kommunistische Dynastie der Kims" auf. Als Anreiz für die Lektüre der Flugblätter versahen sie diese mit Ein-Dollar-Scheinen.

Kim Jong Il war nach Angaben nordkoreanischer Medien im Alter von 69 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben. Die Macht hatte er 1994 nach dem Tod seines Vaters übernommen und das Land seitdem mit eiserner Faust regiert.

hen/Reuters/dpa/AFP/dapd

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 40 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
kdshp 28.12.2011
Zitat von sysopDer Sarg war mit weißen Blumen und einer roten Flagge geschmückt, 21 Salutschüssen wurden zu Ehren des Verstorbenen abgefeuert: In Nordkorea haben Zehntausende Abschied von Kim Jong Il genommen. Die sorgfältig choreografierte Zeremonie gab Hinweise auf die künftigen Machtverhältnisse. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,806053,00.html
Hallo, für mich ein freudentag denn wieder ist ein tyrann gestorben der tausende menschen auf dem gewissen hat.
2.
DMenakker 28.12.2011
Einer weniger. Leider hat er Nachwuchs hinterlassen.
3. 34234234
kein Ideologe 28.12.2011
Zitat von DMenakkerEiner weniger. Leider hat er Nachwuchs hinterlassen.
Das hilft leider gar nicht. Die Irrenanstalten sind voll mit potentiellen Nachfolgern, die Nachzucht hat ja auch funktioniert. Das Problem sind nicht die Idioten an der Spitze, das Problem sind die vielen, die gerne für einfache Antworten in die selbstverschuldete Unmündigkeit zurück wollen. Die gibt es nicht nur in NK, die haben wir hier auch reichlich. Es bedarf nur einer Schwäche der Demokratie und eines Kristallisationspunkts.
4. aha.
Hans_Mustafa_Schimanski 28.12.2011
So so, alles Kommunisten aber als Autos ausschließlich auf Mercedes-Bonze zurückgreifen - das Bonzen-Auto schlechthin.
5.
der_franzmann 28.12.2011
Für ein Regime der eigentlich nur mit China und Russland wirtschaftliche Kontakt hat, bin ich etwas überrascht in die Bilder vom staatliche Fernsehen zu sehen wie viel Autos mit einen Stern aus Stuttgart in der Parade waren... Ich wäre schon sehr interessiert zu wissen wie so viel Deutsch Produkt in so einer Land kommen??? Der Franzmann. PS: Sorry für eventuellen Fehler, ich verspreche in 2012 verbessere ich mein Deutsch!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Nordkorea
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 40 Kommentare

Fotostrecke
Nordkoreas Kim Jong Il: Der Tod des "Geliebten Führers"