Treffen mit Nordkoreas Machthaber Trump muss die Gipfel-Pleite fürchten

Das groß angekündigte Treffen mit Nordkoreas Diktator Kim Jong Un in Singapur könnte platzen. Hektisch suchen Donald Trump und seine Berater nach einem Ausweg. Verzockt sich der US-Präsident?

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Von , Washington


Schon Kleinigkeiten sind ein Problem. Die Hotels zum Beispiel. Wo genau in Singapur sollen sich Donald Trump und Nordkoreas Diktator Kim Jong Un eigentlich treffen? Vielleicht im berühmten "Marina Bay Sands Resort", das dem Milliardär und Trump-Unterstützer Sheldon Adelson gehört? Im feinen Shangri-La? Oder doch lieber auf dem Militärstützpunkt Pulau Tekong?

Der Gipfel zwischen Trump und Kim soll in kaum drei Wochen beginnen und steht mehr denn je auf der Kippe. Bislang haben sich die Unterhändler der USA und Nordkoreas wohl nicht einmal auf profane Details verständigen können. Eine große Linie, eine Idee, wie der neue "Atom"-Deal, der in Singapur besiegelt werden soll, aussehen könnte, ist erst recht nicht zu erkennen.

Hektisch versuchen Trump und seine Berater, zu retten, was zu retten ist. Mehrere Stunden konferierte Trump im Weißen Haus mit dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In; er ist ein wichtiger Vermittler zwischen dem Norden und den USA. Trump versuchte dabei, Optimismus zu verbreiten.

"Ich habe so viele Deals gemacht. Man ist nie ganz sicher, was herauskommt", stellte Trump fest. Zwar bestehe die Chance, dass der Gipfel platzen könnte. Vielleicht müsse das Treffen verschoben werden. Doch er sei weiterhin entschlossen, einen Erfolg zu erzielen. "Kim wird happy sein. Nordkorea wird reich werden."

Trump hat erkennbar ein Problem. Mit bombastischer Rhetorik hat er seit Wochen die öffentlichen Erwartungen an das Treffen in Singapur immer mehr in die Höhe geschraubt. Seine treuesten Anhänger brachten ihn sogar schon für den Friedensnobelpreis ins Gespräch. Der Präsident nahm das wohlwollend zur Kenntnis.

Doch nun dämmert wohl auch Trump, dass die Sache weitaus komplizierter werden könnte, als er bislang angenommen hat. Ein großer Triumph ist in Singapur nach wie vor nicht ausgeschlossen. Zugleich wächst für den selbsternannten Dealmaker Trump jedoch das Risiko einer Blamage.

Was sich Trump und Kim von dem Treffen erhoffen

Umso näher der Gipfeltermin rückt, desto deutlicher wird, dass Trump und der Nordkoreaner Kim vollkommen unterschiedliche Vorstellungen davon haben, was dabei herauskommen soll. Trump und seine Berater wie John Bolton setzen auf eine "vollständige, unumkehrbare und überprüfbare" Denuklearisierung des Nordens. Erst dann wollen sie dem Land großzügige Wirtschaftshilfen zukommen lassen, die Sanktionen lockern und Kims Regime Sicherheitsgarantien geben. Sie nennen das die sogenannte All-in-One-Lösung.

Für Kim Jong Un ist dieser Ablauf indes nicht akzeptabel. Nachdem er selbst und seine Unterhändler gegenüber den Amerikanern zunächst sehr offen schienen, zeigen sie nun alte Härte. Nordkorea macht deutlich, dass es das Atomwaffenprogramm - wenn überhaupt - nur in längeren Phasen abbauen wolle. Mit anderen Worten: Kim will eine Lockerung der Sanktionen erreichen und gleichzeitig einen Teil seiner Atomwaffen über mehrere Jahre als Rückversicherung in der Hinterhand behalten.

Münze für den Trump-Kim-Gipfel
AFP

Münze für den Trump-Kim-Gipfel

Damit sind die Verhandlungen in etwa an jenem Punkt angekommen, den schon andere US-Präsidenten vorher erreicht hatten. Für Trump macht das die Sache nicht leichter. Bislang hat er sich stets über die angeblich so lausige Außenpolitik seiner Vorgänger mokiert. Gerade erst hat er mit großer Geste das Atomabkommen seines Vorgängers Barack Obama mit Iran aufgekündigt, weil es angeblich so schlecht war. Nun könnte er am Ende selbst zu einem schwierigen, ja, wenn nicht sogar "faulen" Kompromiss mit Nordkorea gezwungen werden.

Die Erwartungen aus China und Südkorea

Sowohl die Chinesen als auch die Südkoreaner drängen Trump, einem Phasenmodell zuzustimmen. Sie wollen das Nordkorea-Problem bald aus der Welt schaffen. Doch der US-Präsident bliebe so weit hinter den selbstgesteckten Erwartungen zurück. Natürlich würde Trump sich trotzdem zum großen Sieger erklären, doch außer seinen treuesten Anhängern würde das wohl kaum jemand glauben.

Gerade die Chinesen sitzen am längeren Hebel. Peking ist traditionell die Schutzmacht des kleineren Nachbarn Nordkorea. Die Chinesen wollen diese Rolle erkennbar nicht aufgeben. Sollte Trump sich einem Kompromiss mit Kim verweigern, könnte Peking die Sanktionen gegen Nordkorea, die sie nun zusammen mit den USA verhängt haben, wieder lockern. Das würde das Regime in Pjöngjang stabilisieren, der Druck, zu einer schnellen Lösung im Atomstreit zu kommen, wäre passé.

Dass Peking möglicherweise ein doppeltes Spiel spielt und Kim in seinem Kurs gegenüber Washington unterstützt, ahnt wohl auch Trump. Nach dem zweiten Besuch von Kim Jong Un bei Chinas Staatschef Xi Jinping vor wenigen Wochen habe sich die Einstellung des Nordkoreaners gegenüber den USA verändert, stellt Trump fest. "Das finde ich nicht gut."

Kim und Xi in China
REUTERS/KCNA

Kim und Xi in China

Klar ist: Einen Plan B für den Fall, dass der Gipfel platzt, haben die Amerikaner nicht. Eine Verschiebung des Gipfels wäre ein Weg für Trump, Zeit zu gewinnen. Doch natürlich wäre auch das peinlich. Trump würde dann in Sachen Nordkorea die gleiche Hinhalte-Politik betreiben, die er bei seinen Vorgängern stets lautstark kritisiert hatte. "Kick the can down the road", nennen die Amerikaner ein solches Aufschieben unangenehmer Themen.

Noch ist es aber nicht so weit. Noch hofft Trump wohl, dass er Singapur am 12. Juni als großer Sieger verlässt. Das Weiße Haus hat bereits eine offizielle Münze für die "Friedensgespräche" prägen lassen. Sie zeigt die Profile von Donald Trump und Kim Jong Un, "dem Obersten Führer".

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frenchie3 23.05.2018
1. Einfach mal von einer Prämisse ausgehen:
China gefällt es so wie es läuft und schon macht das Verhalten von Kim Sinn. Daß sich kein Asiate mit Macht auch noch dermaßen dämlich anmachen läßt wie es Großmaul Donnie so gerne praktiziert rundet die Sache ab. Inzwischen darf ein ganzes Volk darunter leiden als Spielball bei Machtsspielen mitzuwirken
thobie2 23.05.2018
2.
So ist das mit Großmäulern. Erst viel Wind machen und dann ist nichts dahinter. Trumps Problem ist, dass er nicht langfristig denken kann. Natürlich kann man einen Vertrag wie das Atomabkommen mit dem Iran aufkündigen. Allerdings stehen die USA in der Welt als vertragsbrüchig am Pranger. Das kann man als Großmacht hinnehmen. Nur dann zu versuchen, wenige Wochen später mit Nordkorea einen Vertrag zu verhandeln, der das Land dazu bringen soll, seine Lebensversicherung aus der Hand zu geben nur gegen Zusagen einer unzuverlässigen Supermacht, erscheint schon reichlich naiv. Dazu kommt, dass Trump China mit seien Tweets verärgert hat. Und ich bin ziemlich sicher, dass China ein Scheitern des Gipfels mit einem gewissen Wohlwollen sieht. Meine Vermutung ist, dass Trump hier - völlig selbst verschuldet - eine krachende Bruchlandung hinlegt. So ist das eben mit Populisten.
joG 23.05.2018
3. Ich finde es merkwürdig....
...dass Kim glaubt, dass seine Atomwaffe, so sie einsetzbar existieren sollte, ihn schützt. Umgekehrt wird ein Schuh daraus. Warum? Weil man das Risiko eines Zweitschlags ausschalten muss, wenn man dazu kommt ihn zwingen zu müssen, der Sicherheitsratsvorgabe zu folgen. Es ist sogar unklar, dass man nicht, eben weil er vielleicht eine Atomwaffe abfeuern könnte, viel massiver und mit stärkeren Waffen angehen muss, als dies sonst notwendig wäre.
skylarkin 23.05.2018
4.
Nur wenn man Trumps vollmundige Prahlereien als Maßstab nimmt ist eine Verschiebung oder ein Phasendeal eine Niederlage. Ansonsten wäre ein Treffen (auch ein verschobenes) und ein längerfristiges Abkommen nicht nur gegenüber dem von vielen Medien apokalyptisch prophezeiten Atomkrieg in Korea ein riesiger Fortschritt, sondern auch gegenüber der Koreapolitik seiner Vorgänger.
burlei 23.05.2018
5. Wozu braucht die Welt ...
... Trump als "Dealmaker"? Verträge, in diesem Fall also Vereinbarungen zwischen Staaten zum beiderseitigen Vorteil können auch Süd- und Nordkorea gemeinsam unterzeichnen. China, Japan, die ASEAN-Staaten als Garanten, fertig. Rückbau der Grenzbefestigungen zwischen den koreanischen Staaten, den freien Grenzverkehr langsam aufbauen und T. steht allein da. Der Abbau einer Gefährsung des Friedens ist kein "Geschäft", kein "Deal", es ist eine Notwendigkeit, bei denen beide Seiten gewinnen und verlieren. Aber das wird ein Immobilienhai nie verstehen.
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