Entführter Geschäftsmann Bundesregierung wirft Vietnam "Vertrauensbruch" vor

"Das Vertrauen zwischen unseren Regierungen ist gestört": Der Prozess gegen einen Geschäftsmann, der in Berlin entführt wurde, belastet das Verhältnis zwischen Deutschland und Vietnam.

REUTERS

Die Bundesregierung übt scharfe Kritik an der vietnamesischen Regierung. Hintergrund ist der Beginn des Prozesses gegen Trinh Xuan Thanh, einen Geschäftsmann, der im Sommer in Berlin entführt wurde. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts sagte, die Bundesregierung habe "von Anfang an die Entführung klar und deutlich als völlig inakzeptablen Bruch des Völkerrechts und als Vertrauensbruch verurteilt". Regierungssprecher Steffen Seibert fügte hinzu, es sei "klar gesagt" worden, "dass dadurch das Vertrauen zwischen unseren beiden Regierungen gestört ist".

Das Auswärtige Amt dringe darauf, dass der Prozess "unseren hohen rechtsstaatlichen Ansprüchen genügt", sagte der Ministeriumssprecher. In vertraulichen Gesprächen sei "deutlich gemacht" worden, "dass wir von der vietnamesischen Seite Signale erwarten, die uns dabei helfen, über diesen Vertrauensbruch hinwegzukommen". Die Regierung in Hanoi wisse, was sie zu tun habe, "um zu einer Normalisierung der Beziehungen zurückzukehren".

In Hanoi hatte am Morgen der Korruptionsprozess gegen Thanh und 20 weitere ranghohe Funktionäre begonnen. Dem ehemaligen KP-Funktionär und früheren Chef eines staatlichen Erdölförderanlagen-Unternehmens werden Missmanagement und Unterschlagung vorgeworfen. Bei einer Verurteilung drohen ihm eine langjährige Haftstrafe oder sogar die Todesstrafe.

Thanh, der in Deutschland Asyl beantragt hatte, wurde Ende Juli vom vietnamesischen Geheimdienst in Berlin verschleppt und nach Vietnam gebracht. Der Fall löste eine Krise im diplomatischen Verhältnis beider Länder aus: Das Auswärtige Amt sprach von "Menschenraub" und "Entführung". Die vietnamesische Regierung bestreitet die Vorwürfe, sie betont, Thanh sei freiwillig zurückgekehrt, um sich dem Verfahren zu stellen.

Anmerkung: In einer früheren Version dieser Meldung hieß es im Zitat von Steffen Seibert, dass das Vertrauen zwischen der deutschen und der vietnamesischen Regierung "zerstört" sei. So hatte eine Nachrichtenagentur den Regierungssprecher zitiert. Tatsächlich sagte Seibert allerdings, dass das Verhältnis "gestört" sei.

cte/AFP

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