Korruptionsprozess in Vietnam In Berlin entführtem Geschäftsmann droht Todesstrafe

Im Sommer wurde er in Berlin entführt, nun wird Trinh Xuan Thanh in Hanoi der Prozess gemacht. Ihm droht die Todesstrafe. Ausländischen Journalisten wurde der Zutritt zum Gericht verweigert.

Trinh Xuan Thanh (2.v.r.)
AP

Trinh Xuan Thanh (2.v.r.)


In Vietnams Hauptstadt Hanoi hat der Korruptionsprozess gegen einen aus Deutschland entführten Geschäftsmann begonnen. Dem ehemaligen kommunistischen Funktionär Trinh Xuan Thanh wird vorgeworfen, sich als Chef eines staatlichen Baukonzerns persönlich bereichert zu haben. Bei einer Verurteilung droht dem 52-Jährigen die Todesstrafe. Seiner deutschen Anwältin verweigerten die Behörden in der vergangenen Woche die Einreise.

Der Fall hatte Schlagzeilen gemacht, weil Thanh im vergangenen Sommer unter rätselhaften Umständen aus Berlin verschwand, wo er sich um Asyl bemüht hatte. Die Bundesregierung ist überzeugt, dass er vom vietnamesischen Geheimdienst entführt wurde. Die Regierung in Hanoi behauptet, dass er freiwillig zurückgekehrt sei. Vietnam ist eines der wenigen kommunistischen Ein-Parteien-Länder, die es noch gibt.

Thanh wurde in Handschellen zu dem Gerichtsgebäude gebracht. Die Straßen rundum waren von mehreren Dutzend Sicherheitskräften weiträumig abgesperrt. Die vietnamesischen Behörden verweigerten ausländischen Medien den Zutritt zum Gericht. Mit Thanh zusammen müssen sich 21 weitere ehemalige Manager wegen Misswirtschaft und Korruption verantworten. Das Urteil wird in etwa zwei Wochen erwartet.

Seit 2011 mehr als 430 Hinrichtungen

Vietnam gehört zu den wenigen Ländern auf der Welt, in denen auch auf Korruption die Todesstrafe steht. Seit Juni 2011 wurden dort mehr als 430 Menschen hingerichtet. In dem jetzt laufenden Prozess droht neben Thanh noch sieben weiteren Ex-Managern die Todesstrafe. Erst im vergangenen Herbst war ein ehemaliger Vorstandschef des staatlichen Energiekonzerns PetroVietnam zum Tode durch die Giftspritze verurteilt worden.

Konkret wird Thanh zur Last gelegt, als Chef des Baukonzerns PetroVietnam Construction (PVC) - einer Tochter von PetroVietnam - umgerechnet mehr als 50 Millionen Euro zweckentfremdet zu haben. Mindestens vier Milliarden vietnamesische Dong (etwa 150.000 Euro) soll er in die eigene Tasche gesteckt haben. Zudem soll er bei einem Bauprojekt in Hanoi eine halbe Million Euro Schmiergeld kassiert haben.

Vor Beginn des Verfahrens hatte er über seine Familie alle Korruptionsvorwürfe zurückweisen lassen. Zudem versuchte die Familie, mit einer Geldzahlung einen Strafnachlass zu erwirken. Sie zahlte umgerechnet etwa 75.000 Euro an den vietnamesischen Staat.

cte/dpa

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