Prozess in Vietnam Lebenslange Haftstrafe für in Berlin entführten Geschäftsmann

Wegen angeblicher Korruption und Wirtschaftsvergehen hat ein Gericht in Vietnam Trinh Xuan Thanh mit einer harten Strafe belegt: Der 52-Jährige war im Sommer offenbar aus Berlin verschleppt worden.

Trinh Xuan Thanh
AFP

Trinh Xuan Thanh


Nach zwei Wochen Prozess hat ein Gericht in Vietnam den mutmaßlich aus Deutschland entführten Geschäftsmann Trinh Xuan Thanh zu lebenslanger Haft verurteilt. Aus Sicht der Richter habe sich der 52-Jährige sowohl der Korruption als auch Wirtschaftsverbrechen schuldig gemacht. Der Fall belastet die Beziehungen zwischen Deutschland und Vietnam massiv.

Auf die mögliche Forderung nach der Todesstrafe hatte die Staatsanwaltschaft verzichtet. Thanh war im vergangenen Sommer unter rätselhaften Umständen aus Berlin verschwunden, wo er sich um Asyl bemüht hatte. Die Bundesregierung ist überzeugt, dass er vom vietnamesischen Geheimdienst im Juli 2017 aus Berlin entführt wurde. Vietnam gibt an, dass er freiwillig zurückgekehrt sei.

In dieser Woche soll in Vietnams Hauptstadt Hanoi ein weiterer Korruptionsprozess gegen Thanh beginnen. Dabei droht dem ehemaligen Chef eines staatlichen Baukonzerns und kommunistischen Funktionär abermals die Todesstrafe.

Konkret ging es in dem Prozess um den Bau eines Kraftwerks im Norden Vietnams im Jahr 2011. Thanh wurde zur Last gelegt, als Chef des Baukonzerns PetroVietnam Construction (PVC) - einer Tochter des Energiekonzerns PetroVietnam - umgerechnet mehrere Millionen Euro zweckentfremdet zu haben. Mindestens vier Milliarden vietnamesische Dong (etwa 150.000 Euro) soll er in die eigene Tasche gesteckt haben.

Zudem soll Thanh bei einem Bauprojekt in Hanoi eine halbe Million Euro Schmiergeld kassiert haben. Dies ist aber erst Gegenstand des nächsten Prozesses. Thanh selbst hatte um ein mildes Urteil gebeten, damit er bald wieder nach Deutschland zurückkehren kann. Seine deutsche Anwältin Petra Schlagenhauf sieht ihn als Opfer politischer Machenschaften. Zu dem Prozess durfte sie allerdings nicht einreisen.

Diplomatisches Verhältnis ist belastet

Wegen der mutmaßlichen Entführung hatte die Bundesregierung vergangenes Jahr bereits zwei vietnamesische Diplomaten ausgewiesen. Zudem legte sie den sogenannten strategischen Dialog mit dem südostasiatischen Land auf Eis. Vietnam ist einer der wenigen kommunistischen Ein-Parteien-Staaten, die es heute noch gibt.

Zusammen mit Thanh wurden noch weitere ehemalige hochrangige Manager verurteilt. Der ehemalige Vorstandschef des staatlichen Energiekonzerns Petro Vietnam (PVN), Dinh La Thang, muss für 13 Jahre ins Gefängnis. In Vietnam ist Korruption weitverbreitet. Es gehört zu den wenigen Ländern auf der Welt, in denen darauf die Todesstrafe steht.

Ausländische Medien wurden zu dem Prozess nicht zugelassen.

mho/dpa

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