Tripolis Gaddafis Schergen verschleppen Missbrauchsopfer

Ein krasser Fall zeigt die Brutalität des Gaddafi-Regimes: Eine Libyerin stürmt in ein Hotel und berichtet ausländischen Journalisten, wie Kämpfer des Diktators sie vergewaltigten. Die Staatsmacht reagiert prompt: Sicherheitskräfte schleppen die Frau fort - vor laufenden Kameras.

DPA

Tripolis/Riad - Verzweifelt schreit die Frau, als die Sicherheitkräfte sie abholen kommen, deutlich ist es auf einem YouTube-Video zu sehen. Die Libyerin war zuvor in ein Fünf-Sterne-Hotel in der Hauptstadt Tripolis gestürmt und berichtete den dort untergebrachten Journalisten, wie sie von Gaddafi-treuen Kämpfern missbraucht worden sei. Sie sagte, sie sei an einer Straßensperre verschleppt, anschließend von 15 Männern vergewaltigt und gefoltert worden.

Laut "Washington Post" sagte die Frau: "Schaut, was sie mir angetan haben." Demnach zeigte sie den Journalisten Kratzer und Blutspuren an ihren Oberschenkeln. An ihren Händen und Knöcheln habe man sehen können, dass sie gefesselt worden war, schreibt das US-Blatt. Sie sagte den Reportern, sie heiße Iman al-Obeidi. Laut der Zeitung schilderte die Frau, wie die Männer sie erniedrigten: "Sie urinierten auf mich, sie schändeten meine Ehre."

Die "Washington Post" beschreibt die Szene so: Während sie sprach, kamen Hotelangestellte und Sicherheitskräfte hinzu und versuchten, die Frau fortzuziehen. Einige Journalisten, die versuchten, die Frau zu beschützen, seien geschlagen worden. Ein Reporter der "Financial Times" sei niedergeschlagen und getreten worden. Zwei Kellnerinnen griffen demnach nach Messern und schrien, die Frau sei eine Verräterin. Beamte warfen eine Kamera des Fernsehsenders CNN auf den Boden und bedrohten den Kameramann mit einer Pistole, als er sie wieder aufheben wollte.

Kurz darauf wurde die Frau vor den Augen der Journalisten von einem Vertreter der Staatsmacht in Zivil überwältigt und fortgebracht. Er hielt ihr die Hand auf den Mund, um sie am Sprechen zu hindern.

Nun ist al-Obeidi zu einer Symbolfigur für die Gaddafi-Gegner geworden. Auf den Websites der Aufständischen häufen sich die Kommentare zu dem Fall. Viele Oppositionelle bewundern den Mut der jungen Frau. "Wir alle sind Iman al-Obeidi", schreibt einer von ihnen.

Ein libyscher Regierungssprecher behauptete, die Frau sei psychisch krank.

Video auf YouTube

Wie Iman al-Obeidi von libyschen Sicherheitskräften in Zivil abgeführt wird. SPIEGEL ONLINE konnte Inhalt und Herkunft nicht überprüfen.

otr/dpa

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insgesamt 262 Beiträge
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Seite 1
makki, 27.03.2011
1. Seltsam
Zitat von sysopEin krasser Fall zeigt die Brutalität des Gaddafi-Regimes: Eine Libyerin stürmt in ein Hotel und berichtet ausländischen Journalisten, wie Kämpfer des Diktators sie vergewaltigten. Die Staatsmacht reagiert prompt: Geheimdienstler schleppen die Frau fort - vor laufenden Kameras. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,753408,00.html
Man muss sich das vorstellen : Eine Frau wird schwer misshandelt, missbraucht und dann laufen gelassen. Das erste, das ihr danach einfällt ist, medienwirksam zurück in die Arme ihrer Peiniger zu laufen. Hm.
el3ktro 27.03.2011
2. .
Warum hat Spiegel so eine harmlose Version des Videos verlinkt? Da gibt es auf YouTube wesentlich längere Videos die u.a. zeigen, wie Reporter geschlagen und der Frau ein Sack über den Kopf gestülpt wird.
sukowsky, 27.03.2011
3. Traurig dieses Geschehen und ist zu verdammen
Traurig dieses Geschehen und ist zu verdammen! Die Täter gehören abgeurteilt. Veranlaßt durch die westlichen Bombenangriffe?
hollo43 27.03.2011
4. Wenn es so stimmt, ist es schrecklich.
Wenn es so stimmt, ist es schrecklich! Aber wir haben Krieg. Es kann also auch inszeniert sein (Babys aus Brutkästen) oder die arme Frau ist wirklich psychisch krank. Ich frage mich, wie die Frau unter Stress so zielgerichtet das Hotel mit den Pressevertretern gefunden hat.
el3ktro 27.03.2011
5. .
Zitat von makkiMan muss sich das vorstellen : Eine Frau wird schwer misshandelt, missbraucht und dann laufen gelassen. Das erste, das ihr danach einfällt ist, medienwirksam zurück in die Arme ihrer Peiniger zu laufen. Hm.
Sie ist doch nicht in die Arme ihrer Peiniger gelaufen, sondern in das Hotel in Tripolis, in dem praktisch alle ausländischen Journalisten untergebracht sind und hat denen berichtet, was vorgefallen ist. Erst nach einiger Zeit kamen dann irgendwelche Leute vom Regime und haben sie abgeführt.
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