Tripolis Libysche Behörden melden Fund von Massengrab

Es sollen mehr als 1200 Leichen sein: Die Behörden des neuen Libyen haben nach eigenen Angaben ein Massengrab entdeckt. Es befindet sich offenbar in der Hauptstadt Tripolis. Haben hier die Schergen von Ex-Machthaber Gaddafi die Opfer einer Gefängnisrevolte verscharrt?

Libysche Rebellen: Massengrab in Tripolis entdeckt
REUTERS

Libysche Rebellen: Massengrab in Tripolis entdeckt


Tripolis - Viel ist über den grausigen Fund noch nicht bekannt: Zunächst hatte die Nachrichtenagentur Reuters gemeldet, in Tripolis sei ein Massengrab mit den Überresten von mehr als 1200 Leichen entdeckt worden. Sie bezog sich auf einen Bericht des Senders al-Dschasira, weitere Details wurden zunächst nicht bekannt.

Dann meldete sich der libysche Übergangsrat zu Wort: Demnach liegen in dem Grab die Überreste von mehr als 1270 Menschen, die vor 15 Jahren von Sicherheitskräften des Gaddafi-Regimes umgebracht worden sind. Es handele sich um die Opfer des Massakers im Gefängnis Abu Salim in der Hauptstadt.

Der Leiter des Ausschusses der neuen Regierung zur Suche nach Opfern der Gaddafi-Herrschaft, Ibrahim Abu Sahima, wird von Reuters mit den Worten zitiert, es werde Jahre dauern, die DNA der Leichen mit denen von Familienangehörigen zu vergleichen und so die Opfer eindeutig zu identifizieren.

Ein Sprecher des Übergangsrates sagte, das Massengrab sei bereits vor zwei Wochen entdeckt worden, nachdem Aussagen von Mitgliedern des Gaddafi-Regimes, die man gefangen genommen habe, und von Zeugen ausgewertet worden waren.

"Kampf um ein bisschen Menschlichkeit"

Der Name Abu Salim steht bei vielen Libyern als Synonym für eines der vielen Folter-Gefängnisse des Landes. Hier beendete das Gaddafi-Regime am 26. Juni 1996 eine Revolte der Häftlinge mit einem Blutbad. Es war kein politischer Protest. Die Häftlinge, meist willkürlich vom Regime inhaftiert, wollten vielmehr die Ausgabe von Decken, eine minimale medizinische Versorgung und das Recht, sich vor dem Gebet waschen zu dürfen, durchsetzen.

"Es war ein Kampf um ein bisschen Menschlichkeit", sagt ein ehemaliger Insasse. Das Regime zeigte keine Gnade. Drei Tage lang schossen Wachen und Soldaten, bis alle Insassen tot waren. Menschenrechtsorganisationen gehen davon aus, dass bei dem Massaker etwa 2000 Gefangene getötet wurden.

Es war ein Ort des Grauens: Amnesty Internation berichtete bereits in den neunziger Jahren, dass Gefangene in Abu Salim mit Elektroschocks gequält und dass sie von aggressiven Hunden gebissen wurden. Und dass sie wochenlang auf engstem Raum in schmerzhaften Körperstellungen verharren mussten.

Nach dem Massaker hatte Gaddafi das Gefängnis dann nach und nach zu einem Vorzeigegefängnis ausbauen lassen, das mit Vorliebe Besuchern aus dem Westen gezeigt wurde. In den großen Zellen gab es etwa eigene Küchen und Ventilatoren.

otr/Reuters/dpa/dapd/AP

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insgesamt 295 Beiträge
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Seite 1
kimba2010 25.09.2011
1. ...
Glücklicherweise für die westlichen Kriegsteilnehmer werden die Opfer der "Turnschuhrebellen" wohl nie gefunden werden, weil niemand danach sucht - so ein Zufall aber auch!
b.oreilly 25.09.2011
2. Schande!
ist schon traurig, wenn man die letzten 7 bis 8 Monate hier im Sponforum Rückschau hält uns sieht wie viele User dem Schwerverbrecher und Massenmörder Ghadafi die Stange gehalten haben und mit vehement ein sofortiges Ende der Natoangriffe gefordert hatten. Gehen sie mal in sich und schämen sie sich für ihr Gekraxel der letzten Monate!
Baikal 25.09.2011
3. Wird die Nato und der IStG..
Zitat von sysopEs sollen mehr als 1200 Leichen sein: Die Behörden des neuen Libyen haben nach eigenen Angaben ein Massengrab entdeckt. Es befindet sich offenbar in der Hauptstadt Tripolis. Haben die Schergen von Ex-Machthaber Gaddafi hier die Opfer einer Gefängnisrevolte verscharrt? http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,788274,00.html
.. denn nun auch untersuchen, welche der Rebellen und Aufständischen nicht damals selbst in Gadaffis Diensten tätig beteiligt waren? Etwa der Herr Justizminister, der Herr Innenminister - alle nun auf der anderen, der sicheren Seite?
Mimimat 25.09.2011
4. Dr. c + p
Zitat von b.oreillyist schon traurig, wenn man die letzten 7 bis 8 Monate hier im Sponforum Rückschau hält uns sieht wie viele User dem Schwerverbrecher und Massenmörder Ghadafi die Stange gehalten haben und mit vehement ein sofortiges Ende der Natoangriffe gefordert hatten. Gehen sie mal in sich und schämen sie sich für ihr Gekraxel der letzten Monate!
Sie haben es also auch nicht verstanden, oder? Ich behaupte mal, dass es hier so gut wie niemanden gab, der "Ghadafi die Stange gehalten" hat. Es gibt nur eben sehr viele - und da zähle ich mich mit dazu - die der Meinung sind, dass die Aufständischen nicht besser sind als Gadaffi, dass es sich in diesem Krieg um eine Art Stammeszwist handelt, aus dem sich die westliche Welt rauszuhalten hat. Und es gibt viele, die der einseitigen Berichterstattung nicht glauben. Ich sage nur: Viagra zur Vergewaltignung. Als ob Soldaten von vielleicht Mitte 20, die seit Wochen keine Frau mehr hatten, so was bräuchten. Und das ist nur EINE unglaubwürdige Story gewesen.
pit1 25.09.2011
5. Nach dem Massaker hat Gadhafi
Zitat von kimba2010Glücklicherweise für die westlichen Kriegsteilnehmer werden die Opfer der "Turnschuhrebellen" wohl nie gefunden werden, weil niemand danach sucht - so ein Zufall aber auch!
das Gefaengnis nach und nach zu einem Vorzeigegefaengnis ausbauen lassen. Koennte es sein das der Diktator aus seinen Fehlern gelent hat? Wie z.B. China? Und hat das fuer uns westliche Heilsbringer irgend eine Bedeutung?
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