Reaktion auf Abbas' Wutrede Kerry nennt Frieden im Nahen Osten "erreichbar"

Palästinenserpräsident Abbas will sich nicht mehr an den Nahost-Friedensprozess von Oslo halten. Seine Rede sorgt für Aufregung, doch US-Außenminister Kerry gibt sich optimistisch. Frieden zwischen Israel und Palästina sei "kein unmöglicher Traum".

US-Außenminister Kerry in New York: "Das ist erreichbar"
AFP

US-Außenminister Kerry in New York: "Das ist erreichbar"


US-Außenminister John Kerry sieht trotz der jüngsten Äußerungen von Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas, trotz "Rückschlägen und Spannungen" eine Chance auf Frieden zwischen Palästina und Israel. Dies sei "kein unmöglicher Traum", sagte Kerry in New York.

Die USA fühlen sich laut Kerry verpflichtet, Verhandlungen zu unterstützen, die zu einer Zwei-Staaten-Lösung führen. Jetzt, nachdem die Verhandlungen zum Atom-Deal mit Iran abgeschlossen seien, werde die Regierung von Präsident Barack Obama ihre Anstrengungen wieder verstärken, um die Konfliktparteien an einen Tisch zu bringen.

"Das ist erreichbar", sagte Kerry. "Allerdings nur mit aktiven, aufrichtigen Bemühungen, aufeinander zuzugehen und die jeweiligen Bedenken zu besprechen." Man müsse einander zuhören, die Bedürfnisse ernst nehmen und fleißig daran arbeiten, einen Weg vorwärts zu finden.

Kerrys Worte sind eine Reaktion auf die Rede von Abbas in der Uno-Vollversammlung, in der er den Osloer Nahost-Friedensprozess von 1993 aufkündigte. Solange Israel die Einigung ständig verletze, wollten die Palästinenser nicht die Einzigen sein, die sich an das Abkommen hielten, sagte Abbas. "Unsere Geduld ist am Ende."

Israel nannte die Rede "lügnerisch", Abbas' Äußerungen seien hetzerisch und ermutigten zu Unruhen im Nahen Osten. Die Osloer Verträge von 1993 galten als Meilenstein im Nahost-Friedensprozess. Israel und die Palästinensische Befreiungsorganisation PLO erkannten sich damit erstmals offiziell an.

Flaggen-Premiere für Palästina

Unmittelbar nach Abbas' Rede wurde zum ersten Mal die Flagge der Palästinenser bei der Uno gehisst. Allerdings wehte sie nicht direkt in einer Reihe vor dem Hauptgebäude mit den 193 Flaggen der Uno-Mitglieder. Stattdessen stehen die beiden Flaggen der Beobachterstaaten - der andere ist der Vatikan - ganz am Ende mit einem kleinen Abstand zu den Fahnen der Mitgliedsländer.

"Dies ist ein historischer Moment im Kampf des palästinensischen Volkes für Freiheit und Unabhängigkeit", sagte Abbas. "Ich sage den Menschen meines Volkes überall wo sie leben: Hisst die Flagge Palästinas ganz hoch, denn es ist ein Symbol der palästinensischen Identität." Er erklärte den 30. September zum Tag der palästinensischen Flagge.

aar/dpa/AP



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insgesamt 4 Beiträge
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Selene Sterntaler 01.10.2015
1. Schöne Worte
"Das ist erreichbar", sagte Kerry. "Allerdings nur mit aktiven, aufrichtigen Bemühungen, aufeinander zuzugehen und die jeweiligen Bedenken zu besprechen." Man müsse einander zuhören, die Bedürfnisse ernst nehmen und fleißig daran arbeiten, einen Weg vorwärts zu finden. Diese Worte finde ich schön. Lässt sich solcher Plan in die Tat umsetzen?
jamguy 01.10.2015
2.
Zitat von Selene Sterntaler"Das ist erreichbar", sagte Kerry. "Allerdings nur mit aktiven, aufrichtigen Bemühungen, aufeinander zuzugehen und die jeweiligen Bedenken zu besprechen." Man müsse einander zuhören, die Bedürfnisse ernst nehmen und fleißig daran arbeiten, einen Weg vorwärts zu finden. Diese Worte finde ich schön. Lässt sich solcher Plan in die Tat umsetzen?
das Ziel beider Gruppen ist die Diktatur,also Wer das sagen hat in der Region und da wird es solange keinen Frieden geben bis eine Seite nachgibt?
kobra21 01.10.2015
3. Wie immer
Abgesehen davon, dass ich es unpassend finde, dass die Flagge eines Landes gehißt wird, der kein offizieller Staat ist, ist es wie immer: Für Fehler sind immer die anderen schuld. EWürde sich Abbas einmal deutlich und ohne oirgendwelche Floskeln gegen die Terroristen der Hamas stellen und verurteilen, dass diese sich zwischen der Zivilbevölkerung verstecken, um Raketen nach Israel abzufeuern, wäre schon viel erreicht. So wird nur neuer Zwist befeuert.
ben_hurtig 01.10.2015
4. Artikel XV Oslo II
"Both sides shall take all measures necessary in order to prevent acts of terrorism, crime and hostilities directed against each other, against individuals falling under the other's authority and against their property, and shall take legal measures against offenders." Das Abkommen ist von 1995. Dazwischen liegen unzählige Selbstmordattentate und zig tausend Raketen, die auf israelische Städte abgefeuert wurden. Aber jetzt ist es für Abbas an der Zeit, sich nicht mehr an die Abkommen gebunden zu fühlen... *kopfschüttel*
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