Damaskus - Die Waffenruhe in Syrien erweist sich als brüchig. Seit Donnerstagmorgen um 6 Uhr sollen im Land die Waffen schweigen, dennoch melden Oppositionelle fünf Tote. Die Menschen seien in Aleppo, Idlib sowie dem Umland von Damaskus und Hama von Sicherheitskräften getötet worden, berichtet der Nachrichtensender al-Dschasira. Unter anderem sollen Soldaten einen Mann an einem Kontrollposten erschossen haben. Wegen der instabilen Sicherheitslage ließen sich diese Berichte zunächst nicht von unabhängiger Seite bestätigen.
Die syrische Opposition sieht den vom ehemaligen Uno-Generalsekretär Kofi Annan vermittelten Kompromiss daher "nur teilweise umgesetzt", wie ein Sprecher des Syrischen Nationalrats der Nachrichtenagentur Reuters mitteilte. Die Regierungstruppen hätten sich bislang nicht wie vereinbart aus den Städten zurückgezogen.
"Es hat seit heute Morgen keine Attacken mit schweren Geschützen mehr gegeben", bestätigte der Kommandeur der Freien Syrischen Armee, Oberst Riad al-Asaad, der Nachrichtenagentur dpa in einem Telefoninterview am Mittag. Die Regierungstruppen hätten ihre Artillerieangriffe auf Wohnviertel eingestellt. Gleichzeitig aber betonte der Oberst, der seit dem vergangenen Sommer von der türkischen Provinz Hatay aus operiert, dass die Razzien gegen mutmaßliche Regimegegner weitergingen.
Das Regime meldete einen Anschlag in der Stadt Aleppo. Dabei sind nach einem Bericht des staatlichen Fernsehens ein Offizier getötet und 24 weitere Soldaten verletzt worden. Der Sprengsatz sei am Straßenrand deponiert gewesen. Hinter der Tat steckten "Terroristen", hieß es weiter. Für den Anschlag gab es keine unabhängige Bestätigung.
Opposition ruft für Freitag zu Demonstrationen auf
Das Innenministerium in Damaskus rief bewaffnete Oppositionelle, "die kein Blut an ihren Händen haben", auf, sich den Behörden zu stellen. Sie würden daraufhin auf freien Fuß gesetzt, versprach das Regime im staatlichen Fernsehen.
Die syrische Protestbewegung will die Regierung am Freitag auf die Probe stellen. Die Opposition rief für die Zeit nach den Freitagsgebeten zu Großdemonstrationen im gesamten Land auf. "Wir werden sehen, ob die Regierung ihr Versprechen hält," sagte der Chef des Syrischen Nationalrats, Burhan Ghaliun. "Wir rufen aber zugleich zu Vorsicht auf, denn das Regime wird die Waffenruhe nicht einhalten und wird schießen"
Der Waffenstillstand ist nur der erste Teil des Sechs-Punkte-Plans, mit dem der Syrien-Sondergesandte von Uno und Arabischer Liga, Kofi Annan, den Konflikt beilegen will - mit wenig Aussicht auf Erfolg. Mit der Annahme des Vermittlungsvorschlags verpflichtete sich das Regime von Baschar al-Assad unter anderem auch zur Aufnahme eines Dialogs mit der Opposition, der Zulassung friedlicher Demonstrationen, der Freilassung politischer Häftlinge sowie einer Überwachung der Waffenruhe durch Beobachter der Vereinten Nationen.
syd/Reuters/dpa
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