Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Trotz Drohungen aus Israel: Libysches Schiff hält unbeirrt Kurs auf Gaza

Angespannte Lage im Mittelmeer: Israel bereitet sich darauf vor, ein libysches Schiff mit Hilfslieferungen für den Gaza-Streifen im Notfall abzufangen. Die Crew des Frachters weigert sich, Forderungen nach einem Kurswechsel nachzukommen.

Frachter "Amalthea": Kein Kurswechsel des Gaza-Frachters Zur Großansicht
AFP

Frachter "Amalthea": Kein Kurswechsel des Gaza-Frachters

Jerusalem - Israels Außenminister Avigdor Lieberman stellte bereits klar: "Kein Schiff wird den Gaza-Streifen erreichen." Am Dienstag haben israelische Soldaten nach Militärangaben damit begonnen, den Frachter "Amalthea" mit Hilfslieferungen aus Libyen zu stoppen. Die Soldaten seien zwar nicht an Bord gegangen, sagte eine Armeesprecherin. Sie hätten jedoch per Funk Kontakt zu dem Schiff aufgenommen.

Doch das unter moldauischer Flagge fahrende Schiff hält offenbar weiter Kurs. Israel habe die Besatzung des mittlerweile auf den Namen "Hope" umgetauften Frachters aufgefordert, den Hafen al-Arisch in Ägypten anzulaufen, sagte der Vorsitzende des Anti-Blockade-Komitees, Dschamal al-Chodari, am Dienstag in Gaza.

Die Stiftung, die das Schiff gechartet hat, machte am Abend deutlich, dass der Frachter seine Richtung nicht ändern werde. In israelischen Berichten hatte es geheißen, der Kapitän der "Amalthea" habe seine Fahrt zum Gaza-Streifen abgebrochen und werde stattdessen den Hafen al-Arisch anlaufen. Ägyptische Behörden hatten bestätigt, dass eine Anfrage für das Anlegen des Frachters in al-Arisch eingegangen und genehmigt worden sei. Allerdings machten die Behörden keine Auskunft darüber, von wem die Anfrage kam.

Wie ein Vertreter der Crew der Nachrichtenagentur AFP per Satellitentelefon sagte, hat Israel dem Frachter ein Ultimatum bis Mitternacht am Dienstag gestellt, um den Kurs zu ändern. Ein israelischer Militärsprecher dementierte dies. Die israelische Armee bereitete sich nach eigenen Angaben darauf vor, die "Amalthea" im Notfall abzufangen.

Bei einer Militäraktion gegen türkische Schiffe auf dem Weg nach Gaza waren am 3. Mai neun türkische Aktivisten getötet worden. Eine Untersuchungskommission des israelischen Militärs erklärte am Montag, bei dem Einsatz selbst sei alles richtig gemacht worden. Es seien aber falsche Entscheidungen vor allem in höheren Ebenen getroffen worden. Das habe zu den Todesfällen geführt.

Die "Amalthea" hatte am Samstag den griechischen Hafen Lavrio verlassen. Organisator der Reise ist eine Stiftung unter dem Vorsitz von Saif al-Islam Gaddafi. Er ist einer der Söhne des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi. An Bord sollen sich den Organisatoren zufolge zwölf Besatzungsmitglieder und bis zu zehn Aktivisten sowie rund 2000 Tonnen Lebensmittel und Medikamente befinden. Das Schiff wird am Mittwochmorgen vor den Küstengewässern des Gaza-Streifens erwartet.

Israel hat vor dem Gaza-Streifen eine Seeblockade verhängt und begründet dies unter anderem damit, dass der Schmuggel von Waffen für militante Palästinenser unterbunden werden soll. Nach den Worten des israelischen Außenamtssprechers Jigal Palmor besteht keine Notwendigkeit, Hilfsgüter per Schiff nach Gaza zu transportieren. "Nahezu alle Restriktionen für Waren, die in den Gaza-Streifen gehen, sind aufgehoben worden", sagte Palmor.

als/can/dpa/Reuters/AFP

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Lockerung der Blockade: Hilfsgüter dürfen nach Gaza


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: