Trotz Protest in Tibet Chinesen wollen Olympia-Fackel auf Mount Everest tragen

"Wir werden unseren Plan nicht ändern": Trotz des Widerstands der Tibeter wollen chinesische Bergsteiger das Olympische Feuer auf den Mount Everest bringen. Heute wird die Fackel im griechischen Olympia entzündet - weltweit sind Proteste angekündigt.


Peking - Der Tibet-Konflikt wird für die Olympischen Spiele in China immer mehr zur Belastung. Chinesische Bergsteiger haben angekündigt, die olympische Fackel auf den Gipfel des Mount Everests zu bringen - trotz der Unruhen in der Region. "Wir sind bereit für die Herausforderung. Die Unruhen in Lhasa werden unseren Plan nicht ändern", zitiert die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua den 29 Jahre alten Bergsteiger Pemba Dondrup.

Der chinesische Athlet tibetischer Herkunft sei gerade erst von einem Training für den Aufstieg zurückgekehrt. Die Aktion ist für Mai geplant. Auch nach Angaben der Olympia-Organisatoren in Peking werden die Vorgänge in Tibet den olympischen Fackellauf nicht beeinträchtigen. Der Mount Everest ist mit 8848 Metern der höchste Berg der Welt.

Die Fackel wird an diesem Montag im griechischen Olympia entzündet. Danach geht das Olympische Feuer auf eine 13.700 Kilometer lange Reise rund um den Globus. Exil-Tibeter planen auf dem Weg zahlreiche Proteste. Sie fordern, dass die Fackel nicht wie geplant durch Tibet getragen wird. Die Exil-Tibeter werten die Route als Bestätigung der chinesischen Fremdherrschaft.

Rogges "stille Diplomatie"

Eine Gruppe tibetischer Dissidenten hat bereits für diesen Montag Proteste während der Zeremonie in Olympia angekündigt. Griechenland hat ein Aufgebot von rund 1000 Polizisten bereitgestellt, um tibetische Demonstranten von der Feier fernzuhalten, zu der auch IOC-Präsident Jacques Rogge erwartet wird. Am Sonntag probten als antike Priesterinnen verkleidete Schauspielerinnen die Zeremonie vor den Ruinen des Hera-Tempels in Olympia, der Geburtsstätte der Spiele.

Am Rande der Feier in Olympia sagte IOC-Präsident Rogge am Montag, das Internationale Olympische Komitee diskutiere mit der chinesischen Regierung in "stiller Diplomatie". Dabei gehe es um die Lage in Tibet sowie um Menschenrechtsfragen. Das IOC sei aber eine Sportorganisation und könne nicht mehr machen als zu appellieren, den Konflikt friedlich zu lösen. Rogge steht wegen seiner zurückhaltenden Äußerungen zum Tibet-Konflikt massiv in der Kritik.

In den vergangenen Tagen war es in Tibet zu schweren Unruhen gekommen. Die aktuelle Lage ist relativ unklar, da sich ausländische Beobachter in der Region nicht mehr aufhalten dürfen. Umso stärker wird der Konflikt mittlerweile propagandistisch ausgetragen. So erhebt die chinesische Regierung schwere Vorwürfe gegen die US-Politikerin Nancy Pelosi.

Die demokratische Präsidentin des amerikanischen Repräsentantenhauses hatte das geistliche Oberhaupt der Tibeter, den Dalai Lama, in Indien besucht. Dabei hatte sie China wegen der Niederschlagung der Proteste in Tibet scharf kritisiert. Damit habe sie "gegenüber gnadenlosen Randalierern ein Auge zugedrückt", schreibt die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua. Pelosi verteidige "Brandstifter, Plünderer und Mörder".

Proteste schwappen nach Nepal über

Bei Protesten in Lhasa war es vor zehn Tagen zu gewalttätigen Ausschreitungen gekommen. China gibt die Zahl der Todesopfer mit 19 an, davon seien 18 Zivilisten. Die Exilregierung der Tibeter in Dharamsala nennt die Zahl von 99 Toten. Unabhängige Bestätigungen für diese Zahlen gibt es nicht.

Mittlerweile weiten sich die Proteste auch auf das Nachbarland Nepal aus. Die nepalesische Polizei löste eine Veranstaltung von rund 200 Tibetern gewaltsam auf. Die Beamten gingen mit Bambusstöcken gegen die Demonstranten vor, die am Montag in der Nähe des Uno-Gebäudes in der Hauptstadt Katmandu aufmarschiert waren. 40 Personen wurden festgenommen, ihre Flaggen und Spruchbänder wurden beschlagnahmt.

Bei den Protestierenden handelte es sich überwiegend um tibetische Flüchtlinge und Mönche. Sie wollten die Vereinten Nationen dazu aufrufen, eine internationale Untersuchung der jüngsten Unruhen in Tibet einzuleiten. Nepal hat Proteste gegen "befreundete Staaten" verboten, dazu gehört auch China.

wal/dpa/AP/AFP



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