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Trotz Warnung aus Washington: Türken marschieren in Nordirak ein

Auf Drängen der USA hat die Regierung in Ankara den türkischen Luftraum für Kampfeinsätze der Amerikaner gegen den Irak freigegeben. Im Gegenzug marschierten die Türken kurz vor Mitternacht in den Nordirak ein. Washington hatte dies vehement abgelehnt.

Ankara - Rund 1000 türkische Soldaten seien in der Nacht zum Samstag von den türkischen Provinzen Silopi und Hakkari in den Nordirak einmarschiert, berichtete das türkische Fernsehen. Außenminister Abdullah Gül hatte zuvor angekündigt, türkische Einheiten würden auch in das Kurdengebiet im Norden Iraks einrücken, um "terroristischen Aktivitäten" vorzubeugen. Die Türkei habe keine territorialen Interessen in Irak.

Die türkische Regierung hatte sich zunächst geweigert, den Luftraum für die Amerikaner zu öffnen, obwohl das Parlament bereits am Donnerstagabend grünes Licht gegeben hatte. Erst in einem Telefonat mit US-Außenminister Colin Powell habe Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan zugestimmt, berichtete Ankaras Verteidigungsminister Vecdi Gönül.

Grund für die Verzögerung waren Meinungsverschiedenheiten zwischen Washington und Ankara über die türkische Pläne, mit eigenen Truppen in den Nordirak einzurücken. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hatte das Zögern der Türkei zuvor bei einer Pressekonferenz in Washington als "bemerkenswert wenig hilfreich" getadelt.

Ankara will mit seiner Militärpräsenz im Nordirak die Entstehung eines Kurdenstaates unterbinden und zugleich verhindern, dass Kämpfer der kurdischen Arbeiterpartei PKK die Kriegswirren zu Vorstößen in die Türkei ausnutzen. Außerdem möchte die Türkei mit Hilfe einer Pufferzone vermeiden, dass wie im Golfkrieg 1991 viele Flüchtlinge die Türkei kommen. "Im Nord-Irak ist ein Vakuum entstanden, und dieses Vakuum ist praktisch zu einem Lager für terroristische Aktivitäten geworden", sagte Gül. "Wir wollen jetzt kein solches Vakuum." Die Regierung in Ankara fürchtet um die eigene territoriale Integrität, sollte im Rahmen einer Regelung für die Zeit nach dem irakischen Präsidenten Saddam Hussein ein eigenständiger Kurdenstaat auf die Tagesordnung gesetzt werden.

Die US-Regierung lehnt einen Einmarsch der Türken im Nordirak bislang ab. "Wir reden mit den Türken über ihren Wunsch, Präsenz im Nordirak zu zeigen. Wir sehen dafür zum jetzigen Zeitpunkt aber keine Notwendigkeit", sagte Powell noch am Freitag. Er plädierte dafür, die Fragen der Überflugrechte und der Truppenstationierung nicht zu verknüpfen.

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