Republikaner Trump akzeptiert Putins Komplimente - "im Namen unseres Landes"

Ein Lob des russischen Präsidenten? Für einen Republikaner kaum tragbar, oder? Nicht so für Donald Trump: Er nimmt die Liebesgrüße aus Moskau dankend entgegen. Die Kritiker aus der eigenen Partei seien ja doch nur neidisch.

US-Politiker Trump: "Höllisch neidisch"
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US-Politiker Trump: "Höllisch neidisch"


Die Zuneigungsbekundungen quer über den großen Teich gehen weiter. Der republikanische US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump freut sich über Lob vom russischen Präsidenten Wladimir Putin - und kommt nach eigenen Angaben "gut mit ihm klar". Wer sich darüber aufrege, dass Putin Gutes über ihn sage, der sei nur "höllisch neidisch", sagt der Multimilliardär über sein Verhältnis zum Kremlführer.

US-Medien spotten mittlerweile über eine "Bromance" der beiden - ein Zusammenschnitt aus den Worten Brother (Bruder) und Romance (Romanze).

Putin hatte den klaren Spitzenreiter im Rennen um die republikanische Spitzenkandidatur in seinem Jahresend-Interview als brillant und zweifellos talentiert gepriesen. Trump sagte dazu am Sonntag im Gespräch mit dem Sender ABC, wenn der russische Präsident ihn brillant finde, "dann akzeptiere ich das im Namen unseres Landes". Denn wenn er und Putin ein gutes Verhältnis hätten, dann sei das gut für die USA.

Trump hatte mit seinen Äußerungen in der eigenen republikanischen Partei scharfe Kritik ausgelöst. Besonders die Aussage, wonach der Antiterror-Kampf und die "Wiederherstellung des Weltfriedens" von einer Zusammenarbeit beider Länder nur profitieren könnten, geht vielen Konservativen zu weit. Konkurrent Jeb Bush verortete Trump sogleich in der liberalen Ecke. Carly Fiorina, ebenfalls für die Republikaner im Rennen, erklärte, nach einem möglichen Wahlsieg würde sie mit Putin kein Wort wechseln.

Zuvor hatte Trump auf einer Wahlkampfveranstaltung gesagt, Putin denke gut über ihn und er denke gut über Putin. Seine Kritiker seien nur missgünstig, weil der russische Präsident ihre Namen nicht erwähne.

Attacke auf Hillary Clinton

Trump nahm Putin auch gegen Vorwürfe in Schutz, nach denen der Kremlführer für den Tod von Journalisten und anderen Gegnern im eigenen Land verantwortlich sei. "Er führt sein Land, ist wenigstens ein Führer, anders, als wir das hier in unserem Land haben", sagte Trump dem Sender MSNBC. Im Übrigen "tötet unser Land auch eine menge" Menschen, fügte er hinzu.

Am Sonntag auf seine Äußerungen angesprochen, sagte Trump, es gebe keine Beweise dafür, dass Putin Journalisten töte. Auf die Frage, für wessen Ermordung denn die US-Regierung verantwortlich sei, verwies er auf die "schrecklichen, schrecklichen Entscheidungen", die die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton in ihrer Zeit als Außenministerin getroffen habe, und auf den Irakkrieg. Tausende, wenn nicht Hunderttausende Menschen hätten ihr Leben verloren.

Dieser Republikaner will US-Präsident werden

Donald Trump
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Donald Trump

jok/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 50 Beiträge
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arrache-coeur 20.12.2015
1.
'Auf die Frage, für wessen Ermordung denn die US-Regierung verantwortlich sei, verwies er auf die "schrecklichen, schrecklichen Entscheidungen", die die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton in ihrer Zeit als Außenministerin getroffen habe, und auf den Irakkrieg. Tausende, wenn nicht Hunderttausende Menschen hätten ihr Leben verloren.' - Tja, _den_ Schuh muss sich Clinton tatsächlich anziehen.
säkularist 20.12.2015
2.
Das ist das gute an Trump. Er lässt sich nicht in irgendeine Schublade stecken und versucht seiner Partei zu gefallen sondern sagt und tut das was er denkt. Er ist, ganz im Gegensatz zu den anderen Republikanern auch kein eiffernder Evangelikaler. Ich denke mit einem Trump kann man besser auskommen als mit einer Clinton von der niemand weiss was sie wirklich denkt und vor hat.
NauMax 20.12.2015
3.
Na, die beiden würden sich auch perfekt ergänzen, bis irgendwann einmal irgendwo ihre Interessen kollidieren. Anders als Erdogan kann Trump sich auch erlauben, hart zu bleiben. Dann würde Putin mal sehen, wie es ist, international "den Kürzeren zu ziehen". Kennt er vor lauter Appeasement ihm gegenüber gar nicht. Wahrscheinlich würde er dann aus gekränktem Stolz heraus eine Dummheit begehen... Wäre anders herum nicht anders.
w.ill 20.12.2015
4.
Trump wäre außenpolitisch brandgefährlich - Europa kann sich warm anziehen wenn es plötzlich selbst seine äußeren Interessen durchsetzen muss anstatt dass das die USA für sie erledigen während die Europäer mit erhobenem Zeigefinger Moralapostel spielen können. Müsste Europa den Frieden selbst im eigenen Kontinent verteidigen sieht man dass jeder Dispot freie Hand hat wenn er nur rücksichtslos/aggressiv genug ist, und Russlands Nachbarn können schon mal beginnen sich wieder - ob sie wollen oder nicht - als Anhängsel Russlands aufzutreten (siehe Russland/Ukraine). Europa kann ja nicht mal die eigenen Grenzen schützen, ist dafür auf die "mächtigere" Türkei angewiesen. Gute Nacht Europa wenn Trump Präsident wird - die USA könnten es schwer angeschlagen vielleicht überstehen, Europa sicher nicht (es ist allein aufgrund amerikanischen Babysittings friedlich und in der Welt - begrenzt - ernstnehmbar)
larsmach 20.12.2015
5.
Russlands Dauer-Präsident hat sein Land trotz jahrelanger Einnahmen aus Rohstoffausbeutung und -verkauf weg von industrieller Wettbewerbsfähigkeit und selbstversorgender Landwirtschaft in eine ungewisse Zukunft mit drohender Staatspleite geführt. Wenn dies nach Meinung eines Sohns aus reicher Unternehmerfamilie wie Donald Trump als Vorbild dient, dann bitte sehr!
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