SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

05. März 2017, 11:49 Uhr

Bericht

Trump erwägt Cyberattacken gegen Nordkorea fortzusetzen

Barack Obama soll als US-Präsident versucht haben, mit Cyberangriffen gegen das nordkoreanische Atomprogramm vorzugehen. Ob es etwas gebracht hat, ist umstritten. Trotzdem lässt sich auch Donald Trump diese Option offen.

Was ist die größte internationale Bedrohung für die Vereinigten Staaten? Diese Frage wurde Donald Trump bei seiner ersten Pressekonferenz als Präsident der Vereinigten Staaten gestellt. Und er antwortete prompt: Nordkorea. Noch ist nicht klar, wie er auf die Bedrohung reagiert - viele Optionen hat er zumindest nicht. Eine großangelegte Recherche der "New York Times" legt aber nahe, dass er auch den Cyberkrieg seines Vorgängers gegen das Atomprogramm von Diktator Kim Jong Un weiterführen könnte.

Der Zeitung zufolge hatte der ehemalige US-Präsident Barack Obama in seiner Amtszeit eine Reihe von Cyberangriffen auf das nordkoreanische Raketenprogramm angeordnet - nachdem seine Regierung festgestellt hatte, dass die Raketenabwehrsysteme nicht ausreichten, die USA zu schützen. Daraufhin habe Obama entschieden, die nordkoreanischen Raketen bereits vor Teststarts ins Visier zu nehmen und die Elektronik manipulieren zu lassen.

Einzelheiten dazu nennt die "New York Times" nicht, um der Regierung von Diktator Kim keine vertraulichen Informationen zugänglich zu machen. Der Recherche zufolge waren die Cyberangriffe aus den USA teilweise erfolgreich: Einige Raketenstarts seien misslungen, nachdem die USA die Strategie umgesetzt hatte. Experten weisen allerdings darauf hin, dass die Fehlversuche auch auf Fehler in der Konstruktion oder andere Faktoren zurückzuführen sein könnten.

Trump zog rote Linie

In den vergangenen acht Monaten hat das Kim-Regime drei Mittelstreckenraketen erfolgreich getestet, eine davon kurz nach dem Amtsantritt von Präsident Trump im Januar. Kim verkündete, sein Land sei kurz davor, eine Langstreckenrakete herstellen zu können - Experten bezweifeln das noch. Gleichzeitig steht außer Frage, dass das Regime technische Fortschritte in seinem Programm verzeichnen kann.

Die "New York Times"-Recherche umfasste unter anderem eine Reihe von Interviews mit Experten und Regierungsvertretern. Das ernüchternde Fazit der Reporter: Die USA haben immer noch keine konkreten Möglichkeiten, um dem Atomprogramm Nordkoreas effektiv zu begegnen.

Obama sei in den letzten Jahren seiner Präsidentschaft immer besorgter über die Vorgänge in Nordkorea geworden, schreibt die "New York Times" weiter. Trump zog mit einem Tweet, in dem er ohne weiteren Kontext ankündige, es werde nicht zu einer Langstreckenrakete Nordkoreas kommen, schon vor Monaten eine rote Linie. Seine Berater sollen sich alle Optionen offen lassen, um der Drohung Taten folgen zu lassen.

vks/dpa

URL:

Verwandte Artikel:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH