US-Regierung Weiterer Trump-Mitarbeiter tritt wegen Missbrauchsvorwürfen zurück

Redenschreiber David Sorensen verlässt das Weiße Haus, weil ihm seine Ex-Frau Gewalt vorwirft. Es ist der zweite Fall dieser Art innerhalb von einer Woche. Stabschef John Kelly soll seinen Rücktritt angeboten haben.

Weißes Haus in Washington
REUTERS

Weißes Haus in Washington


Zum zweiten Mal innerhalb von nur einer Woche ist ein Mitarbeiter der US-Regierung wegen Vorwürfen häuslicher Gewalt abgetreten. Der Redenschreiber David Sorensen werde die Regierungszentrale verlassen, hieß es in einer Stellungnahme des Weißen Hauses, aus der "Politico" und die "Washington Post" zitierten. Sorensen war Teil eines Umweltgremiums und arbeitete Stephen Miller zu, einem Berater von US-Präsident Donald Trump.

Erst am Mittwoch hatte Rob Porter, ein enger Mitarbeiter Trumps, seinen Posten verlassen. Zuvor waren Vorwürfe zweier Ex-Ehefrauen publik geworden, die ihm häuslichen Missbrauch und Gewalt vorwerfen.

Laut dem Bericht der "Washington Post" beschuldigt auch Sorensens Ex-Frau ihn der häuslichen Gewalt. Sie gab demnach an, er habe sie während ihrer Ehe mehrfach physisch und psychisch misshandelt.

Geschlagen und gewürgt

Sorensen wies die Vorwürfe zurück und beschuldigte seine Ex-Frau seinerseits, sich ihm gegenüber gewalttätig verhalten zu haben. In einer Nachricht an die Zeitung erklärte er, er habe seinen Rücktritt eingereicht, damit sich das Weiße Haus nicht mit der Angelegenheit herumschlagen müsse.

Porters Ex-Frauen werfen ihm vor, sie vor mehreren Jahren körperlich und psychisch misshandelt zu haben. Seine erste Frau Colbie Holderness sagte der "Daily Mail", er habe sie während ihrer fünfjährigen Ehe wiederholt geschlagen und gewürgt. Das Boulevardblatt veröffentlichte Fotos von Holderness mit offensichtlich blau geschwollenem Auge.

Die Affäre um Porter belastet auch Trumps Stabschef John Kelly, der laut Berichten seit Monaten von den Vorwürfen gegen Porter gewusst haben soll. Laut einem Bericht der "New York Times" hat Kelly seine Bereitschaft zum Rücktritt erklärt, allerdings bislang nur informell.

Kelly beteuerte demnach, er habe erst 40 Minuten vor Porters Rausschmiss von den Vorwürfen erfahren. Dies hätten bei einer internen Besprechung aber viele Mitarbeiter mit Unglauben aufgenommen. Kommunikationschefin Hope Hicks, die mit Porter eine Beziehung haben soll, habe mit einem Schimpfwort auf Kellys Ausführungen reagiert.

Trump lobt Porters Arbeit

In seiner ersten öffentlichen Reaktion auf die Affäre wünschte Trump Porter am Freitag alles Gute. Dieser habe im Weißen Haus exzellente Arbeit geleistet. Trump sagte, er habe erst kürzlich von den Vorwürfen erfahren. Man müsse beachten, dass Porter seine Unschuld beteure.

Einigen Berichten zufolge soll Trump aber sehr wütend darüber gewesen sein, dass er von Kelly nicht in vollem Umfang über die Vorwürfe gegen Porter unterrichtet worden sei. Anderen Berichten zufolge waren Trump die Vorwürfe eigentlich egal. Davon sei auch Kelly ausgegangen und habe deshalb den Präsidenten nicht unterrichtet.

Einen weiteren Wechsel gibt es laut einem Bericht der Nachrichtenagentur AP im US-Justizministerium. Rachel Brand, bislang die drittmächtigste Frau der Behörde, wechselt demnach zum Supermarktkonzern Walmart und soll dort den Bereich Global Governance verantworten. Trump hatte das Justizministerium wiederholt wegen dessen Ermittlungen zur Russlandaffäre angegriffen, Brand war davon jedoch nicht betroffen.

dab/dpa/AP



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sven2016 10.02.2018
1.
Es startet die nächste Runde der Entlassungen? Trump und seine Leute befinden sich in der falschen Reality-Show. Im Weißen Haus sollte es um andere Dinge gehen. Wolff hat in seinem Buch viele der Beteiligten offensichtlich zutreffend beschrieben. König Halbglatze ist definitiv nicht von Könnern umgeben. Den General Kelly hat man auch mächtig überschätzt. Er ist auch nur ein Rechtsradikaler ohne Moral.
scoopx 10.02.2018
2. Danke, SPON!
Lieber SPON, ich kann es nicht mehr sehen. Laßt wenigstens die Bilder weg, wenn ihr es schon dauernd von Trump und seiner Truppe haben müßt. Die verschrumpelte Haut, die leeren Blicke, die falschen Haare und Zähne - kein Mensch will sich das immer wieder ansehen. Von der halbdementen, auf Machtintrigen eingedampften Verstandestätigkeit ganz zu schweigen. Die Älteren (sic!) werden sich wehmütig an Kennedys Team erinnern, "the Best and the Brightest", jung, tatendurstig und voller Idealismus. Kann man sich so etwas wie die Einrichtung des Peace Corps in den USA von heute überhaupt noch vorstellen? Heute sind eher "the worst and the dumbest" im Weißen Haus tätig. Ich frage mich, ob zwischen den Amerikanern der Kennedy-Ära und dem Volk, das Trump zum Präsidenten gewählt hat, noch irgendein geistiger Zusammenhang besteht.
Papazaca 10.02.2018
3. Männer, die gerne Frauen schlagen. Im Weißen Haus!
Trump, bescheinigte Porter gute Arbeit, bedauerte, das Porter geht und redete von Porters Unschuld. Über die verprügelten Ehefrauen kein Wort des Mitleids. In Gang ist alles ja nur gekommen, weil Fotos einer verprügelten Frau auftauchten (dickes blaues Auge) und das FBI die Vorwürfe bestätigte. Damit hat Trump wieder mal bestätigt, das man in dieser "Boys-Culture" auch bei Schlägern, die Frauen verprügeln, gerne wegsieht und auch zwei Augen zudrückt. Da können sich die Frauen nur wehren, in dem sie sich mit den verprügelten Frauen solidarisieren und Trump und den Republikanern bei den nächsten Mal nicht ihre Stimmen geben.
Beijinger 10.02.2018
4. @ scoopx
Sie sprechen mir aus der Seele. Ich habe John F.Kennedy seinerzeit life bei seinem Berlin Besuch erlebt, wo er u.a. seinen berühmten Satz auf dem Balkon des Schöneberger Rathauses ausrief “ich bin ein Berliner”. Was für ein Unterschied zur aktuellen Situation in den USA mit dem intelligenzbefreitem, gefährlichen Clown DT inklusive dem Teil der Bevölkerung, die ihn gewãhlt haben und sich nicht eingestehen wollen, daß sie von Donny Boy belogen werden und das ganze gedeckt von der GOP. Unfaßbar.
skeptikerjörg 10.02.2018
5. Wie der Herr, so dass Gescherr
So sagt man doch wohl. Wie sagte doch Trump noch: Wenn man wer ist, kann man sich Frauen gegenüber alles erlauben. Scheinbar hat er sein White House Team aus Gleichgesinnten zusammengestellt.
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