Trump trifft Kim Viel Glück, Mr President!

Donald Trump trifft am 12. Juni Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un, das scheint nun sicher zu sein. Jetzt ist der Moment, dem US-Präsidenten allen Erfolg zu wünschen - ausnahmsweise.

Donald Trump
AFP

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Ein Kommentar von , Washington


Es heißt oft, Donald Trump hasse die Medien, aber das stimmt nicht. Man muss sich nur seine improvisierte Pressekonferenz im Garten des Weißen Hauses am Freitag anschauen. Er lächelte den Journalisten zu, die um ihn versammelt waren, er flirtete mit ihnen, er gestattete immer neue Fragen, als hätte er alle Zeit der Welt.

Kurz zuvor hatte er einen Gesandten Nordkoreas aus dem Oval Office verabschiedet. Trump liebt die Medien, wenn sie an seinen Lippen hängen - wie an diesem Freitagnachmittag, als klar wurde, dass ein wahnwitziger Gipfel, der bereits abgesagt war, nun plötzlich doch stattfinden soll.

Trump ist in die Nordkorea-Sache hineingestolpert wie in sein Amt. Mit Glück und der Hilfe sehr merkwürdiger Umstände, aber ohne Verstand. Jetzt findet er sich in einer Situation wieder, in der er übernächste Woche einem Mann in die Augen blicken wird, dem er vor nicht langer Zeit noch mit der nuklearen Auslöschung drohte. Trump trifft Kim Jong Un am 12. Juni in Singapur. Schon dieser Satz ist absurd. Trotzdem muss man dem US-Präsidenten dieses Mal alles Glück der Welt wünschen.

Trumps Selbsthypnose könnte hilfreich sein

Trump soll und muss dieses Spiel gewinnen, für die Menschen in Nordkorea, für den Westen, vielleicht auch für sich selbst. Die Alternative ist ein weiter eskalierender Konflikt auf der koreanischen Halbinsel, im schlimmsten Fall Krieg.

Trump hat in dieser Sache tatsächlich die Chance, mehr zu erreichen als seine Vorgänger Bill Clinton, George W. Bush und Barack Obama: In seinem konstanten Zustand der Selbstüberschätzung könnte er Kim tatsächlich einen Weg in die Weltgemeinschaft weisen, womöglich sogar in eine (ferne) Zukunft ohne Nuklearwaffen in Korea. Die Selbsthypnose, in der sich Trump befindet, könnte endlich hilfreich sein.

Das ist nicht die Zeit, sich über ihn und seine traurige Sehnsucht nach dem Friedensnobelpreis lustig zu machen. Ja, seine emotionale Bedürftigkeit ist so peinlich wie alles andere an diesem Mann. Aber das ist nicht der Moment für Zynismus. Wir sollten ihm die Daumen drücken.

Gibt Kim sein wichtigstes Verhandlungsinstrument auf?

Und natürlich gibt es eine Menge Argumente, die gegen einen positiven Ausgang sprechen. Erstens hat Kim Jong Un mit seinen Atomsprengköpfen und Interkontinentalraketen schon jetzt mehr für sich und seinen Herrscherclan erreicht als sein Vater und sein Großvater zusammen: Er wird ernst genommen. Er wird von China hofiert und durfte sich innerhalb kurzer Zeit zwei Mal mit dem chinesischen Präsidenten treffen; er hat eine Einladung nach Moskau erhalten; er konnte einen seiner wichtigsten Leute ins Oval Office schicken; und er wird, wenn alles klappt, dem US-Präsidenten die Hand reichen. Warum sollte er sein wichtigstes Verhandlungsinstrument aufgeben?

Zweitens ist Trump der vermutlich überschätzteste Verhandler unter Gottes Sonne. Es gibt die Möglichkeit, dass er den aufkeimenden Dialog durch sein Mackertum aufs Spiel setzt, durch eine beleidigte Volte wie vorige Woche, als er den Gipfel platzen ließ. Drittens ist da die Chance, dass Kim Jong Un sich zu gar nichts verpflichten will. Und viertens sind bereits drei US-Präsidenten daran gescheitert, Nordkorea in langfristige Verpflichtungen zu binden, um das Atomprogramm zu stoppen.

Trump erwartet offenbar keinen einmaligen Durchbruch

Dennoch: Trump scheint begriffen zu haben, dass Denuklearisierung kein Akt ist, sondern ein Prozess. Er wird Jahre dauern, vielleicht ein Jahrzehnt - falls Kim das will. Experten um den Atomforscher Siegfried Hecker aus Stanford haben die notwendigen Etappen gerade in einem Bericht ausführlich beschrieben. Die Tatsache, dass Trump inzwischen von einer Entwicklung in "Phasen" spricht und sagt, es könne weitere Treffen geben, deutet darauf hin, dass er keinen einmaligen Durchbruch erwartet. Und das ist gut.

Vielleicht lernt er Diplomatie, wenigstens dieses eine Mal. Vielleicht versteht er, wie komplex Politik sein muss, wenn sie Lösungen finden möchte. Reden ist besser als drohen, Frieden besser als Krieg. Trump muss Erfolg haben, weil die Alternative furchtbar ist.



insgesamt 23 Beiträge
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Seite 1
s.l.bln 02.06.2018
1. Der Beschreibung ...
...der Ausgangslage stimme ich zu, allerdings bezweifle ich, daß Trump begriffen hat bzw. akzeptieren will, daß das ein Prozess von Jahren ist. Das widerspricht komplett seinem Naturell und dem, was er aktuell braucht. Und nur an dem orientiert sich sein Handeln. Bis zu den Midterms muß er mindestens einen, wenn nicht mehrere Erfolge vorweisen können. Die Mauer ist ausgefallen,die neue Krankenversicherung auch, seine Einwanderungspolitik wird von Gerichten zerpflückt und der leicht zu gewinnende Handelskrieg könnte auch die USA hart treffen. Wenn jetzt neben vielen Versprechen in Nordkorea nichts Greifbares mit nach hause genommen werden kann, traue ich ihm zu, daß er wieder eskaliert. Und Kim kann sich gar nicht leisten, seine Versicherung aus der Hand zu geben, bevor nicht umfangreiche Sicherheits und Wirtschaftszusagen gemacht und eingehalten wurden, weil die nordkoreanische Elite ihn sonst möglicherweise absägt. Dann ist auch noch die Frage, ob die Chinesen einen US Erfolg dort überhaupt wollen. Blöderweise verschärfen die USA parallel grade den Territorialkonflikt um das südchinesische Meer. Wir dürfen gespannt sein...
MikeyHa 02.06.2018
2. Immer hübsch bei der Wahrheit
Ganz so einfach darf man es sich nicht machen Herr Scheuermann. Die Geschichte mit Nordkorea verhält sich anders als von Ihnen dargestellt. Clinton hat 1993 ein Abkommen erzielt, dass Nordkorea bis 2001 laut Atomaufsichtsbehörde in Wien immer eingehalten hat. Die USA haben den bezahlten Atommeiler jedoch nicht wie vereinbart geliefert . Dieser Meiler, der von Brown Boveri aus dem ach so neutralen Land mit dem weißen Kreuz auf rotem Hintergrund geliefert wurde, war niemals mit dem vereinbarten Brennstoff beliefert worden, der auch nicht für den Bau von Atombomben verwendet hätte werden können. Also Vertragsbruch der USA nach alter Väter Sitte! Darauf hin haben die Koreaner ihr Atomprogramm wieder aufleben lassen und sind von Bush&Co. auf die Liste der Schurkenstaaten gesetzt worden. Verantwortlich im Vorstand von Brown Boveri waren die Herren Rumsfeld und Cheney.... (gibt es interessante Infos nicht nur im Archiv vom Guardian) Apropos, Saddam Hussein und Gaddafi und der Iran vor 10 Jahren hatten auch so ein ähnliches Abkommen und der Iran bekam auch den vereinbarten Brennstoff nicht. Hat dann wohl Russland vor einigen Jahren geliefert. Die Russen haben auch kein Interesse an einem nuklear bewaffneten Iran vor ihrer Haustüre, der ideologisch religiös in den Kaukasus Republiken neben und gegen die u.a. von den Saudis unterstützten Gruppen präsent ist. Als Christ kann ich die Führung eines Land wie in Nordkorea nicht gutheißen, doch die Wahrheit sollte immer oberster Maßstab sein. Und die Häme über Trump ist einfach nur noch peinlich. Ich hoffe er lehnt einen möglichen Friedensnobelpreis ab, um sich von üblen Preisträgern zu distanzieren. Da fällt mir nicht nur Kissinger ein, auch wenn ein Obama ihn durchaus vorab verdient hatte, um seine Agenda vom Wahlkampf wenigstens im Kern gegen bestimmte Kreise der Neocons zu behaupten.
kuac 02.06.2018
3.
Ich wünsche den beiden viel Glück. Allerdings, alles hängt vom diplomatischen Geschick des Trumps, weil die Materie sehr komplex ist und die Schicksale von Irak, Libyen oder Ukraine ja Kim bekannt sind. Die Frage ist nun, ob Trump diplomatisches Geschick besitzt oder nur drohen und erpressen kann?
123abcd 02.06.2018
4. Warum ?
Warum muss der Autor hier so unglaublich negativ und herablassend über Trump urteilen? Auf welcher faktischen Basis wird hier geurteilt?Woher kennt er denn alle trumpschen Beweggründe, Taktiken und Kenntnisstände? War die Absage vor einer Woche nicht vielleicht sogar ein meisterlicher Schachzug, um Nordkorea zu disziplinieren, unerwartet und sehr effektiv? Nur weil unorthodox und für den Redakteur überraschend, war es falsch? So einen herablassenden Text hätte ich gerne mal bei Obamas Drohnenkriegen und Merkels Flüchtlingsfiasko gelesen.. aber nein, das sind ja „richtige“ Politiker. Die machen immer alles richtig. Bei Themen wie Nordkorea und auch dem unlösbaren Israel-Konflikt haben sich amerikanische Präsidenten der letzten 40 Jahre erfolglos die Zähne ausgebissen. Und das obwohl Obama vor Amtsantritt schon den Friedensnobelpreis quasi hinhergeworfen bekommen hat. Geschweige denn von einer Effizienz europäischen oder gar deutschem Handelns in diesen Angelegenheiten. Trump kann eben der deutschen Denke nach nicht funktionieren und ernst genommen werden. Er funktioniert aber trotzdem. Und wird vermutlich sogar auch noch wiedergewählt werden, da die wirtschaftlichen US-Zahlen zu stark sind. Und die deutschen Wähler es „leider“ nicht verhindern werden können. Also, wenn Trump hier durch seine unorthodoxe Rhetorik und Umgangsweise mit Despoten, mit Zuckerbrot und Peitsche, erfolgreich ist und Nord- und Südkorea erstmals wieder näher zusammenbringt, hat er den Friedensnobelpreis mehr als verdient. Und eigentliche auch den Respekt von elitär denkenden, deutschen Redakteuren.
PaulchenGB 02.06.2018
5. Trump will die Denuklearisierung und ihm ist Erfolg zu wünschen
aber wollen das auch China und Russland, die die Nord-Korea-Sanktionen nur halbherzig durchgeführt und damit überhaupt die Nuklearisierung ermöglicht haben? Ist KIM nicht deren Marionette? Soll es zu einem Eklat in 10 Tagen kommen? Was läuft da im Hintergrund zwischen Nord-Korea und China/Russland?
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