Trumps Brexit-Tipps für May "Er wollte, dass ich die EU verklage"

Mit seinen Äußerungen, die Brexit-Politik Theresa Mays sei gescheitert, weil sie seine Ratschläge ignorierte, stiftete Donald Trump jede Menge Unruhe. Jetzt weiß man, was genau er ihr geraten hatte.

Theresa May im Interview mit Andrew Marr, BBC
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Theresa May im Interview mit Andrew Marr, BBC

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Theresa May kann wieder lächeln: Während Donald Trump zwei freie Tage als Werbepause für sein Golfhotel in Schottland nutzt, hat die Aufarbeitung seiner Auftritte in Großbritannien begonnen. Und dazu gehört, dass die Welt nun auch erfährt, wovon er eigentlich sprach, als er auf seine Ratschläge für Theresa May verwies: Die hätte May ausgeschlagen, und darum sei ihre Brexit-Politik gescheitert.

Viel zu lachen hatte die britische Premierministerin nicht mit ihrem Gast. Kurz vor ihrem Treffen hatte der in einem Interview mit der britischen Boulevardzeitung "The Sun" Mays Brexit-Plan zum Scheitern verurteilt und den abgedankten Brexit-Hardliner Boris Johnson zu einem erstklassigen Nachfolger für May erklärt.

Das alles, machte Trump später klar, waren natürlich "Fake News", weil Johnson zwar eine tolle Type sei, May aber wirklich fantastisch. Sein Lob für May habe die unfaire Zeitung aber verschwiegen. Stehen blieb im Raum der kryptische Spruch vom Ratschlag, den sie ausschlug, weil er ihr zu "brutal" gewesen sei - ein nicht näher erklärter, bleischwerer Vorwurf.

Und der war es nun, der May in einem Interview mit der BBC ein kurzes Lächeln ins Gesicht zauberte. Gefragt, was genau Trump denn vorgeschlagen habe, sagte sie: "Er wollte, dass ich die EU verklage."

Im Griff: Theresa May lässt sich mit gefroren wirkendem Lächeln von Donald Trump abführen
REUTERS

Im Griff: Theresa May lässt sich mit gefroren wirkendem Lächeln von Donald Trump abführen

Im Sinne von: Nicht verhandeln, sondern zuschlagen. Aber natürlich werde man, sagte May lächelnd, nun weiterverhandeln.

Ein US-Präsident, der eines der komplexesten politischen Probleme, dass sich ein Staat je selbst eingebrockt hat, angehen würde, indem er die Konflikte darum eskalieren ließe?

Für Trumps geschassten Ex-Chefstrategen Stephen Bannon wäre das wohl eine gute Strategie. Dem britischen "Telegraph" hatte der Folgendes zu erzählen: Trump habe May Ratschläge gegeben, die sich an den Verhandlungs-Rezepten in seinem von einem Ghostwriter verfassten Buch "Art of the Deal" orientierten. Er habe sie an die Seite gezogen und ihr geraten, ihr "Ziel zu überschießen, hart zu sein und ihr Ding durchzuziehen".

Das, so Bannon, sei die Kernaussage des Buches - und beschreibt auch Trumps Verhalten im politischen Raum ganz prächtig. Der amtierende "mächtigste Rüpel der Welt" ("Frankfurter Rundschau") ignoriert die Scherben der von ihm verursachten Schäden gern und lässt andere nachher darin nach Sinn und Verstand suchen.

So wie nun in diesen Tagen: Nicht wenige Kommentatoren entdecken in Trumps diplomatischen Affronts während des Nato- und Großbritannien-Besuchs tiefere Wahrheiten. Bannon, der sich in London mit rechtsextremen Politikern verschiedener europäischer Länder traf, lieferte dazu Rückendeckung: Trumps Vision von Boris Johnson als Premierminister sei doch genau richtig. Der solle jetzt Theresa May herausfordern!

Geräusche vom Präsidenten: Meint er was?

Ob Trump seine Brexit-Auslassungen wirklich mit solchen strategischen Hintergedanken äußerte oder völlig ohne, ist nicht ausgemacht. Als er am Donnerstag in einer Pressekonferenz im Nato-Hauptquartier in Brüssel nach seinen Ansichten zum Brexit gefragt wurde, schien er nicht wirklich zu wissen, worüber er reden solle.

Werbepause in Schottland: Donald Trump führt sein Golfressort vor, einen magischen, fantastischen Ort.
AFP

Werbepause in Schottland: Donald Trump führt sein Golfressort vor, einen magischen, fantastischen Ort.

Die Expertise des amerikanischen Präsidenten zu diesem Thema umfasste vor seinem Abflug nach Großbritannien folgende Einsichten:

  • Er habe viel darüber gelesen.
  • Der Brexit entwickele sich irgendwie anders als gedacht.
  • Großbritannien komme da "teilweise wieder mit der EU" zusammen.
  • Er selbst habe in Großbritannien eine Menge Besitz.
  • Sein Golfressort Turnberry in Schottland sei beispielsweise ein magischer Ort, einer seiner Lieblingsorte.
  • Seine Mutter sei in Schottland geboren, er habe da auch Freunde.
  • Die USA hätten einen tollen Botschafter in Großbritannien, der auch einen tollen Job mache.

Es schützte ihn nicht vor einer Nachfrage nach seinen Ansichten zum "Hard Brexit". Trump verstand "Heartbreaking" und fand das sehr lustig: Nein, herzzerbrechend sei das alles nicht. Aber hart, ja, hart irgendwie schon.

Aber da Großbritannien dafür gestimmt habe, die Verbindung mit Europa zu zerbrechen, würden die das dann wohl auch tun. Tolle Leute lebten in Britannien, sagte Trump. Auch wenn viele von ihnen protestieren würden. Aber das kenne er ja, und am Ende habe er doch die Wahl gewonnen, inklusive Wisconsin.

Was das alles mit dem Brexit zu tun hatte, ist nicht bekannt. Aber man kann es sogar nachlesen - im Protokoll des Weißen Hauses.

Jetzt droht Helsinki

Bekannt ist dafür, dass Trump kein Problem damit hat, unbelastet von zu viel Vorbereitung in Situationen hineinzugehen, die anderen als haarig gelten. So stellte er bei seinem Besuch der Queen in wenigen Stunden sämtliche Rekorde im Verletzen royaler Protokolle ein: Erst ließ er die 92-Jährige 15 Minuten stehend warten. Dann begrüßten er und Melania die Monarchin per Handschlag und ohne Knicks und Nicker.

Beim anschließenden Abschreiten der Ehrengarde hängte er die Greisin ab, die zwei Anläufe mit Ausfallschritt brauchte, um Trump einzuholen, zu umrunden und neben ihm zu landen. Am Ende plapperte Trump dann noch einem Reporter ins Mikrofon, worüber er mit der Queen so geplaudert habe. Über den Brexit zum Beispiel.

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Erst, als der Reporter nachfragte, was die Monarchin denn davon halte, fiel Trump wieder ein, dass ihm vorher "eine Menge Leute sehr eindringlich" gesagt hätten, dass man über so was nicht reden dürfe.

Reden darf und wird er stattdessen am Montag mit Russlands Präsident Wladimir Putin. Nach eigener Aussage "ohne groß etwas zu wollen": Das Treffen an sich sei doch genug. Das erinnert an das Treffen mit Kim Jong Un, in das er nach eigener Aussage ohne große Vorbereitung gegangen sei.

Putin dagegen kommt wohl mit einer sorgfältig ausgearbeiteten Agenda: Nicht zuletzt hofft Russlands Staatsführer, beim Smoozing mit Trump das Ende der leidigen Sanktionen einleiten zu können.

Führende US-Demokraten äußerten da schon die Hoffnung, dass bei dem Treffen auch andere Amerikaner im Raum seien, um eine Katastrophe zu verhindern. So etwas würde noch fehlen, um Trumps Europareise zu einem wahrhaft historischen Ereignis abzurunden.

Auch der Vorwurf einer wahlentscheidenden Verstrickung zwischen Trumps Team und russischen Kräften ist lange nicht vom Tisch. Die Anklageschrift gegen zwölf russische Militäroffiziere, so wurde am Wochenende bekannt, enthält den Vorwurf, Trump selbst habe russische Hacker dazu aufgefordert, die Mails seiner Konkurrentin Hillary Clinton nach Kompromittierendem zu durchsuchen.

(Mehr zur Aktion "Deutschland spricht" finden Sie hier .)

"Trifft Trump sein politisches Gegenüber", fragt da schon der "New Yorker" an diesem Sonntag, "oder seinen Kontrolleur?" Der Artikel wirft die Frage auf, ob Trumps Russland-Verbindungen nicht nur Jahrzehnte zurückreichen, sondern auch weit tiefer gingen als bisher gedacht: Trump könne "seit 1987 ein russischer Agent" gewesen sein. Schon dass so eine Frage über einen amtierenden US-Präsidenten überhaupt gestellt wird, ist unfassbar.

insgesamt 52 Beiträge
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Seite 1
Septic 15.07.2018
1. Klagen? Wogegen? Auf welcher Rechtsgrundlage?
Trump hat echt null Plan. Er sieht die ganze Welt aus der limitierten Perspektive eines privaten Unternehmers. Das international völlig andere Regeln gelten weil es eben keine oberste Instanz gibt sondern die Länder/Staatenbünde untereinander Kompromisse aushandeln ist ihm wohl nicht klar. Wogegen hätte May denn klagen sollen? Gegen die Regeln der EU basierend auf wessen Recht?
willibaldus 15.07.2018
2.
https://www.thedailymash.co.uk/news/celebrity/ive-met-some-dickheads-in-my-time-but-wow-says-queen-20180714175334
micromiller 15.07.2018
3. Johnson ist die gekürzte Taschenbuch
Ausgabe vom fast Herrscher unseres Planeten. Theresa is mit dieserart Männer vollkommen überfordert, leider auch mit ihrem Amt als BREXIT Vollzieherin.. Es bleibt zu hoffen, dass die ganze unausgegorene Luftnummer platzt und Britain uns in der EU erhalten bleibt. GB ist für Europa unentbehrlich, da das Land helfen kann Vernunft und Klarblick im Schlafwagenzug des EU Bummelzugs ins Nichts zu bringen.
omanolika 15.07.2018
4. Bündisschwächer und Zwitrachtsäer
Was soll man dazu noch sagen, wenn Trump dazu rät die EU zu verklagen? Sein Handeln so in Anbetracht, wünscht er sich echt Zwitracht, um Bündnisse ja zu schwächen, die ihm "zu oft" widersprechen! Doch die Theorie mit dem US-Präsident, der nur so handelt als russischer Agent, würde erklären "manche präsidiale Dummheit", aber ich denke mit Putin gäbe es Streit, denn einen Mann wie Trump beim KGB? Nie im Leben nee, nee - nicht mal ohne Toupé ;)
carahyba 15.07.2018
5. New Yorker ...
New Yorker: "Trump könnte seit 1987 ein russischer Agent sein." 30 Jahre lang, bis jetzt und ausser dem New Yorker hat es keiner gewusstund, keiner hat Verdacht geschöpft. Die USA haben anderthalb Dutzend Geheimdienste, was machen die? Achso die müssen ihre Jobs in ... usw. machen. Voll ausgelastet und die Budjets sind zu eng. In den USA schlägt die Berichterstattung schon einige Kapriolen.
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