Paul Manafort Trumps Ex-Wahlkampfchef gab Umfragedaten an Russen weiter

Der Ex-Wahlkampfchef von US-Präsident Donald Trump, Paul Manafort, hat zugegeben, während des Präsidentschaftswahlkampfes 2016 Umfragedaten an Russland weitergeleitet zu haben.

Paul Manafort
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Paul Manafort, inhaftierter Ex-Wahlkampfleiter von US-Präsident Donald Trump, hat offenbar bestätigt, während des US-Präsidentschaftswahlkampfes 2016 Umfragedaten an einen russischen Staatsbürger weitergeleitet zu haben. Dies berichten US-Medien unter Berufung auf ein am Dienstag bei Gericht eingereichtes Dokument. Bei der Kontaktperson soll es sich um Konstantin Kilimnik handeln, einen Mann mit Verbindungen zu russischen Geheimdiensten.

Manafort und der stellvertretende Wahlkampfleiter Rick Gates sollen die von einem privaten Institut erhobenen Daten im Frühjahr 2016 an Kilimnik weitergeleitet haben. Ein Großteil der Umfrageergebnisse war laut "New York Times" öffentlich. Manafort soll Gates beauftragt haben, die Informationen an zwei ukrainische Oligarchen weiterzuleiten - Serhiy Lyovochkin und Rinat Akhmetov.

Das jetzt vorgelegte Dokument sei ein Beweis dafür, dass Trumps Kampagne möglicherweise tatsächlich mit den Russen koordiniert war, schreibt die "New York Times". Ob US-Präsident Trump über die Weitergabe der Umfragedaten informiert war, ist unklar.

Bei den zugänglich gemachten Gerichtsdokumenten handelte es sich um eine Antwort auf den Vorwurf, Manafort habe US-Ermittler belogen, noch nachdem er sich zu einer Zusammenarbeit mit ihnen bereiterklärt hatte. Die Akten waren Medienberichten zufolge unzureichend geschwärzt.

Manafort wies den Vorwurf von Sonderermittler Robert Mueller zurück, über seinen Kontakt mit Konstantin Kilimnik die Unwahrheit gesagt zu haben. Er habe während der hektischen Wahlkampfzeit lediglich Details vergessen, hieß es.

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Laut "New York Times" sollen Manafort und Kilimnik einen Friedensplan für die Ukraine erörtert haben. Während des Wahlkampfs und zu Beginn von Trumps Amtszeit hätten Russland und seine Verbündeten verschiedene Pläne für die Ukraine vorgelegt, um die Sanktionen nach der Annexion der Krim zu lockern.

Staatsanwälte und Medien hatten in der Vergangenheit bereits mehrere Treffen von Wahlkampfmitarbeitern Trumps mit Vertretern Russlands offengelegt - darunter eines mit einer russischen Anwältin, die bei einem Besuch im New Yorker Trump Tower versprochen haben soll, kompromittierende Informationen zu Hillary Clinton zu liefern. Die Anwältin Natalja Wesselnizkaja wurde am Dienstag wegen Justizbehinderung angeklagt. Die Staatsanwaltschaft in New York wirft ihr vor, Ermittlungen in einem Geldwäschefall behindert zu haben.

Der 69-jährige Manafort ist seit Mitte Juni in Haft. Trump hatte den umstrittenen Lobbyisten und Politikberater im März 2016 in sein Wahlkampfteam berufen und ihn im Juni zum Leiter gemacht. Nur zwei Monate später musste Manafort den Posten allerdings räumen. Hintergrund waren Vorwürfe, er habe in der Ukraine Millionen aus schwarzen Kassen bezogen. In einem ersten Prozess wurde Manafort in diesem Zusammenhang wegen Steuer- und Bankenbetrugs schuldig gesprochen; das Strafmaß wurde noch nicht verkündet. In einem anderen Fall bekannte Manafort sich schuldig.


Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version dieser Meldung hieß es, Paul Manafort habe zugegeben, während des Präsidentschaftswahlkampfes 2016 Informationen über einen Mittelsmann an den kremlnahen russischen Oligarchen Oleg Deripaska weitergegeben zu haben. Dies war nicht korrekt. Bei den Zielpersonen handelte es sich zwei ukrainische Oligarchen.

ala/AFP/Reuters/dpa



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