Trump in der Vertrauenskrise Amerikaner lehnen Präventivschlag gegen Nordkorea ab

Er schickt Bomber und übt sich in Kriegsrhetorik: US-Präsident Trump droht Nordkorea mit Vernichtung. Doch zwei Drittel der Amerikaner wollen keinen Erstschlag.

US-Präsident Donald Trump
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US-Präsident Donald Trump


Mit seinen scharfen Attacken gegen Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un gewinnt US-Präsident Donald Trump keinen Rückhalt in der eigenen Bevölkerung. Trotz der Sorge um Nordkoreas Atomprogramm lehnen zwei Drittel der US-Amerikaner einer Umfrage zufolge einen Präventivschlag gegen Nordkorea ab.

Besonders prekär für Trump: 72 Prozent der mehr als tausend Befragten trauen eher der Führung des US-Militärs als ihrem Präsidenten zu, mit dem Konflikt verantwortungsvoll umzugehen. Das stellte die US-Zeitung "The Washington Post" nach einer gemeinsamen Umfrage mit dem TV-Sender ABC am Sonntag fest.

Insgesamt bewerten 57 Prozent die Arbeit von Trump negativ, 39 Prozent heißen diese gut. Dabei ist die Sorge vor Nordkoreas Verhalten sichtlich groß: Lediglich acht Prozent der Befragten trauen dem nordkoreanischen Regimeführer Kim Jong Un ein verantwortungsvolles Handeln zu.

Rund drei Viertel der Befragten befürworten Wirtschaftssanktionen als Druckmittel, um den weitgehend isolierten kommunistisch regierten Staat zur Aufgabe seines Atomprogramms zu bewegen.

Gefährlicher "Krieg der Worte"

Die Umfrage fand zwischen dem 18. und dem 21. September statt und fiel damit zeitlich zusammen mit der Rede Trumps vor den Vereinten Nationen. Dabei hatte der US-Präsident Nordkoreas Machthaber unter anderem als "Raketenmann auf einer selbstmörderischen Mission" bezeichnet und mit "völliger Zerstörung" Nordkoreas gedroht, sollte das Land seine Atompolitik nicht beenden.

Mit seinen Aussagen habe Trump einen "Krieg der Worte" entfesselt, der möglicherweise ein neues gefährliches Kapitel im Konflikt geöffnet haben könnte, schreibt die Zeitung.

Ähnlich hatten auch Politiker mehrerer Länder die Eskalation des Streits zwischen den USA und Nordkorea kritisiert. "Die kriegerische Rhetorik bringt uns keinen Schritt weiter", sagte der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel, sie befeuere den Konflikt nur noch. Der russische Außenminister Sergej Lawrow warnte: Die "Hitzköpfe" müssten beruhigt werden, Vernunft sei nötig und nicht der "emotionale Ansatz eines Kindergarten-Streits". Die Schweiz bot Hilfe als Vermittler an, ebenso Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Die Verbalattacken, die US-Präsident Trump und die Führung Nordkoreas austauschen, gewinnen von Tag zu Tag an Schärfe. Auf Twitter schrieb Trump am Samstag: "Habe gerade Nordkoreas Außenminister vor der Uno reden gehört. Wenn er die Gedanken des kleinen Raketenmanns nachplappert, werden sie nicht mehr lange da sein."

Der nordkoreanische Außenminister Ri hatte in einer Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York gesagt, Nordkorea werde "erbarmungslose, präventive Schritte" ergreifen, sollten die USA das Hauptquartier in Pjöngjang oder das Militär Nordkoreas "zu köpfen" versuchen. Trumps Rede tat er als "Hundegebell" ab.

Trump hatte vor der Uno in Anspielung auf Kim und dessen Raketentests gesagt: "Der Raketenmann ist auf einer Selbstmordmission für sich selbst und sein Regime." Der nordkoreanische Außenminister Ri entgegnete, Trump sei selbst auf einer "Selbstmordmission". Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un Trump bezeichnete den US-Präsidenten als "geistig umnachteten Amerikaner", den er "endgültig mit Feuer bändigen" werde.

Nordkorea mobilisierte am Wochenende mehr als 100.000 Bürger in Pjöngjang zu einer Kundgebung gegen die USA. Die Amerikaner haben wiederum Bomber und Kampfjets entlang der Ostküste NordkoreasRichtung Norden fliegen lassen, um dem Regime in Pjöngjang so offenbar ihren Kampfwillen zu demonstrieren.

Anti-US-Demonstration in Nordkorea
REUTERS

Anti-US-Demonstration in Nordkorea

Trump: Iran arbeitet auch mit Nordkorea

Per Twitter warf der US-Präsident außerdem dem Regime in Iran eine Zusammenarbeit mit Nordkorea vor. "Iran hat soeben eine ballistische Rakete getestet, die Israel erreichen kann. Sie arbeiten auch mit Nordkorea. Nicht gerade ein gutes Abkommen, das wir da haben." Irans Test einer neuen Mittelstreckenrakete wertete der US-Präsident als Beleg für die Schwäche des von ihm kritisierten Atomabkommens mit dem Land.

Der iranische Parlamentspräsident Ali Laridschani verglich daraufhin das Vorgehen des US-Präsidenten mit dem des Nazi-Propagandaministers Joseph Goebbels. "Angeblich verfolgt Trump mit seinen Lügereien die Goebbels-Doktrin", sagte Laridschani am Sonntag. Er bezog sich auf das Goebbels-Zitat "Eine Lüge muss nur oft genug wiederholt werden. Dann wird sie geglaubt."

Laridschani warf Trump vor, in seiner iranfeindlichen Rede in der Uno-Vollversammlung viele Lügen verbreitet zu haben. Seine Rhetorik erinnere mehr an einen "Nachtklubbesitzer" als an einen amerikanischen Präsidenten. Die Welt habe sich verändert, Trump habe das nicht mitbekommen. Iran sei nicht mehr ein von den USA kommandiertes Land, sondern ein unabhängiger Staat.

kig/dpa/Reuters

insgesamt 4 Beiträge
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kalim.karemi 24.09.2017
1. Präventivschlag
Sollte Guam angegriffen werden, ist es kein präventivschlag, dann ist es die einzig mögliche Antwort. Trump wird sicher nich ohne Grund NK angreifen.
B!ld 24.09.2017
2. Nachtklubbesitzer ...
... langsam findet die Weltgemeinschaft die richtigen Worte für Trumps hilflose Gebärden.
frenchie3 24.09.2017
3. @1 Häh?
Ein Angriff auf einen nicht erfolgten Angriff ist kein Präventivschlag sondern eine Verteidigung? Wo bin ich da zu blöd das zu verstehen?
Celestine 24.09.2017
4.
Zitat aus dem Artikel: "Besonders prekär für Trump: 72 Prozent der mehr als tausend Befragten trauen eher der Führung des US-Militärs als ihrem Präsidenten zu, mit dem Konflikt verantwortungsvoll umzugehen." Das stimmt. Ich sehe jeden Tag CNN. Kein einziger General oder sonst ein hochrangiger Offizier hat jemals eine militäre Intervention befürwortet, sondern nur eine diplomatische. Die an der Regierung beteiligten Generäle sehen das ähnlich, jedenfalls laut der Einschätzung jener Militärexperten. Nachdem Trump während der Wahlkampagne die atomare Aufrüstung nicht nur von Südkorea und Japan, sondern auch von dem ultrareligiösen Staat Saudi-Arabien in Aussicht stellte, weiß man, dass das Einzige, was ihn an Nordkorea stört, das kommunistische System ist. Es ist doch absurd, dass der südkoreanische Präsident Moon eine Annäherung an Nordkorea befürwortet, was von Trump als Appeasement gerügt wird, währen er selber zündelt und provoziert, ganz so, als ob Südkorea eine Kolonie der USA sei und kein souveräner Staat, der das Recht zur eigenständigen politischen Meinungsbildung hat. Trump tut das, was die uneinsichtigsten GOP Falken von ihm erwarten. Abgesprochen wird das Vorgehen höchstens mit (dem auch Hardliner) Abe von Japan.
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