Hilfe für Assad Iran schickt offenbar Elitetruppe nach Syrien

Der blutige Bürgerkrieg reibt Syriens Armee auf - doch offenbar kann das Regime in Damaskus auf Unterstützung hoffen. Laut "Wall Street Journal" entsendet Iran eine Spezialeinheit in das umkämpfte Land. Die Elitekommandanten sollen die Assad-Truppen taktisch und logistisch schulen.

Revolutionsgarde beim Manöver (Archivaufnahme): Auf dem Weg nach Syrien?
AFP

Revolutionsgarde beim Manöver (Archivaufnahme): Auf dem Weg nach Syrien?


Damaskus/Teheran - Iran sorgt sich offenbar ernsthaft um einen seiner letzten Verbündeten. Das Regime in Teheran will einen Machtwechsel in Syrien unbedingt vermeiden - und schickt eine Spezialeinheit in das umkämpfte Land. Wie das "Wall Street Journal" berichtet, sollen die gefürchteten Kuds-Brigaden (auch bekannt als Revolutionsgarden) schon bald an der Seite der Assad-Armee kämpfen.

Die Zeitung beruft sich dabei auf die Aussage von General Salar Abnush, der einen Ableger der Elitetruppe befehligt. "Heute sind wir in jeden Aspekt des Kriegs in Syrien eingebunden", soll Abnush laut " Wall Street Journal" am Montag vor Freiwilligen gesagt haben. Die militärischen Führungskräfte sollen die Syrer demnach vor allem taktisch beraten und bei Aufklärungs- sowie Spionagemissionen unterstützen.

Sollte die Aussage, die von einer iranischen Nachrichtenagentur weitergegeben wurde, zutreffen, wäre es das erste offizielle Eingeständnis einer Verwicklung iranischer Truppen in Syrien.

Zwar hatte schon im Mai 2012 ein hoher Soldat der Kuds-Brigaden einen Einsatz eingeräumt. Das Interview wurde von der iranischen Nachrichtenagentur Isna jedoch schnell wieder von der eigenen Webseite entfernt.

Neben den Kuds-Kommandanten sollen laut dem aktuellen Bericht auch Hunderte reguläre Soldaten in das Krisenland geschickt werden.

Abkommen soll Teheran zum Beistand verpflichten

Ganz überraschend kommt die Truppenbewegung nicht: Am vergangenen Donnerstag hatte der iranische Verteidigungsminister Ahmad Vahidi laut lokalen Zeitungen erklärt, sein Land werde den Verbündeten unterstützen. Dazu sei Iran durch ein entsprechendes Abkommen verpflichtet, so Vahidi. Allerdings nur, wenn Damaskus offiziell um Beistand bitte - was bisher nicht geschehen sei.

Trotzdem halten sich schon seit längerem Gerüchte, dass Teheran Assad mit Militärausrüstung und Logistik unterstützt:

  • Drohnen: Seit Februar wurden über Vororten von Damaskus sowie über Homs und Hama kleine iranische Überwachungsdrohnen gesichtet und in Satellitenaufnahmen dokumentiert. In Aleppo gelang es Aufständischen offenbar erstmals, intakte Drohnen des Typs Mohajer 4 und Ababil zu erobern. Die Mohajer 4 sind kleine Drohnen, die per Fernbedienung gesteuert werden. Die Ababil ist größer und soll einen Flugradius von bis zu 150 Kilometern haben. Das syrische Regime kann mit den Drohnen beobachten, wo die Rebellen Position beziehen.

  • Geld: Teheran hilft Damaskus, die Wirtschaftssanktionen zu umgehen, die die Europäische Union und die USA gegen Syrien erlassen haben. Nachdem Assads wichtigster Handelspartner, die EU, weggefallen ist, nimmt Teheran Assad das Öl ab. Dazu werden iranische Tankschiffe eingesetzt, die unter anderer Flagge fahren. Ob und wohin Iran das Öl weiterverkauft, ist unklar. Das klamme syrische Regime kommt dank Teherans Hilfe an dringend benötigtes Geld. Auch hat Iran Syrien Stromlieferungen versprochen.

Sollte sich eine Einmischung Teherans bestätigen, würde dies den Konflikt noch gefährlicher machen. Vom Krieg eines Regimes gegen Teile seiner Bevölkerung ist er zu einem Bürgerkrieg mit konfessionellen Zügen mutiert.

Gleichzeitig nimmt der Konflikt immer mehr die Züge eines Stellvertreterkriegs an: Die sunnitischen Golf-Monarchien unterstützen seit Frühjahr 2012 verschiedene Rebellengruppen mit Waffenlieferungen. Der schiitische Iran weitet dagegen seine Unterstützung für das Assad-Regime und schiitische Gruppen in Syrien offenbar massiv aus.

jok



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Seite 1
kuddel37 28.08.2012
1. .
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINEDer blutige Bürgerkrieg reibt Syriens Armee auf - doch offenbar kann das Regime in Damaskus auf Unterstützung hoffen. Laut "Wall Street Journal" entsendet Iran eine Spezialeinheit in das umkämpfte Land. Die Elitekommandanten sollen die Assad-Truppen taktisch und logistisch schulen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,852485,00.html
Nichts anderes macht der Westen doch auch immer. Nur das der Westen Terroristen ausbildet und dabei hilft ein Land zu destabilisieren um eine Regierung zu stürzen. Der Iran hilft der rechtmäßigen Regierung dabei die terroristen zu bekämpfen. Mit etwas Glück erwischen sie ja sogar noch ein paar westliche Terrorhelfer.
schandmaul1000 28.08.2012
2. optional
Hilfe zu Selbsthilfe statt französischem Maulheldentum alla Horlande
JDR 28.08.2012
3. ...
Zitat von kuddel37Nichts anderes macht der Westen doch auch immer. Nur das der Westen Terroristen ausbildet und dabei hilft ein Land zu destabilisieren um eine Regierung zu stürzen. Der Iran hilft der rechtmäßigen Regierung dabei die terroristen zu bekämpfen. Mit etwas Glück erwischen sie ja sogar noch ein paar westliche Terrorhelfer.
Tja, was habe wir denn hier? Äußeres Eingreifen in den "internen Konflikt" Syriens? Dann können "andere Nationen" selbstverständlich "adäquate Gegenmaßnahmen" ergreifen. Richtig ist, dass Assad ohne Eingreifen von Außen nicht gewinnen wird. Keine seiner Eskalationen hat den erhofften Erfolg und die Risse und Löcher in seinem Rumpf werden größer. Richtig ist auch, wenn die Interbvetnion nicht auf die IRI beschränkt bliebt, sondern "ausgeglichen" wird, bedeutet dies einen kürzeren, blutigen, aber insgeamt wohl "humaneren" Krieg. Assad hat offensichtlich keine Freunde mehr. Er hat sich einen Meister gesucht und diesem unterworfen.
herbert_schwakowiak 28.08.2012
4.
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINEDer blutige Bürgerkrieg reibt Syriens Armee auf - doch offenbar kann das Regime in Damaskus auf Unterstützung hoffen. Laut "Wall Street Journal" entsendet Iran eine Spezialeinheit in das umkämpfte Land. Die Elitekommandanten sollen die Assad-Truppen taktisch und logistisch schulen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,852485,00.html
Der war gut. Es mischt sich ja sonst niemand dort ein. ;-)
anders-artig 28.08.2012
5. Wenn die Entwicklung
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINEDer blutige Bürgerkrieg reibt Syriens Armee auf - doch offenbar kann das Regime in Damaskus auf Unterstützung hoffen. Laut "Wall Street Journal" entsendet Iran eine Spezialeinheit in das umkämpfte Land. Die Elitekommandanten sollen die Assad-Truppen taktisch und logistisch schulen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,852485,00.html
dieses syrischen Konfliktes tatsächlich zu einer Auseinandersetzung der religösen islamischen Strömungen ausartet, unter Beteiligung der aneren arabischen Staaten, dann kann es nur im Interesse der christlich, westlichen Nationen sein sich aus dieser Sache herauszuhalten, oder der unvermeitliche Flächenbrand wird auch uns die "Finger verbrennen". Ob dieser mögliche religiöse Konfklikt von den arabischen Staaten noch unterbunden werden kann bleibt abzuwarten. Jedenfalls ist jetzt der Zeitpunkt um Schlimmeres zu verhindern. Ein Religionskrieg würde kaum noch zu stoppen sein und sicherlich unglaubliche Zerstörung und Leid nach sich ziehen. Ob dann der Westen nur noch zuschauen kann/darf ohne einzugreifen wird sich dann zeigen. Und was ein Eingreifen des christlichen Westens dann wiederum nach sich ziehen könnte, daran möchte man lieber nicht denken...
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