Bundeswehr: De Maizière besucht deutsche Soldaten in Afghanistan

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Verteidigungsminister de Maizière: Reise nach Afghanistan

Verteidigungsminister Thomas de Maizière ist im Norden Afghanistans gelandet, um Bundeswehrsoldaten zu treffen und sich vor Ort über den Abzug vom Hindukusch zu informieren. Bis Ende 2014 sollen die Kampftruppen das Land verlassen, zurzeit sind noch mehr als 4000 Deutsche dort stationiert.

Masar-i-Scharif - Der Truppenbesuch war wie üblich nicht angekündigt: Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) ist am Donnerstag im afghanischen Masar-i-Scharif gelandet. Dort sind die meisten der rund 4100 derzeit in Afghanistan eingesetzten Bundeswehrsoldaten stationiert.

Der Besuch de Maizières erfolgt kurz nach der landesweiten Übernahme der Sicherheitsverantwortung in Afghanistan durch heimische Polizei- und Armeekräfte. Bis Ende 2014 sollen die Isaf-Kampftruppen das Land verlassen. Über den Stand des Abzugs wollte sich der Minister bei seiner Visite informieren.

Allerdings sind auch nach dem Abzug noch internationale Ausbildungs- und Unterstützungsmissionen vorgesehen, an denen sich auch Deutschland beteiligen will. Internationale Truppen werden in der Hauptstadt Kabul und in einzelnen regionalen Zentren - auch in Masar-i-Scharif - weiter stationiert sein.

De Maizière nannte für ein solches künftiges deutsches Engagement allerdings erneut auch Bedingungen. So müsse es ein geschlossenes Nato-Konzept geben. Bislang wollen sich vor allem die USA noch nicht auf ihre künftige Truppenstärke festlegen. Zweite Bedingung sei eine verlässliche Vereinbarung mit der afghanischen Regierung über ein Truppenstatut, so der deutsche Verteidigungsminister.

Die Gespräche darüber hat der afghanische Präsident Hamid Karzai allerdings vorerst ausgesetzt, weil er sich bei Verhandlungen mit den radikalislamischen Taliban von den USA übergangen fühlte.

Bundeswehr will neue Drohnen anschaffen

Im Rahmen der Afghanistan-Reise will de Maizière auch mit dem italienischen Verteidigungsminister Mario Mauro und dem afghanischen Ressortchef Bismillah Mohammadi zusammentreffen.

In Deutschland steht de Maizière wegen der Affäre um das gescheiterte Drohnen-Projekt "Euro Hawk" unter Druck. Vergangene Woche überstand er mit den Stimmen der Koalition im Bundestag einen Antrag der Fraktion der Linken auf Entlassung. Ihm droht auch ein Untersuchungsausschuss zum Thema "Euro Hawk".

Ungeachtet des Debakels bekräftigte de Maizière vergangene Woche erneut seine Pläne zur Aufrüstung der Bundeswehr mit Kampfdrohnen: "Wir brauchen die damit verbundenen Fähigkeiten zum Schutz unserer Soldaten und zum Schutz unserer Verbündeten."

De Maizière will bis zu 16 Drohnen für mittlere Flughöhen anschaffen, die auch bewaffnet werden können. In Frage kommen Modelle aus Israel und den USA. Beim US-Modell "Reaper" könnten dieselben Probleme bei der Zulassung für den europäischen Luftraum anstehen, an denen der "Euro Hawk" gescheitert ist.

Bis Ende August soll zudem nach Informationen des SPIEGEL ein Vertrag zum Kauf von Hubschrauber-Drohnen des Typs "Camcopter" S-100 unterschriftsreif sein. Unbemannte österreichische Helikopter sollen von Korvetten aus bei der Aufklärung helfen.

kgp/AFP

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1. Flucht nach Afghanistan?
ftraven 20.06.2013
Zitat von sysopDPAVerteidigungsminister Thomas de Maizière im Norden Afghanistans gelandet, um Bundeswehrsoldaten zu treffen und sich vor Ort über den Abzug vom Hindukusch zu informieren. Bis Ende 2014 sollen die Kampftruppen das Land verlassen, zurzeit sind noch mehr als 4000 Deutsche dort stationiert. http://www.spiegel.de/politik/ausland/truppenbesuch-in-afghanistan-de-maiziere-besucht-soldaten-a-906823.html
Wie oft fliegt der Kriegsminister eigentlich nach AFG? Dabei sind doch die Drohnen in AFG für ihn sicher gefährlicher als in D (Satire). Ich befürchte, dass bis zum "Abzug" (der lediglich eine Verminderung der Truppen ist. ISAF will angeblich abziehen, das betrifft jedoch nicht OEF. Und wer weis, vielleicht will die neue afgh. Regierung 2014 gar keine fremden Truppen mehr) noch viele Soldaten ihr Leben lassen müssen. Wofür? Es musste klar sein, dass nach dann zwölf Jahren vergeblichen Krieges eine schwierige Situation kommt. Die Warlords und die Taliban scharren doch jetzt schon mit den Füssen. Es wird für die USA und ihre Vasallen ein zweites Vietnam werden. Nach Korea hat man auch dort keinen Krieg gewonnen. Während in Korea noch der Status quo ante nach über 50.000 gefallenen US-Soldaten erreicht werden konnte, konnten fast 60.000 gefallene GI´s nicht verhindern, dass das ursprüngliche Ziel, nämlich die Vermeidung eines kommunistischen Vietnams, am 01.05.1975 ge- storben war. Die vielen tausenden Afghanen, die die fremden Truppen unterstützt haben, sollten schon ihre Koffer packen ebenso wie Karzai und sein Clan. Nur der deutsche Michel in ausgeprägter Vasallenhaltung bleibt wahrscheinlich bis zum Schluss und muss aufpassen, nicht von den Taliban überrannt zu werden. Und wenn man diesen unglückseeligen, amerikanischen Rachefeldzug dann beendet hat, wird die afgh. Armee u.a. mit ca. 150 Mio € pro Jahr von uns aufgerüstet. Hier knallt es an allen Ecken der sozialen Front, aber Banken, Euroländer und Afghanistan werden mit hunderten Milliarden überhäuft. Daneben freuen sich natürlich die Taliban, denn jeder übergelaufene (oder überrannte) afgh. Soldat ist dann bestens ausgerüstet und die Waffenlager sind voller moderner Waffen, die man dann schön einsetzen kann. Es spielt überhaupt keine Rolle, ob 2012 oder 2014.Was sagt Frau Merkel den Angehörigen gefallener oder verwundeter deutscher Soldaten, die bis 2014 betroffen sind? Man kann zu dem bisherigen Einsatz lediglich sagen, dass er gescheitert ist. Vielleicht verabschiedet man sich Frau Merkel noch mit einer "Siegesparade" in Kabul.
2. Will er mal nachschauen
peterderkleine 20.06.2013
wie die ganze Mission gescheitert ist? Die Taliban sitzen ueberall und warten nur darauf dass die ISAF endlich verschwindet. Ihr neues Islamisches Emirat hat ja die einzige "ligitime" (Taliban) Regierung schon ausgerufen.
3. o
Wilmalein 20.06.2013
Thomas de Maizière könnte doch eigendich für immer in Afghanistan bleiben. Das Altersruhegeld wird den dortigen Lebenshaltungskosten angepasst, dass spart ne Menge Geld und wir sind ihn los.
4. Flurgespräche
joachim_m. 20.06.2013
Nachdem ihm vorgeworfen wurde, den Flurgesprächen nicht nachgegangen zu sein, verdrückt er sich wohl jetzt nach Afghanistan, um die Gespräche nicht mehr hören zu müssen ;)
5. Und er hat geholfen,
derandersdenkende 20.06.2013
Zitat von WilmaleinThomas de Maizière könnte doch eigendich für immer in Afghanistan bleiben. Das Altersruhegeld wird den dortigen Lebenshaltungskosten angepasst, dass spart ne Menge Geld und wir sind ihn los.
Afghanistan zu einem friedlichen aufstrebenden Land zu machen. Tu Gutes und rede darüber. Andersherum ist das Meiste schlecht, sollte man besser schweigen. Aufs Schönreden könnte Ihre Empfehlung, die richtige Antwort sein!
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